LXXXIL Malerei. KUNSTGESCHICHTE. XVL/XVIIL, Jahrh, :

eines gut geschriebenen Werkes über seine Kunst (Diälogos 1633).
Sein und seiner Gefährten Stil erinnert an die zweite florentinische
Schule des xvr. Jahrhunderts. Ihr Verdienst ist, die Ansprüche at
künstlerische Durchbildung höher gerückt zu haben.
Einen Platz für sich nehmen die Hofporträtisten ein, In
der Schule des von Philipp hochgeschätzten AyTon Mor, von dem
das Pradomuseum charaktervolle Bildnisse des habsburgischen Hauses
 und eine Reihe köstlicher Damenfiguren besitzt (S. 68), bildete
sich ALONSO SÄNCHEZ ÜOELLO (| 1590), der dem Holländer oft nahe
kommt (S. 67). Ihm folgten der durch seine unsäglich ausführlichen
 Kostümbilder interessante, sonst aber steife PANTOJA DE LA
Cruz (1651-1610), der Maler Philipps IIT. (S. 67/8), und BARToLOMK
Gonzinez. Die Kühle und exakte Darstellungsweise dieser Maler
stimmt ganz zu den verschlossenen und förmlichen, in Ktikotte eingeschnürten
 Personen jenes Hofes,
Der wertvollste Schmuck des Escorial und des Schlosses von
Madrid waren damals die venezianischen Gemälde, Die meisten
hatte 'Tızıan auf Bitten Karls V. und Philipps IL geliefert; sie
wurden später durch die beiden ferraresischen „Bacchanale“ und zahlreiche
 Arbeiten TInroreTTO's und PA0OLO VERONESE’S vermehrt, Durch
sie ist die Galerie des Prado noch heute die größte Venezianersammlung
außerhalb Venedigs. Diese Schule war von allen italienischen dem
spanischen Wesen am meisten sympathisch. Ihr Einfluß ist bereits
im xvr. Jahrhundert zu verspüren. JUAN FERNÄNDEZ NAVARRETE
(1526-79), der stumme Maler von Navarra, der sich in seinen ersten
'Pafeln jenen Manieristen anschloß, begann, seit ihm der König umfangreiche
 Aufträge anvertraute (Apostelpaare der Escorialkirche),
an den dort einlaufenden Werken Tizians umzulernen; er hat den
alten Meister besser verstanden als mancher seiner unmittelbaren
Schüler. Aber damals war sein Leben bereits am Ziele,
Zu derselben Zeit trat in Toledo jener wunderliche Grieche
Domönico Theotoköpuli oder el Greco (ca. 1550-1614; vgl. auch
S. 142) auf, ein Schüler Tizian’s, Sein Christus auf dem Kalvarienberg
 in der großen Sakristei (S.-432) zeigt eine Kraft geistreicher
Charakteristik und Modellierung und ein Genie des Kolorits, das
Großes erwarten ließ, Leider verfiel er bald aus Originalitätssucht in
jene unglaubliche Manier, die freilich, wie die Zahl seiner Bilder in
Kirchen Toledos und Kastiliens beweist, durch den Geschmack des
Publikums gehegt wurde, Nur in seinen Bildnissen (S. 67) hat er, bei
aller Affektation des Kraftgenies, die eigentümliche Art kastilischer
Hidaleos und toledanischer Schönen zu treffen gewußt wie wenige.

Auch in Sevilla hatte sich der malerische Geist zu regen begonnen.
 In den Gemälden des Klerikers Juan de las Roelas
(1568-1625) klingen schon alle die Saiten an, welche die Malerei
des xvır, Jahrhunderts charakterisieren, Sie kündigen das Ende der
prätentiösen Manier an, die auf Leben, Farbe und Heildunkel herab-