XC Malerei, KUNSTGESCHICHTE, Murillo,

Betonung des Plastischen (estilo cälido). Man sehe die schöne
Maria mit dem Kind (Virgen del Rosario), den h. Bernhard, die
h. Familie in der Zimmerwerkstätte (S, 73, 74). Daß er auch Anatomie
 getrieben hatte, erfährt man gelegentlich; man beachte den
Auferstandenen (S. 59), der freilich mehr von der technischen
Seite interessiert, Schon ins Jahr 1656, also kaum ein Jahrzehnt
nach seiner künstlerischen Wiedergeburt, fällt der h, Antonius der
Taufkapelle in Sevilla (S. 394), wo er auf seiner vollen Höhe steht.
Den letzten, Murillo ganz eigentümlichen Stil nennt man el vaporoso,
 Ohne Zweifel ist der Künstler auch von Rubens berührt
worden, den er in Kupferstichen studiert haben muß. Aber die
Sehnsucht aller großen Koloristen nach Besiegung der Schwere,
Dunkelheit und Härte der Materie führte ihn auf ein neues System.
Obwohl wie immer von gediegener Pastosität (daher die Dauer seiner
Werke), ist sein Pinselstrich locker, er rechnet mit der Verschmelzung
der Tinten im Auge, er zerlegt die Draperie in bald scharf, bald
flach gebrochene Falten. Er modelliert auch im Licht ohne Hilfe grauer
Schatten; seine Palette wird heiter, farbig, warm; seine Gestalten sind
zanz Leben und Empfindung; er findet das Geheimnis, sie außer
Äurch Gebärden auch durch Behandlung von Stoffen, Halbdunkel
und Umgebung so zu entkörpern, daß sie zu schweben scheinen,
auch wo sie sitzen und stehen; seine Visionen sind aus Licht und
Luft gewoben, Diesem letzten Stil gehört der große Zyklus der
Hospitalkirche der Caridad an (S. 399), von dem der Moses, die
wunderbare Speisung und Juan de Dios noch am Orte sind, während
dieA, Elisabeth nach Madrid gekommen ist (S. 73). In Madrid auch
die zwei auf die Gründung von S. Maria Maggiore bezüglichen
Bilder: Traum des römischen Patriziers (S. 73), sowie die heiligen
Kinder an der Quelle (los Nifios de 1a Concha, S. 73) und die Portiuneula
 (S. 73). Am meisten Herr seiner Darstellungsmittel war er in
seinem letzten Zyklus für die Kapuzinerkirche (S, 397), auf dem der
Wert des Museums von Sevilla hauptsächlich beruht. Kühner, hinreißender
 ist die Weltentsagung nie dargestellt worden als in dem
h. Franz, der das Kruzifix umarmt. Das Haupt- und Mittelbild, die
Portiuneula, jetzt in Köln,
Murillo, der die Kinder, welche er auf den Gassen armer Vorstädte
 fand, mit so unerreichter Wahrheit auf die Leinwand brachte,
gelangen darum die Kinder höherer Natur nicht schlechter: die übermütigen
 Engelkinder derWolken, die andächtigen erwachsenen Engel,
die ahnungsvoll wehmütigen Johannes- und Jesuskinder (S. 73), die
kleine Maria als Schülerin ihrer Mutter (S. 73), ein feines kluges
Edelfräulein, Ja, man kann sagen, daß er um so glücklicher ist, je
näher er dem kindlichen Alter tritt. An der Purfsima (S. 66) wird
wohl niemand gleichgültig vorübergehen, Das Alter neigt dem kindlichen
 Wesen zu: deshalb erscheinen uns seine heiligen Greise so
aympathisch, Daß ihm übrigens, wenn er wollte, auch Adel und ein-Ffache
 Großheit der Zeichnung und der erhabene Zug der Gebärde