54 Route 8. MADRID. Prakt. Vorbemerkungen:

Armen das Zavatorio (Fußwaschung); Eintrittskarten mehrere Tage vorher
in der Intendencia General de la Real Casa y Patrimonio an der Südseite
des Palastes (Nordostecke der Plaza de Armas) mit Empfehlung des Konsulates
 oder der Botschaft zu erbitien. Bei dem feierlichen Gottesdienst
am Karfreitag in der Schloßkapelle pflegt der König etwaige Todesurteile
aufzuheben, wobei die schwarzen Bänder um die Urteilsakten durch weiße
ersetzt werden, — Berüchtigt ist die Komeria de la Cara de Dios am Karireitag
 vom frühesten Morgen ab in der Calle de la Princesa (1, Pl. D 4, 5)
äwischen der Capilla de la Santisima Faz (vulgo Cara de Dios, Gesicht
Gottes) und dem Zellengefängnis, vor dem bei starkem Genuß von Branntwein
 und Pfannkuchen ein rasender Lärm vollführt wird. — Die Procesich
del Santo Entierro am Karfreitag-Nachmittag von der Kirche San Gines
(S. 92) über die Puerta del Sol nach dem königl. Schloß ist bemerkenswert
 wegen ihrer Pasos (S. 378). — Am Samstag-Vormitiag zur Feier der
Auferstehung Läuten mit allen Glocken („focar d gloria“).
Am 2. Mai Feier des „Dos de Mayo“ (S. 60); vormittags großer Festzug
 zu dem Denkmal und Gottesdienst daselbst,
Am 15. Mai beginnt unter lebhafter Beteiligung der Landbevölkerung
die vierzehntägige Xomeria de San Isidro del Uampo, des Schutzheiligen
der Stadt, die bei der Ermita (1. Pl, B 11) auf dem Westufer des Manzanares
 gefeiert wird. Am lohnendsten ist der Besuch an den ersten 3-4 Nachmittagen,
 ein längeres Verweilen spät abends jedoch nicht rätlich, Die
in zahllosen Formen feilgebotenen Tongefäße dienen zur Mitnahme des
wunderwirkenden Wassers vom Kirchenbrunnen.
Im Juni findet die /ronleichnamsprozession (Procesidn del Corpus) statt,
an der sich Geistlichkeit, Generalität, Hofbeamte und Zivilbehörden beteiligen:
 am besten auf der Puerta del Sol zu sehen, — Zu kleineren Umzügen
 (sog. Minervas) und kirmeßähnlichen Abendfesten (sog. Verbenaus)
zeben die Namenstage der Kirchenbeiligen Anlaß, Besonders beliebt ist die
Verbena de Ia Paloma in der Straße d, N, (Pl. E 9) am 14. August.
Den 1. und 2, November (Allerheiligen und Allerseelen ; Conmemoraion
 de los fieles difuntos) werden die Friedhöfe zahlreich besucht,
Am Samatag vor dem ersten Advent reitet ein Beamter des
geistlichen Gerichts (Rofa) mit den Paukenschlägern und Trompetern des
Kgl. Marstalls, städtischen Alguaciles u. a., in der Tracht des xvıL und
XYIIL. Jahrhunderts, durch die Hauptstraßen und verliest vor dem kgl.
Palast, der Nuneiatur, dem Justizministerium, dem Polizeigebäude, der
Bürgermeisterei u. a. U. „das Dekret zur Verkündigung der h. Kreuzzugsulle“
 (bula de la santa Cruzada), Diese von Julius II. erlassene und
zuletzt 1849 von Pius IX. erneute Bulle gewährt allen Spaniern ähnliche
Indulgenzen, wie die alten Kreuzzugsbullen Urbans UI, und Innozenz’ IIL.
Am Adventsonntag 10 Uhr vorm. wird die Bulle aus der päpstlichen Kirche
3an Miguel (Calle San Justo 4; Pl. E 8) nach Sania Marfa la Real (Calle
Sacramento 7; Pi. E 8) übergeführt und hier nochmals verlegen,
Zu Weihnachten (Navidad) findet am 24/25. Dezember um Mitternacht
 in den meisten Kirchen die sogen. Misa del Gallo („Hahnenschreimesse“)
 statt, die mit allgemeinem Gesang sogenannter „Villancicos“ zu
Ehren des Christkindes unter Begleitung von Lärminstrumenten abschließt,
Das niedere Volk durchzieht dann singend und lärmend die belehtesten
Straßen. Auch in den Cafes, besonders auf der Puerta del Sol, herrscht
ein reges Treiben. — Lohnend ist ein Besuch des großen Fruchtmarktes
auf der Plaza Mayor, zumal abends.
Während der Anwesenheit des Nofes findet täglich 11 Uhr vorm. im
Schloßhofe Wachtparade statt,
Das Straßenleben erwacht in Madrid erst spät, die Bureaus öffnen nicht
vor 10 Uhr und schließen z. T. schon um 3 Uhr. Am stärksten ist der Verkehr
 auf der Puerta del 50l und den einmündenden Straßen, auf der Plaza
Mayor, Calle de Toledo und Plaza de Oriente, gegen Abend auf der Calle de
Alcalä, den Paseos de Recoletos, de la Castellana und del Prado, sowie im
Park Retiro und auf dem Paseo de Ferndn Nüßez (S. 81), wo die vornehme
Welt zu Wagen erscheint, — Morgens ist der Besuch der Märkte (mercados),
aamentlich auf der Plaza de la Cebada (S. 101), ganz interessant.