XCVI Malerei. KUNSTGESCHICHTE. XVIL/XVEIT. Jahrh. :

Zn Cogolla (S. 206) aufsuchen muß; von ihm auch in der Kathedrale
zu Burgos interessante Bilder echt kastilischen Gepräges (S. 30).
Der letzte und hervorragendste dieser Gruppe ist Claudio Coella
(1632-93), der in seiner Farben- und Lichtpracht wie in den etwas
derben Formen am meisten an die Niederländer erinnert, Sein
merkwürdigstes Werk ist das Fest der Santa Forma im Eseorial
(8. 110), ein Kabinettstück des Realismus, Hier sieht man die Perspektive
 der Sakristei, auch den Altar, der als Vorhang dient, wie
in einem Wunderspiegel, der die Gestalten der Vergangenheit mit
gespenstischer Lebendigkeit hervorzaubert. Mit ihm kann man die
alte spanische Schule abschließen. Er starb aus Kummer über die
Erfolge Luca GrogpAwo’s, Schon in die folgende, bourbonischfranzösische
 Zeit hinein ragt ANTONTO PALOMINO (1653-1725) , der
sich durch sein „Museo pictorico“ dan Namen des spanischen Vasari
verdient hat. Durch ihn bemächtigte sich die spanische Malerei atch
zum Schluß noch der großen Plafondmaschinen. Seine Gewölbemalereien
 in Los Santos Juanes zu Valertela (S. 290) können sich
recht wohl neben Solimena und dem Cavaliere del Pozzo sehen lassen.

Im xvın Jahrhundert schien die natiönale Kunst 'abgedankt
zu haben ; der bourbonische Hof brachte den französischen Geschmack
und französische Maler nach Madrid (S. 67, 78; van Loo, Familie
Philipps V., 8. 68), Nur in der Sehnsucht nach den von der Fama
austrompeteten Koryphäen des Ostens blieb man sich treu: auf Luca
Giordano folgten unter Karl IJI, die Antipoden des Jahrhunderts:
TımroLo, ein Prophet der Modernen, RArHAEL Manas, der letzte
Schatten des eklektischen Manierismus (große Fresken im Königlichen
 Schloß, 8, 93). Die Spanier, welche damals neben ihnen
eine Rolle spielten, wie BAyYEu, MARLUA, ZACARTA VELÄZQUEZ,
HERRFRA BARNUEVO, Zu studieren, Werden heutzutäge nur wenige
sich entschließen,
Aber wie der Unabhängigkeitskrieg dem überraschten Kuropa
zeigte, daß Jahrhunderte des Despotismus, der Günstlingsherfschaft
und Mißregierung spanisches Volkstum und spanische Volkskraft intakt
 gelassen hatten, so tauchte am Ende des xy. Jahrhunderts jener
Francisco Goya (1746-1828) auf, der uns dies alte Spanien,’ das Spanien
 der großen Komödiendichter, das’erst nach der Restauration der
Bourbonen dem langsamen aber stetigen Zerstörungsprözeß anheimfallen
 sollte, Nnöch einmal, in der Malerei in gewissem Sinne zum
erstenmal, vorzauberte. Goya hat zwar alles gemalt, auch Kirchenbilder,
 z. B. in den Kathedralen zu Toledo (S. 132), zu Valencia
(S. 284), in San Antenio de 1a Florida zu Madrid (S. 99), aber’kein
Mensch und keine Zeit hatte dazu weniger Beruf; man wird ste mehr
aus besonderm Interesse an dieser bizarren Persönlichkeit aufsuchen.
In seinen Büldnissen hat er die ungeschminkte Wahrhaftigkeit des
XyJı, Jahrhunderts wohl bis zur Brutalität getrieben: seine Familie
Karls IV.(S. 67) ist eine Satire, welche die schlimmsten ‘Erinnerungen