102 Route 8.

MADRID. g. Südwestl. Staditeil,

Die Fortsetzung der Calle de Toledo, der breite Paseo de los
Ocho Hilos, senkt sich südwestl. über die Verbindungsbahn (Ferrosarril
 de Cireunvalacidn) zum Manzanares und dem Puente de Toledo
(I. Pl.D 11; 8. 58; Straßenbahnen n° 23-26).
Vom Puente de Toledo n.w. dem Camino alto de San Isidro folgend,
yelangt man zu der berühmten Ermita San Isidro del Campo (I. Pl. B 11),
an der, vom 15. Mai ab, die S. 54 beschriebene vierzehntägige Romeria
zefeiert wird. Von den angrenzenden Höhen ist Goyas bekanntes Bild
aufgenommen (S. 69, n° 750). Oberhalb der Kirche der Cementerio de Ban
[sidro, mit vielen großen Denkmälern der vornehmen Welt; im Eingangspatio
 1. die Sarkophage des Malers /ranecisco Goya (+1825), der Dichter
Leandro Fernandez Moratin (+1528) und Juan Melendez Valdes (+ 1817) und
les Literaten Juan Donoso Cortd&amp;s (418583). — Auf dem nahen Cementerio de
San Justo (I. Pl. B 10, 11; Führung erwünscht) ein 1902 nach dem Entwurf
fies Architekten Repulles errichtetes „Panteön de hombres ilustres“, mit den
Aebeinen der Dichter Gaspar Nez de Arce (+ 1903), Jose Espronceda (+ 1842),
Mariano de Larra (+ 1837) und des Malers Eduardo de Rosales (+1573); ferner
die Gräber der Maler 4, Casto Plasencia (+ 1890), mit Bronzebüste von
M. Benlliure, und Vicente Palmaroli (+1896), mit Bronzebüste von Masriera,
3owie der Dichter Adelardo de Ayala (+1874), Ramön de Campoamör (4 1901)
und Juan Eugenio Hartzenbusch (+ 1880; Sohn eines eingewanderten Kunsttischlers
 aus Köln, Verfasser der „Amantes de Teruel“, S. 193) und des
[ranzösischen Marschalls Bazaine (71888 in Madrid), — An der Carrefteri
de Toledo der Cementerio de San Lorenzo (I. Pl. D 13). Charakteristisch
überall die Beisetzung in Wandnischen. — Von allen drei Friedhöfen an
hellen Tagen prachtvolle Aussicht auf Madrid. — An der Calle del General
Ricardos der Cementerio britdnico (I. Pl. C 12), für Nicht-Katholiken.
Schmutzige Gassen führen von der Calle de Toledo östl. nach dem
30g. Rastro (Pl. E F 9), einem der größten Trödelmärkte der Welt.
Das Leben und Treiben, das besonders an Sonntagvormittagen hier
herrscht und sich von der Plaza del Rastro durch die Ribera de
Curtidores (an deren Ende die beiden großen „Americas“ genannten
Trödelhöfe) bis über die Ronda de Toledo hinaus erstreckt, bietet
Bin eigenartiges Gesamtbild, Gleich am Eingang des Rastro erinnert
 seit 1902 ein Standbild des Soldaten Eioy Gonzalo, von
A. Marinas, an eine tapfere Tat im Kriege auf Kuba (1898); Gonzalo,
 der ein von Insurgenten besetztes Haus in Brand steckte, ist
largestellt mit der Petroleumkanne unter dem Arm, den Leib mit
einem Strick umwunden, an dem die Kameraden seinen Leichnam
aus dem Feuer zurückziehen sollten.
In der Calle de Embajadores (Pl. F 9, 10) ist das 1572 gegründete
Findelhaus zu erwähnen, das nach einem aus Enkhuizen in Holland herzebrachten
 Marienbilde den Namen /nclusa hat, bie Kinder werden am Einzang
 auf dem Torno (Drehkreuz) niedergelegt; sie hleiben bis zum 7. Lebensjahre
 im Hause und kommen dann in das Colegio de Desamparados oder
de ia Paz, um ein Handwerk oder dergl. zu lernen, — In derselben
Straße noch 1. die Fäbrica nacional de Tabacos (Pl. F 10; Eintritt nach
Meldung beim Conserje), in der gegen viertausend Arbeiterinnen beschäftigt
werden, tr. die Escuela de Veterınaria (Pl. F 10; Tierarzneischule; Eintritt
wochent. von 3 Uhr an dureh den Portier).

Vom Rastro nördl. zu der Calle-de Toledo zurückkehrend,
arreicht man die Kirche San Isidro el Real (Pl. E F 8), einen jetzt
als Kathedrale dienenden stattlichen Granitbau, an der Stelle einer
Peter- u. Paulskirche zu Anfang des xvIL Jahrh. von den Jesuiten