Geschichte. MADRID, 8. Route. 57

Stadt dem aus Armenien vertriebenen Könige Leo V,; nach dessen
Fode el Madrid wieder an die Krone von Kastilien zurück, Wäh-‚ond
 der Minderjährigkeit Heinrichs I1I. (S. xL11) zog sich der Hof
nach dem festeren Segovia zurück, Zu Ende der Regierung Heinrichs
 1Y. wurde Madrid von neuen Unruhen zerrüttet, Erst dem
Einzug der „Katholischen Könige“ (S. xLIv) im J. 1477 folgten
ruhigere Zeiten. Unter KArı V, ergriff Madrid im J. 1520 die Partei
der Comuneros, der Gegner des zentralisierenden Einheitsstaates,
Nachdem diese 1521 bei Villalar besiegt worden waren, kam Karl
14524 nach Madrid. Im J. 1525 wurde der in der Schlacht bei Pavia
zefangene französische König Franz I. nach Madrid gebracht und
srst in der Torre de los Lujanes (S, 1C0), dann im Alkazar (S. 93)
bewacht, bis er am 14, Jan. 1526 durch Unterzeichnung der Be-Jingungen
 Karls seine Freiheit wiedererlangte. Im Anfang des
xvi. Jahrh. zählte die Stadt etwa 3000 Einwohner.
Puııer 1. verlegte den Hof endgültig nach Madrid, das 6T
{560 als ünica Corte erklärte, Doch hatte die Stadt, die damals
25-30 000 Einwohner und über 2500 Häuser zählte, zunächst
keinen Vorteil davon. Der Hof tat nichts für sie, Seinen Bedürfnissen
 fielen die letzten Wälder der Umgebung zum Opfer. Die
zogen. Regalta de aposentos verpflichtete die Besitzer großer Häuser
zur Beherbergung des Adels und des Hofgesindes, 50 daß nur noch
kleine und niedrige Häuser, die von der Last freien Casas de malicia,
gebaut wurden, Madrid blieb bis zum Beginn des xvm. Jahrhunderts
eine enge ungesunde Stadt, mit einer wechselnden unruhigen
Bevölkerung. Aber in jene Zeit fällt die Blüte der spanischen
Literatur und Kunst. Miguel de Cervantes Saavedra (4547-1616)
wohnte hier von 1609 bis zu seinem Tode und schrieb u, a. hier
den zweiten Teil des Don Quijote. Veldzques schuf hier seine koloristischen
 Wunderwerke. Pedro Calderdn de I@ Barca (1600-1681)
leitete das spanische Drama aus den volkstümlichen Geleisen eines
Lope de Vega (1562-1635), des „monstruo de la naturaleza“, wie
ihn Cervantes nannte, in die mystisch-höfischen des spanischen
Religions- und Ehrbegriffs,
Das xvın. Jahrhundert brachte die Herrschaft der BOURBONEN
and den Bau des mächtigen Königspalastes, Riesengroß ragt unter
ihnen Karl 111. auf, der 1759 seinen Neapler Thron aufgab, um den
spanischen einzunehmen. Alles was Großes vollendet, mindestens
begonnen ward, knüpft sich an seinen Namen. Es folgte Karl 1V.,
seine Abdankung im J. 1808, die Revolution des 2. Mai (Dos de
Mayo; S. 60), der Einzug Joseph Bonapartes, des sogen. „Rey Pepe*
er „Pepe Botella“, Die Versuche dieses Königs, Madrid durch
Niederreißung von Klöstern und ganzen Straßenvierteln Luft zu
Machen — das Volk nannte ihn daher Rey Plazuelas —, nahmen
mit der Restauration und der Wiederkehr Ferdinands VII. bald
din Ende. Die folgenden Jahrzehnte der Kämpfe um die Konötitution
 von 1842 (8. 417), des Krieges der Carlistas und Cristinos