LXXX Malerei, KUNSTGESCINCHTE. XVE Jahrhundert:

der bildenden Kunst einen großen Zug zu verleihen. In den. Jahrzehnten
 um 1500 war in Kastilien eine Gruppe von Malern beisammen,
 die eine Parallele zu den toskanischen Quattrocentisten bilden
Von dem umfangreichsten und ältesten Unternehmen dieser Richtung,
den Freskomalereien im Kreuzgang der Kathedrale von Ledn (S. 150;
unter dem Bischof Venier, einem Venezianer, 1464-70), sind nur
noch Trümmer übrig. Einen guten Begriff von der Kunst des JUAN
DE BorcoNA (7 ca. 1533) geben die Wandmalereien und einige
Prälatenbildnisse des Kapitelsaales zu Toledo (S.131), während seine
Fresken im Kreuzgang u. a. O0. ebenfalls untergegangen sind. Wahrscheinlich
 hat er sich als Gehilfe florentinischer Maler, vielleicht des
Ghirlandaio, gebildet. Es sind neutestamentliche Szenen, gemalt 41!
klarem, hellem Freskoton, von fester großer Zeichnung; nur eine
gewisse Herbigkeit und Härte in Typen und Gebärden weist darauf
hin, daß sie ganz anderem Boden entwachsen sind. Dieser Burgunder
 (ein Bruder des Bildhauers Philipp Vigarnf, S. LXvır) fand einen
Gehilfen und Nachfolger in FRANCISCO DE AMBERES (Antwerpen),
dessen Gemälde häufig in Kirchen Toledos vorkommen, Er paßte
den Stil den kleinen Tafeln der Retablos an und gab zuweilen den
Szenen durch reiche sonnige Landschaften hohen Reiz (z. B. in San
Andr6s, S. 135). Daß Borgofia auch geschickt in der Ölmalerei war,
zeigen die von ihm stammenden Tafeln im Retablo der Kathedrale
von Avila (S. 41; 1508). Hier arbeitete er zusammen mit PEDRoO
BERRUGURTE, dem Hofmaler, und Santos Cruz, Inder Tat lassen
sich an diesem wichtigen. Werk außer seiner noch zwei Hände unterscheiden:
 die eines Nachfolgers des Pietro Perugino und ‚eine .von
echt kastilischer Art, Die realistisch aufgefaßten Rassentypen, die
Kraft der Farbe, die Festigkeit der Zeichnung und Perspektive, die
geschickte Benutzung der Goldflächen machen den. von demselben
Meister stammenden Retablo. von Santo Tomäs in Avila (S. 42) und
die Dominikanerlegenden aus dem Kreuzgang alldort ‚(jetzt im
Praiomuseum, n° 609-618, S. 77) zu einer der eigentümlichsten und
markigsten Erscheinungen altspanischer Malerei, Zu den Ausläufern
der Schule gehört der schon von Raffael berührte Drmeo CoRREaA,
dessen in der Erfindung gefätlige, aber einförmige, kräftig gemalte
Bilder, zum Teil aus Guisando (Provinz Avila), fast alle im Pradomuseum
 vereinigt sind (S, 77).
Der nationale Charakter, der in den Werken dieser Zeit, wie
der Einschlag in den italienischen Aufzug, mehr oder weniger, in
Gegenständen wie Auffassung erkennbar ist, verschwand seit dem
vierten Jahrzehnt des xvI. Jahrhunderts mehr und mehr. Der Ruf
Michelangelo’s und Raffael’s zog viele Spanier nach Rom. ‘Sie blieben
dort entweder ganz (wie RUuvIALES) oder einen guten Teil ihres
Lebens, genug, um sich zu italienisieren, Was sie in Italien gemalt
haben, ist ununterscheidbar verloren in den Fresken der großen
Unternehmer Vasari, Zuccari u, a. .
Der erste unter diösen Manieristen war ALOoNSso BERRUGUETE: