Alt- und Neukastilien mit Loön,
Die Vorstellung, die man mit dem geographischen Begriff
„Spanien“ zu verbinden pflegt: mildes Klima, Reichtum der Vegetation,
 bewegliche Bevölkerung, maurische Baukunst u. a., trifft nur
im S. und 0. des Landes zu, teilweise vielleicht noch im Ebrotal.
Im übrigen hat Spanien (ohne die Balearen 492 230gkm mit
191/2 Mill. Einw.) zu mehr als drei Vierteln einen rauhen, ofi
wüsten und selten malerischen Charakter. Die Hauptmasse bildet
das iberische Tafelland (span. la Meseta), das aus den ehemaligen
Königreichen Alt- und Neukastilien und Leön nebst Estremadura 1
besteht, ein im Durchschnitt an 800m hohes Hochland, welches fası
an Nordafrika oder an die Heidelandschaften Rußlands erinnert.
Alexander von Humboldt verglich Spanien mit dem Terrassenlande
Mexiko; auch hier ist das innere Plateau, die hochgelegene Tierra
frfa, von einem niedrigen, flachen Küstenlande, der Tierra ealiente.
umgeben; in beiden Ländern sind Gebirgsketten oder einzelne Berge
der Hochebene gleichsam aufgesetzt, und tiefe Schluchten führen
von dem Zentrallande hinab zu den Küsten, Ganz zutreffend ist der
popüläre Vergleich des spanischen Plateaus mit einer großen, scharf
umränderten Torte, die sich aus mehreren ähnlich gebildeten Teilen
zusammensetzt. Eine derartige Bildung erkennt man im Norden
in den Königreichen Leön und Altkastilien, die n. von dem Randgebirge
 der Kantabrischen Alpen, s.ö. vom Guadarramagebirge, 5.
von der Sierra de Gredos und der Sierra de Gata eingeschlossen
werden; eine andere im Süden dieser Gebirge in dem Königreich
Neukastilien nebst Estremadura, die südlich von dem Ranügebirge
der Sierra Morena begrenzt werden. Altkastilien und Leön entsprechen
 in ihren natürlichen Grenzen einem einstigen ungeheuren
Süßwassersee, dem heutigen Flußgebiete des Duero. Ebenso entsprechen
 Neukastilien und Estremadura einem oder vielmehr zwei
durch das Scheidegebirge der Montes de Toledo und der Sierra de
Guadalupe getrennten Seebecken, heutzutage durchflossen von dem
Tajo und dem Guadiana. In der Nähe der Gebirge schwillt der
Boden oft zu neuen Hochebenen, den sogenannten Parameras an,
die wegen der Ranheit ihres Klimas berüchtigt und fast unbewohnt

+ Altkastilien umfaßt die heatigen Provinzen: Burgos, mit 14.196
km Flächeninbalt und 346927 Einw.; Ava, mit 7832 qkm und 209022
Einw.: Segovia, mit 6827qgkm und 1683198 Einw.; Soria, mit 10318 qkm
und {56469 Einw.; Logrofio, mit 5011 qkm und 188285 Einw.; Santander
mit 5460qgkm und 300005 Einwohnern, — Neukastilien die Provinzen;
Madrid, mit T989qkm und S71308 Einw.; Toledo, mit 15257qkm und
3028307 Einw.: Ciudad Real, mit 19608qkm und 868492 Einw.; Cuenca,
mit 17493 qkm und 268458 Einw.; Quadalajara, mit 12113qkm und 208427
Einwohnern, — Leö6n die Provinzen: Ledn, mit 15377qkm und 394119
Einw. : Salamanca, mit 12510 qkm und 327400) Einw. ; Zamora, mit 10615 qk2!
und 272143 Einw.; Valladolid, mit 7569 qkm und 279433 Einw.; Palencit
mit 8A34akm und 195476 Einwohnern. -— Estremadura a. S. 435.