Hochrenaissance, KUNSTGESCHICHTE, Skulptur. LXAHL

Zu dem Retablo von San Ansensio (S. 207) hat PEDro ARBULO
MARGUVETE (1569) die Zentralgruppe des Jüngsten Gerichts der
Sixtinischen Kapelle in Skulptur übersetzt, Ein anderer MAERSTRE
GumLEn lieferte den schönen Retablo von Cäceres (3. 441) und die
Türen und Schränke der Sakristei von Sevilla (S, 390).
Die Buonarrotische Art verzerrte der überschätzte JUAN DE JUNI
(+ ca. 1586), der von Porto nach Valladolid kam, zu verdrehten
ünd schwerfälligen Karikaturen (S. 38). Sein Nachfolger, der Galicier.
 GREGORIO HERNANDEZ (1566-1636), dagegen, gewarnt durch
Juni’s Ausschweifungen, reinigte auf Grundlage guter Studien der
Natur die Plastik von allen diesen Schulmanieren, Seine Arbeiten in
Valladolid (8. 38) und sonst wirken durch Einfachheit, edle Formen,
verständliche Erzählung und Ernst der Empfindung, Ein mäßiger
Nachfolger war ESTEBAN JorgpAn, Diese von Haus aus vornehme
Bildhauerschule wurde durch die Passionsgruppen in Fühlung mit
lem Empfinden der Massen erhalten.
In Sevikla, wie überhaupt in Andalusien, hatten die Prachtwerke
 des plateresken Stils und die italienisierende Malerei die
volkstümliche Plastik zurückgedrängt. Erst nach dem Erlöschen
dieser Renaissance, im Anfang des XVII, Jahrhunderts, fand eine
Wiedergeburt der nittelalterlichen polychromen Plastik statt, und
Zwar durch einen einzigen Mann, Martinez Montafigs (+; 1649).
der dem. kirchlich - künstlerischen Gesamtbild der Stadt am Gu8-dalquivir
 einen Hauptzug aufgeprägt hat. In den Werken dieses
Meisters und seiner Schule ist jede Spur des welschen Wesens
mit seiner Mischung des Christlich-Biblischen und Heidnisch-Phantastischen
 verschwunden; es ist eine ganz auf dem Boden spanischer
Empfindungsweise gewachsene Kunst, aber getragen von einem
Formensinn, wie’er wohl nur in Sevilla zu Anden war. Edle, schwermütig
 ernste Köpfe von reinen Linien, wohlgebaute, eher schlanke
Gestalten, ruhige Würde, glänzende, von Gold schimmernde, doch
immer vornebhme Bemalung in Ölfarbe sind Kennzeichen dieser
Werke.‘ «Nur selten kommt eine, von Pacheco (S. LXXXI) bevor-7ugte,
 matte Behandlung vor. Diese Statuen stehen meist in einem
Nischenaufbau von maßvoller Cinquecentoomamentik, In Adel
der Form ünd künstlerischer Durchbildung übertreffen sie wohl
die sonstigen Werke ihrer Art, in Leben, Phantasie, Charakteristik
stehen sie aber den früheren nach, Am besten gelangen Montahes
Einzelstatuen; einige der vorzüglichsten und charaktervollsten sind
im Museum (z. B. der h. Dominikus; 5. 398) und in der Kathedrale
‚Madonna, Kruzifix, S. 388, 389), Seltener sind große Reliefgruppen
(Jerez, 8, 411) und Bildnisstatuen (Guzmän el Bueno und seine Geinahlin
 in Santiponce, S. 403). Die beiden Jesuiten St. Ignaz und
St. Francisco de Borja in der Universitätskirche (8. 394) sind jdealisierte
 Bildnisse von strenger Noblesse im Charakter und Pathos des
Ausdrucks, Zum Volk sprach er am stärksten in seinen Passions-Zruppen
 (pasos), die zu den Prozessionen der heiligen Woche hervor-