ALT- UND NEUKASYTILIEN MIT LEON.

Scholle mit der sprichwörtlich gewordenen Würde (grandeza), keinem
weichend als dem Könige; von einem unbegrenzten Freimute, ab61
gastfrei und treu, wo er einmal sein Wort gegeben, Hier sind jene
Gestalten, wie sie Rojas in seinem Lahrador honrado (Gureia del
Castafiar), Moreto in seinem Valiente Justiciero, vor allen aber
Calderön in dem Alcalde de Zulumea geschildert hat, noch jetzt zu
finden, sobald man die große Straße verläßt. Aus oben diesen Bauern
sind jene Conquistadores hervorgegangen, die mit einer hand vol!
Leute große Reiche eroberten; jene Soldaten, die einst der Schrecken
Europas waren, und jene Verteidiger des spanischen Bodens, an
denen die französische Invasion scheiterte).
Mit der Entwickelung der Eisenbahnen hob sich die Ausfuhr des
Getreides, namentlich nach Portugal (Weizenausfuhr Spaniens im
J. 18738 0a. 198 Mill, kg), sank aber, als die Reblausverheerungen in
Frankreich die Ausdehnung der Weinpflanzungen vorteilhafter erscheinen
 ließen, bis der französische Schutzzoll und die Konkurrenz
algerischer und italienischer Weine die spanische Weinausfuhr
wieder stark beschränkten. Im J. 1891 ging für 248 Mill p. „Vino
comün“ nach Frankreich, 1902 nur noch für 14246 505 p. (Gesamtausfuhr
 an spanischen Weinen 1902 für 36,8, 1910 für 94 Mil. p.).
Im letzten Jahrzehnt hat dann der Getreidebau wieder zugenommen:
 Ausfuhr 1894 nur ca. 313000 kg, 1902 aber 13807757 kg.
Gleichzeitig ist ein rascher Aufschwung der Rüben- und Rohrzuckerproduktion
 zu beobachten: in ganz Spanien 1898 19, 1910
75 Fabriken (52 Rübenzuckerfabriken mit einer Gesamtproduktion
von 44275 t, 23 Rohrzuckerfabriken mit 20000 4).
Die Geschichte der Königreiche Leön und Kastilien ist im
wesentlichen die Spaniens. Immer waren sie der „robur Hispaniae“,
oder, wie die Kastilier selbst sagten: el corazön y castillo, Spaniens
„Herz und Burg“, Nachdem sich Pelayo in Asturien gegen die Mauren
behauptet hatte (S. 162), war die Eroberung des südlichen Zentrallandes
 nur eine Frage der Zeit, Leön (so genannt nach der 7, römischen
 legio), mit der wichtigen, uns aus dem Herderschen Cid
bekannten Bergstadt Zamora, fiel den Christen zuerst zu und blieb
auch später neben dem mächtigeren, von Burgos aus gebildeten
Königreich Kastilien ein selbständiges „Reino“. Die Kroberung von
Toledo im 3. 1085 (S. 125) brachte „Neukastilien“ hinzu, und die
Schlacht bei Las Navas de Tolosa (S. 317) im J. 1242 ließ den
Mauren nur noch die Reiche Cördoba und Granada. Die Eroberung
der ganzen Halbinsel gelang erst nach der Vereinigung der Königreiche
 Kastilien und Aragonien unter dem Zepter der „Katholischen
Könige“ Ferdinand und Isabella (S. xurv).
Den Namen führen die beiden Kastilien von den vielen in den
Kämpfen gegen die Mauren entstandenen Kastellen, von denen aber
wenig erhalten ist (vgl. S. .x/nx1ı). Ein gutes Beispiel ist noch die
Burg von San Esteban de Gorm1z (S. 25), während die Mauern von
Avila (8.42), Astorya (S. 170), Lugo (8.172) ein Bild spätrömischer