58 Route 8. MADRID.

Lage.

(S. 6), des Ringens zwischen der Partei der Vergangenheit, mit
großen Erinnerungen, und der Partei der Zukunft, mit großen
Hoffnungen, die fortwährenden Revolutionen und Wandlungen
haben Madrid mächtig gefördert. Während ein Schriftsteller in der
Mitte des xvım. Jahrhunderts von der Stadt sagt: era la corte mas
sucia que se conocfa en Europa (die schmutzigste Hauptstadt in
Europa), ein anderer sie mit einem Dorfe im Innern Afrikas vergleicht,
 verstieg sich der Stolz des Madriders später zu dem kühnen
Worte: De Madrid al cielo y en el cielo un ventanillo (ein Guckloch)
para ver 4 Madrid (um auf M. zu schauen). In der Tat ist Madrid
jetzt eine schöne Stadt.

Wer eine Vorstellung von der Lage Madrids haben will, beachte
das große Relief im Artilleriemuseum (S. 61/62). Die wellige Hoch-Häche
 von Ton und Sand, auf der sich die Stadt ausdehnt, steigt
vom Manzanares im SW. bis zum Depüösito des Lozoya-Kanals im
N, 130m an. Tiefe Einschnitte, ursprünglich Wildbäche (arroyos),
durchfurchen dieses diluviale Plateau, Der größte ist die Senkung,
die durch die Paseos de la Castellana, de Recoletos und del Prado
bezeichnet wird, eine natürliche, jetzt kanalisierte Rambla (S. cır),
an die sich weiter unten der Arroyo de Atochna anschließt. Kleinere
alte Arroyos sind die Calle del Arenal, de Segovia, de Toledo, de
Embajadores und andere, Anderseits läuft die Calle de Jacometrezo
in ganzer Länge auf einem Hügelrücken. Die älteren Stadtteile
bilden ein Viereck von Zkm westöstlicher und 2,3;km nordsüdlicher
Ausdehnung, im W, und S. vom Manzanares begrenzt, Die neuen
Viertel breiten sich im N, nach dem Barrio de Chamberf und im
NO. über die Afueras de Buenavista aus. Im OÖ, setzt ihnen der
Retiro eine Schranke.
Über den Manzanares führen folgende Brücken: im NW. die
FKisenbahnbrücke (1. Pl. A 4), der Puente Victoria (X. Pl. B 6) bei der
Glorieta de San Antonio de la Florida, 1909 an der Stelle des ehem,
Puente Verde erbaut, und der Puente de Garrido (Pl. C 6), unweit
stromabwärts; im W, der Puente del Rey (Pl. C 7), zwischen dem
Campo del Moro und der Casa de Campo unter Ferdinand VIL. erbaut,
 und der Puente de Segovia (Pl. U 8), ein Werk des Juan de
Herrera (1584); im S. der Puente de Toledo (I. Pl. D 11), 1732
vollendet, mit Rokokoschmuck.

a. Von der Puerta del Sol zum Prado.
Die Puerta del Sol (Pl. F 7, 8), der größte und belebteste Platz
Madrids, Kreuzungspunkt der meisten Straßenbahnen (S. 49), hat
seinen Namen von dem 1570 abgebrochenen Osttore der Stadt, aus
dem man, wie aus den gleichnamigen Toren von Toledo (S. 136)
and Segovia, der aufgehenden Sonne entgegenblickte. Seit der Bewegung
 der Comuneros (S, 57) bis in die neueste Zeit spielt sich hier
das politische Leben der Hauptstadt ab. Seinen gegenwärtigen Um-