Murillo. KUNSTGESCHICHTE, Mulerei, XCU]

u. Gebote standen, beweist die überlebensgroße streng gemalte Con-;epeißn
 aus S. Francisco (Sevilla, 5. 398). Man kann wohl behaupten,
daß keiner von den Italienern und Niederländern, welche solche
in ihren äußerlichen Grundformen konventionelle Stoffe bearbeiteten,
30 wechselnd ist in Typen, Alter, Empfindung und Beleuchtung.
Nicht zutreffend ist es, wenn man sich Murillo als Improvisator
 vorstellt, der „singt, wie der Vogel singt“. Wenige haben die
Kunst der malerischen Komposition, die Mittel, durch Abstufungen
in der Sammlung des Lichtes, durch Stellungen und Verkürzungen
das Auge zu reizen, SO wohl verstanden, wenige sind so berechnend
 gewesen. Man sehe das geistreiche Bildchen von ihm in Madrid:
die Kreuzigung des h. Andreas (8. 74). Man beachte z. B., besonders
 in Innenszenen von visionärer Beleuchtung, die Durchbrechung
Jer dunklen Wand durch den Blick in einen von kühlem Tageslicht
erhellten Claustro oder Patio und vieles Ahnliche.
Die Schüler Murillo’s, wie MENESES OsoR1o, Ar. MIGUEL DE
Tonar, bewahren zuweilen des Meisters leichte Anmut, aber ihre
Arbeiten fallen gegen die seinigen ab durch trübe Haltung und
Leerheit der Formen. Die Zeitgenossen und Nebenbuhler des alternden
 Meisters, wie HERREBA DER Jünezre, sind zum Teil wider-Wwärtige
 Bravourmaler. Die. figurenreichen, farbenheiteren, Skizzenhaften
 Bildchen des FRANCISCO, AnrtoL{xsz kommen oft vor als
„Skizzen“ Murillo’s. Einen Platz für sich nimmt SEBASTIÄN DE
LLANoSs yv VALD%S ein, dessen Langbilder mit Jebensgroßen und
lebensvollen Kniefiguren im Geiste des Caravaggio und Honthorst
und. mit einer dort seltenen Beobachtung und Sorgfalt gemalt sind,

Kaum dürfte sich anderswo die Gelegenheit bieten, einen großen
Künstler unter so günstigen Verhältnissen zu studieren, wie Diego
Veläzquez (1599-1660) im Pradomuseum (S. 70ff.). Wenn auch
bei weitem nicht alle seine Werke, so sind hier doch so viele beisammen
 (die großen Kompositionen sämtlich), daß man sich einen
durchaus genügenden Begriff von ihm bilden kann, Dazu kommt,
daß Madrid der Ort ist, wo sie geschaffen wurden, und wo in Menschen
und Natur noch immer der lebendige Kommentar dazu vorhanden
ist. Veläzquez war ohne Zweifel das größte malerische Genie der
Schule von Sevilla, obwohl er portugiesischer Herkunft ist (sein
Vatername war de Silva). Er verdankte seine gründliche Ausbildung
 in den Elementen der Kunst seinem Schwiegervater Pacheco
©. LXXXT), soweit auch beider Talent und Geist auseinander gingen.
Jenen Realismus, der ein Element im spanischen Wesen ist, hat er
Mein zum Genialen erhoben — wie in der Literatur Cervantes:
beide sind mit keinen Größen anderer Nationen zu vergleichen. Von
lem größten Maler Hollands unterscheidet sich der Spanier durch
3eine Phantasielosigkeit. Aber wenn Rembrandt uns oft durch Beleuchtung,
 Kostüm und hochgesteigerte Subiektivität in eine fremd-