LXXII Skulptur. KUNSTGESCHICHTE. XVL Jahrhundert:

sich im xIv, und xv. Jahrhundert aus kleinen bemalten Gruppen
und Tafeln aufbaute, das wird jetzt in lebensgroße Bildwerke und in
die Dialekte der gewaltigen, von der freien Marmorskulptur Italiens
geschaffenen Formen übertragen.
Der Anblick dieser erstaunlichen Werke, in denen die spanische
Kunst des Nordens damals ganz aufging, gibt zu weitschauenden Betrachtungen
 Anlaß, Die Kirche hatte mit Mißtrauen gegen plastische
Darstellungen begonnen und im christlich-griechischen Ostreich waı
die Malerei die orthodoxe Kunst geworden. Hier nun, im äußerster
Westen, hat sich jetzt, wahrscheinlich im Rückschlag gegen die Bilderfeindschaft
 des Islams, eine fast ausschließliche Bevorzugung deı
Bildhauerkunst entschieden. ‘ . ,
Von der Anpassung des mittelalterlichen Altarschreins an die
modernen italienischen Formen ist eines der merkwürdigsten Beispiele
 der Retablo von MıGumL DE ANCHETA in Tefalla (3. 204). Eı
enthält an 35 Statuen und Gruppen, in welchen alle Stufen des Reliefs
 mit technischer Gewandtheit zur Anwendung gebracht sind,
Studien antiker Statuen gesellen sich mit Buonarrotischen Kontraposten
 und einer. oft leidenschaftlich erregten Mienen- und Gebärdensprache,
 Diese Eigenschaften erscheinen zum "Teil noch stärker
akzentuiert in dem Retablo zu Cascante (8. 204), von PzDro Gon-ZÄLEZ
 DE SAN PEDRO und AMBROSIO DE VENGOECHEA, Von dem auch
San Vicente in San Sebastiän (S. 11) beachtenswerte Statuen besitzt.
In Kastilien gehört Gaspar Becerra (ca. 1520-70) hierher, der
sich wie sein Vorgänger Berruguete in langjährigem Aufenthalt zu
Rom als Gehilfe Vasari’s in der Cancelleria und. Daniele da Volterra’s
auf TrinitA de’ Monti gebildet hatte, ein Maler, Bildhauer und gelehrter
 Anatom: er Heferte die Zeichnungen zu Valverde’s Anatomie
(Rom 1554). Nach seiner Rückkehr bemalte er Gemächer des alten
Schlosses in Madrid und des Pardo in Fresko. ‚Sein eigentliches Gebiet
 ist aber die Holzschnitzerei, In dem nur noch in seiner Zeichnung
erhaltenen Retablo der Descalzas Reales zu Madrid (S, 92) war der
Anteil der drei Künste gleichmäßig abgewogen. Sein Hauptwerk ist
der Retablo von Astorga (S. 170; 1558-69). Idealschönheit und Würde,
glückliche Berechnung für das Auge sind seine Vorzüge, Ausdruck
und Komposition treten zurück, Antike und Michelangelo ersetzen
die Naturstudien. Seine Asunta ist eine Niobe, die theologischen
Tugenden sind den Tageszeiten der Mediceerkapelle nachgebildet.
Dieses großartige Werk, das mehr erstaunend als erwärmend wirkt,
ist ein gutes Beispiel der besonnenen Estofadobemalung, die nach
der farblosen Episode der Renaissance jetzt wieder erneut wurde. —
Verwandten Geistes ist der Retablo der Brüder Roprico und MARTIN
DE LA Haya in Burgos (S. 30; 1577-93). .
. Vielleicht der kühnste Aufbau dieser Art ist der Retablo der
Klosterkirche Santa Clara zu Briviesca (S, 24), begonnen von DıEG0
GvimLLEN 1526, vollendet von PEDRO Lörkz Da GAMIz aus Miranda;
vorzüglicher im einzelnen ist der der h, Casilda in. der Colegiata,