Madr. Schule, XV11.J. KUNSTGESCHICHTE, Malerei, X0V

damals hatte Madrid fast alle Talente aufgesogen. Man kann sie als
die Madrider Schule bezeichnen. Die künstlerische Abstammung
kann uns gleichgültig sein: ihre Manier verdanken sie nicht ihren
meist obskuren Lehrern, sondern dem Studium der großen italienischen
 und flandrischen Koloristen in den königlichen Schlössern :
Tizian, Rubens, nebst der hier und da fühlbaren Anregung des Veläzquez.
 Fast alle besaßen das Talent der Farbe, ihre Handschrift
ist geistreich und leicht, man erkennt sie meist an den schönen
goldigen und blauen Tinten, die sie dem vom Hofe gelieferten Ultramarin
 verdanken. Die Zeichnung ist zum Teil nachlässig. In den
Stoffen, in der bewegten Komposition, in der Erfindung und Empfindung
 sind sie den gleichzeitigen Italienern verwandt, aber im
malerischen Gefühl eber überlegen und mehr flandrisch. Wenig von
ihnen f.ndet sich in den großen Galerien, ihre Werke sind an vielen
Orten zerstreut, schwer zu finden und oft noch schwerer zu sehen
wegen Dunkelheit und Staub. Manche gute Sachen sind von Madrid
an Provinzialmuseen abgegeben worden,
JUAN CARnako (1614-85) war der Nachfolger des Veläzquez als
Hofmaler. Seine Bildnisse aus der Zeit des letzten Habsburgers: des
Königs Karl IL. selbst, seiner Mutter Marianne in Nonnentracht, des
zweiten Juan de Austria, sind jenen, obwohl stumpfer gemalt, in
der Auffassung verwandt, zeigen jedoch auch Anklänge an van Dyek:
sie erzählen mit trauriger Beredsamkeit den düstern Niedergang des
Hauses, die Zeit des tiefsten Verfalles des spanischen Staates, Keiner
ist Rubens’scher Farbenglut so nahegekommen wie MATEO UÜRREZO
(1635-85), dessen bestes Bild in der Kathedrale zu Paleneia ist
(S. 144). Ihm nahe stehen Jos! ANTOLINEZ (1639-76) und JUAN
ÄNnTonio EscazanTz (1630-70; wunderbare Speisung in Puig, S. 278),
seine Visionen erinnern in der traumartigen Wirkung zuweilen an
Rembrandt’s Schule, Die zahlreichen flüchtigen Arbeiten FRANCISCO
Rızı's (1C08-85) haben etwas von dem Farbenschimmer der Gewebe
des Orients. Die Theaterwunder für E1 Retiro (S. 80) nahmen diese
Künstler oft in Anspruch und beeinflußten ihren Stil, Dırco Por0
(1620-55) versucht sich in die spätere Manier Tizian’s hineinzuleben.
Markig in Modellierung und Farbe ist CABEZALERO (1683-73). Viel
verhießen die Historienbilder des früh verstorbenen Jos LEONARDO
(1616-56). Einer der durchgebildetsten und von Erfolg in Beleuchtungsstücken
 war SepastıAN MCRoz (1654-90); Arias FER-NÄNDEZ,
 FRANOISCO CAnıno sind gleichgültiger. Auch Blumeanmaler
wie ARELLANO besaß der Hof damals.
Nur wenige hielten noch an der streng naturalistischen, indivi-Aualisierenden
 und detailfrohen Methode der großen Meister der
ersten Hälfte des Jahrhunderts fest: zu ihnen gehört ANTONIO
© EREDA (1599-1669), dessen allegorisch-asketische Kompositionen
beruf zum Stillebenmaler verraten (Hauptwerk :; Klage in Pau), und
Fray Juan Rızı (1595-1675), der größte Mönchsmaler der Schule,
Sin kastiliecher Zurbarän. dessen Hauptwerke man in San Millän de