Geschichte.

BURGOS. 4. Route, 2

Burgos (856m), Hauptstadt der Provinz gl. N., Sitz eines Erzbischofs
 und einer Capitanfa general, liegt inmitten der einförmigen
nordkastilischen Hochebene in dem scharf eingeschnittenen ‘Tal des
meist unbedeutenden, aber wegen seiner Überschwemmungen gefürchteten
 Arlanzön, Die Stadt, mit 28700 Einw., schmiegt sich um
den ca, 100m h. Burghügel, der die Überreste des Kastells trägt. An
seinem Südfuße, halb in den H ügel eingegraben, steht die Kathedrale,
sines der Wunder der gotischen Baukunst in Spanien. Promenaden
umgeben die Stadt. Der in Kanäle verzweigte Bach Pico im NO. und
mehrere Ableitungen des Arlanzön bewässern die fruchtbare Ebene,
in deren Mitte Las Huelgas (S. 34) liegt. — Das Klima gehört zu
den kältesten Spaniens. Den größten Teil des Jahres wehen Nordwest-
 und Nordostwinde, welche die kalte Luft von den Gebirgen
im N. bringen; Schneefall hat man noch Ende Juni erlebt. Doch
weht im Sommer oft ein glühendheißer Südwind. In. Burgos ist die
Redensart entstanden, die bisweilen auch auf Madrid angewendet
wird: nueve meses de invierno, tres de infierno,
Die Geschichte von Burgos hängt eng mit der von Leön und Altkastilien
 zusammen. Aber einen besondern Reiz hat die Stadt als Heimat
jenes glänzend tapferen, freilich auch treulosen und grausamen Söldner-Führers
 Rodrigo (Kuy) Diaz de Vivar (1026-99), der sich bis zum Herrscher
von Valencia (S. 281) aufschwang und den Spaniern als Campeador („Kämpe*“)
mit dem arabischen Zusatze „el Cid“ (Sidt, Said Herr) zum Nationalhelderi
zeworden ist. Man betritt die Stätte, auf der sein Geburtshaus stand (S. 33),
und sieht im Rathaus die Urne, worin seine Gebeine, die seit ihrer Entfernung
 aus der Gruft von Cardeüa (S. 35) weithin verstreut waren {u. 8,
nach Sigmaringen), 18883 großenteils wieder vereinigt wurden. In der
kirche 5anta Agueda (S. 35) mußte Altons VI. von Leön seine Unschuld
an der Ermordung seines Bruders Sancho von Kastilien beschwören, ehe
der Cid ihn als König von Kastilien anerkannte (vgl. Herder“s Cid, 58. Romanze}.
 In einem Häuschen unweit Cardeha lebte Cids Gattin Jimena, die
Fochter des Grafen Diego von Oviedo, nach dem Falle Valencias bis zu
hrem Tode 1104. .
__ Wie berichtet wird, wurde Burgos im J. £84 von dem kastilischen Grafen
Diego Rodriguez Porcelvs gegründet. Es stand unter der Schutzherrschaft
von Asturien, Als jedoch Ordono 11. Porcelos’ Nachkommen hatte ermorden
lassen, fiel die Stadt von ihm ab und wahlte sich eigene Magistrados, als
deren erste Nufio Kasıura und Lein Catvo genannt werden, Seit Fernän
Gonzalez (S. 32) Hauptstadt der Grafschaft Kastilien, kam Burgos später
durch Heirat an die vereinigten Königreiche Kastilien-Ledn und war bis
1087 (vgl. S. 425) Hauptstadt von Altkastilien. 1074 wurde der Bischofssitz
von Auca CC Oca) hierher verlegt. Den Zorn Karls V. nach dem Aufstand.
 der Comuneros (S, 57) besänfligte die Stadt durch die Erbauung des
Priumphtores Santa Maria (3. 28). Seitdem vegetierte sie nur: „nichts ist
übrig als der Name“, sagt ein Schriftsteller des xvır. Jahrhunderts. ‚Jetzt
macht Burgos den Eindruck einer aufsteigenden Stadt.
Vom Bahnhof (PI. € 5) gelangt man nördl. au den Arlanzön, auf
Aossen r. Ufer man den 1878-83 erbauten Palacio de Justicia und
lie Kathedrale, 1. den Paseo de la Isla (S. 33) erblickt. Zur R, hat
man, an der Plaza del Instituto, das frühere Colegio de San Nieoläs
mit dem Instituto Provincial (Pl. D 4), einer technischen Schule.
Weiter r. der frühere Convento de la Merced mit dem Hospital militar
(Pl. £ 4). |
Über den fünfbogzigen Puente de Santa Maria (PL. B3, A