Dördoba, Granada. KUNSTGESCHICHTE,, Malerei, LXXXVM

Kirchenbilder sind kenntlich an dem energischen Chiaroscuro, der
aigentümlich herben (länglichen) Gesichtstypen und dem gediegenen
[mpasto; am meisten Glück hatte er mit seinen landschaftlichen
Historien, Hirtenstücken („cabafıas“) und zuweilen genrehaft behandelten
 biblischen Szenen, die in der Erfindung oft an die holländische
 Schule erinnern (Verleugnung Petri im Museum, S. 364).
Auch im Pradomuseum zu Madrid ist diese Klasse vertreten (S. 75,
Geschichte Josephs, dort mit dem Namen des unbedeutenden Manieristen
 Pedro de Moya bezeichnet). Sein Schüler, der geistreich manie-:ierte
 JUAN DE VALDES LEAL, der am meisten in Sevilla tätig war,
hat sein bestes Werk noch in Cördoba (im Carmen, 5. 364) gemalt.
Die Schule von Granada ist von allen Provinzialschulen die
jüngste; viele, auch altflandrische, Altarbilder wurden von der
Königin Isabella nach der Eroberung geschenkt. Eine originelle
Figur begegnet uns im XVII. Jahrhundert: Alonso Cano (1601-67),
Jer denselben Ausgangspunkt genommen hat wie Zurbarän und
Veläzquez. Seine Anfänge liegen in Sevilla, wo er im Anschluß an
Montaäigs die Estofadoskulptur ausübte (8. z.xx1v); dadurch gewann
ar eine gute Grundlage in Zeichnung und Modellierung. Man hat
ihn etwas wohlwollend als den einzigen bezeichnet, der in diesem
Zeitalter die Idealität der Form vertreten habe, als einen Geistesverwandten
 der Carracci; doch war die nationale Indolenz bei ihm so
unüberwindlich, daß er sich selten zu einer gründlich und eigenartig
 durchdachten Arbeit entschließen konnte. Daher die Entlehnungen
 fremder Erfindungen, die endlosen Wiederholungen weniger
Motive, die unsolide Technik (Mißbrauch des rotbraunen Grundes),
die oft dekorative Flüchtigkeit, ja Leerheit der Formen. Am höchsten
arhob er sich in den Sieben Freuden Mariä für die Kuppel der
Kathedrale (8. 327).
Anziehender sind zwei Granadiner, die als seine Schüler aufgeführt
 werden. FRAY ATANASIO g6N. Bocanzera (+ 1689), ist
kenntlich an dem feinen Bau seiner Figuren und dem edlen Typus
der Madonnen mit der breiten Stirn, den großen länglichen Augen
mit den schattigen Wimpern: eine schöne Ergänzung zu den südspanischen
 Frauentypen Murillo’s, Seine Ruhe auf der Flucht in der
Cartuja (S. 333) ist von anbeschreiblichem Reiz. Freilich darf man
den sehr fruchtbaren Maler nicht nach manchen flüchtigen Arbeiten
beurteilen, Was Bocanegra an Mannigfaltigkeit fehlte, besaß um so
teichlicher der von Murillo berührte JUAN DE SEVILLA, dessen Wer-Zen
 in den Kirchen Granadas nachzugehen wohl der Mühe lohnt.

Wenn Velfzquez der Hauptmagnet für Künstler und Kenner ist,
so bleibt Bartolome Esteban Murillo (1617-82) der populärste
anter allen spanischen Malern, und obwohl er einer von denen Wär,
die nie aus Spanien herausgekommen sind, der nur malte, was ihm
üder nächste Kreis darbot und eingab, ist er der erste spanische Maler