XCIL Materei, KUNSTGESCHICHTE, Veläzquez.

artige Welt versetzt, so können Veläzquez’ Darstellungen bei aller
Intensität rein spanischen Wesens für alle Zeiten als Maßstab gebraucht
 werden, an dem die Freiheit von Konventionellem und
Subjektivem, die Freiheit des Blickes, der die Natur ohne Zutat, aber
auch ohne Verlust in der ganzen Wahrheit ihres optischen Scheines
sieht, gemessen werden kann,
- Von seinen frühesten Studien in Küchen- und Volksstücken
(bodegones) ist in Spanien nichts vorhanden, von seinen ersten
Kirchenbildern nur die Anbetung der‘ Könige (1619; S. 70).
Diese Bilder sind von Interesse als Beweis, daß er anfangs Ribera’s
(S. 1xxxIv). Bahnen folgte, obwohl er in den Königen Personen von
Stand porträtiert hat, und obwohl seiner Madonna die Schönheit und
Poesie der Maria des Valencianers fehlt: sie ist eine andalusische
Bäuerin. Auch sein Lob Lvıs TrısTÄn’s, von dem in den Kirchen
von Toledo und Yepes Werke erhalten sind, bezog sich auf das
düstere Helldunkel dieses Toledaners. Im richtigen Gefühl, in Sevilla,
wo die Malerei nur im Schatten der Kirchen und Klöster gedieh,
nicht an seinem Platze zu sein, strebte er an den Hof, was ihm bei
einem zweiten Versuch (1623) auch gelang. Der Erfolg seiner ersten
Proben vor der Hofgesellschaft, besonders des (verlorenen) Keiterbildnisses
 Philipps IV., war so augenblicklich wie dauernd; er trat
dem König und dessen allmächtigem Minister auch persönlich nahe
durch eine Reihe von Hofämtern, zuletzt als Schloßmarschall, Die
vielen zeitraubenden Geschäfte, die Nähe des Monarchen, der oft in
das im Schloß befindliche Atelier kam, und eine Beimischung spanischer
 Indolenz in seinem Wesen begünstigten die Entwicklung
seines späteren Stils, die unglaubliche Einfachheit und Raschheit
der Mache.
Seine Bildnisse der zwanziger Jahre, Philipp IV., Don
Carlos, Infantin Maria (S. 70, 71), sind von seltener plastischer Kraft,
aber auch Härte, mit schmalen Schatten, auf leerem, oft hellem Grund.
Die einzige erhaltene Komposition dieser ersten Zeit ist das
Bacchusfest (los Borrachos, S. 70), eine Art Parodie der Einweihung
in einen Orden, dessen Ritter Bauern und Landstreicher sind. Die
Modellierung des nackten jungen Gottes, der Ausdruck trunkenen
Behagens in den alten Köpfen, die Wahl und Wahrheit dieser
kastilischen Volkstypen (vergleichbar den alten Satyın der griechischen
 Kunst) machen dies Stück zur Krone aller südländischen
Bamboceiaden,
Plastische und räumliche Wahrheit war das Ziel, das Velizquez
bei allen Wechseln seines Systems stets im Auge behielt; die Farbe
war ihm nur Mittel. Wenn er dies Ziel anfangs mit den leichteren
und wirksamen Mitteln der Naturalisten erreichte, so fand er doch
bald das schwierigere Problem, entdeckte er doch den Zauber des
Lichts und der Modellierung im allverbreiteten reflektierten Tageslicht.
 Den Wendepunkt bezeichnet die erste Reise nach Italien.
Kurz nach Vollendung der „Borrachos“ erreichte er die Erfüllung