Francisco Goya. KUNSTGESCHICHTE, Mulerei. XCVM

der geheimen Geschichte aufregt und glaublich macht. Seine Malerei
ist kalt, schwer und mit schwarz gestimmt. Aber alles das verschwindet
 vor jenen zahllosen improvisierten Figuren und Szenen,
in denen er mit seltenem Genie für das Charakteristische und Momentane
 das Leben in den frappantesten wie in den kaum faßbar
flüchtigen Zügen mit Pinsel und Nadel aufgefangen hat. Die Stieryefechte,
 die Szenen des Madrider Lebens, die /nquisition und die
Zauberphantasien (in den ecaprichos), in Tuschmanier mit Nadelzutaten
 gearbeitet, sind der geschätzteste und gesuchteste Bestandteil
der Portefeuilles der Liebhaber spanischen Wesens. Im Pradomuseum
 sind noch die Kartons zu den spanischen. Volksfesten und
Tänzen (S. 78). Da ist der gatirische Beobachtungsgeist eines
Hogarth, ‘Feniers’ Sinn für volkstümliches Treiben und sein Humor,
und ein dem Hexenkessel eines Bosch und Brueghel entsteigendes
Üospensterchaos, In seinem Dos de Mayo (S. 69) hat er zwei furchtbare
 Augenblicke jenes Unabhängigkeitskampfes mit dämonischer
Gewalt festgebannt, in den grauenvollen Desastres de la guerra (Radierungen)
 dem Krieg einen Spiegel vorgehalten. Aber auch die
unverwüstliche intensive Heiterkeit spanischer Lebenslust hat keinem
zu Gebote gestanden wie Goya.

Auf ihn folgte der spanische David, Jos® DE MApRAZO (4781-(859),
 der Beherrscher der Kunst am Hofe Ferdinands VIL, der
erste Direktor der damals gegründeten Gemäldegalerie. Seine altrömischen
 Komödianten mit ihren wie Telegraphenstangen fuuktionierenden
 Extremitäten (und noch andere ähnlichen Kalibers, wie
ArArıcıo) kann man im Pradomuseum mit Goya vergleichen und
belächeln, Dann wurde Spanien auch von der Romantik berührt;
man sotzte Hoffnungen auf GALOFRE und FEDERIGO DE MADRAZO
(1815-94); später hat sich dieser mit Erfolg dem Bildnisse Zu-Yewandt.


Die spanische Schule der Gegenwart hat jedenfalls den Beweis
geliefert, daß sich die malerische Ader der Nation im XvVIlL. Jahrhundert
 nicht erschöpft hatte. Die Maler, die man unter dieser Bezeichnung
 zusammenfassen kann, haben sich im Ausland, in Paris
gebildet, arbeiten lieber dort und in Rom als zu Hause und sind auch
vom Ausland zuerst anerkannt und bezahlt worden. Die Akademie
von San Fernando ist an ihnen ziemlich unschuldig, aber ihr Wesen
ist spanisch. Ihre besten Bilder, die auf ihrem Wanderleben durch
Europas Kunst- und Weltausstellungen das fast vergessene Spanien
wieder in ehrenvolle Erinnerung gebracht haben, sind seit 1888 zu
ns gekommen und haben, dank guch dem Neuen und Fremdartigen,
 eine sehr günstige Aufnahme und Beurteilung gefunden.
Ein Teil dieser Bilder, die großen Historien, haben bewiesen, daß
auch der ernste, aufs Große und Tragische, ja Schaurig- Grausam“
Zerichtete Geist des Spaniers der Vergangenheit bei aller heiteren
Skepsis noch nicht erloschen ist. Sie hängen mit dem dort so leb-