106 Route 9% ESCORIAL. Kloster,

links, vor der Escalera principal, 2 p. die Person (je 1 p. für Palast und
Casita del Principe, Pantheon und Kapiteisäle; Bibliothek, Kirche, Sakristei,
Oberer Chor und Kreuzgang frei); Trinkgeld an die einzelnen Saaldiener
20-30 c., Gesellschaften 1-2 p. — Die aufdringlichen Führer und Dolmetscher
(Interpretes; hoher Tarif‘) weise man als nutzlos {sie betreten nicht die
Räume selbst) zurück,
Der Ort Escorial besteht aus dem alten Dorfe Escorial de Abajo
(923m), wenige Min. östl- vom Bahnhof, und dem auf einem südl.
Vorsprunge des Guadarramagebirges gelegenen, von den Madridern
als Sommerfrische besuchten oberen Dorfe, Escorial de Arrıbu
(1028m), mit 3000 (als Gemeinde 5800) Einwohnern, ca. 25 Min.
n.w. vom Bahnhofe, von dem eine schattenlose Fahrstraße und ein
etwas näherer Fußweg an den Jardines del Prfneipe (S. 112) entlang
hinaufführen. Der Name stammt von den Eisenschlacken ( escorias,
vom lat. scoriae) eines ehemaligen Bergwerkes.
Das obere Dorf verdankt seine Entstehung der Gründung des
Real Sitio oder Real Monasterio de San Lorenzo del Escorial.
Philipp II. hatte während der Belagerung von St-Quentin 1557 dem
h. Laurentius, einem römischen Soldaten und Märtyrer spanischer
Abkunft, ein Kloster gelobt, weil seine Artillerie im Kampf eine
Kirche des Heiligen hatte zerstören müssen. Mit dem Bau einer
Gruftkirche für seinen Vater (| 1558) beschloß daher Philipp zugleich
 die Gründung eines Klosters; anderseits kam er unter dem
tiefen Eindruck des freiwilligen Übertritts Karls V, vom Kaiserthron
ins Kloster (1556), der damals als erhabenste Tat angestaunt wurde,
auf den Gedanken, mit dem Kloster eine ländliche Residenz für
sich selbst zu vereinigen. Nach zweijährigem Suchen wurde in der
Einsamkeit und doch nicht zu entfernt von Madrid der geeignete
Platz gefunden. Zur Ausführung seiner Pläne hatte Philipp 1559
den hervorragenden, in Neapel und Rom gebildeten Baumeister
Juan Bautista de Toledo berufen, der die Vorarbeiten leitete, aber
bald nach der Grundsteinlegung 1563 starb. Auf derselben Höhe
wie er stand, sein Nachfolger Juan de Herrera (S, 1x), der in
Brüssel die Baukunst erlernt, Karls V. italienische Feldzüge mitgemacht
 und den Kaiser mit der Leibwache in das Hieronymitenkloster
 begleitet, dann dem Juan Bautista als Gehilfe zur Seite
gestanden hatte. Weitgreifend war aber Philipps IL persönlicher
Anteil an dem Bau. Sein ist nicht nur die Idee, auch die Pläns
und Risse hat er mit durchgearbeitet, in technischen Fragen entschieden,
 die Künstler aus dem In- und Auslande berufen und alle
bei der Arbeit scharf kontrolliert. Der Bau wurde außerordentlich
beschleunigt. Schon 1584 stand das Kreuz über der Kuppel, am
13. September 1584 wurde der Schlußstein gelegt. Nur das Pantheon;
die kgl, Gruft, wurde erst von Philipps Enkel, Philipp IV., vollendet
Die Kosten berechnet man auf 161/92 Mill. Peseten,
Der Grundriß stellt nach der Volksmeinung einen Rost dat
(das Marterwerkzeug, auf dem der h, Laurentius im J. 258 den
Tod erlitt). Die Handhabe des Rostes wäre die kgl. Residenz. DI