Geschichte TOLEDO. 9d, Route. 125

In der GESOHIOHTE trilt der Ort zuerst als Hauptstadt der tupferen
Carpeianer hervor. Livius (xxxv, 7) erwähnt Toletum als „kleine, aber infolge
 ihrer Lage feste Stadt“, die 192 vor Chr. von den Römern erobert
wurde. Unter den Westgoten, deren König Athanagild 567 seinen Hof
hierher verlegte, war Toledo der Hauptschauplatz der religiösen und pY-‚tischen
 Streitigkeiten zwischen Arianern und Katholiken. Zahlreiche Konzilien
 fanden hier statt. Mit dem Übertritt des Könizs Reccared (S, xxxv11)
im J. 5687 erlangte der katholische Klerus seine hervorragende Stellung im
spanischen Staatsleben. Aus der Zeit des Königs Wamba stammt die Stadtmauer
 (678). — Nahezu vier Jahrhunderte (712-1085) ein Hauptstützpunkt
ler Mauren, war Toleitola Sitz eines Emirs unter der Oberherrschaft des
Kalifen von Cordova, seit 1085 selbständig, und gelaugte durch Waffeniabrikation
 (S. 140), Seiden- und Wollenindustrie zu hohem Wohlstande.
Auch die Wissenschaften fanden eifrige Pflege. Die alten Einwohner
aabmen die Sprache ihrer Herren am, blieben aber unbehindert in der
Ausübung ihres christlichen Glaubens (vgl. S. 130). Sie wurden Mozaraber
‘Mostaraber), d. i. unechte Araber, genannt.
Nach mehrjährigen Kämpfen hielt Alfons VI. von Kastilien am
35. Mai 1085 in Begleitung des Cid seinen Einzug und verlegte 1087 seine
Residenn von Burgos nach Toledo. Der erzbischöfliche Stuhl des h. Ildefonso
 erhielt den Primat von Spanien, Zahlreiche Kirchen und Klöster
wurden gegründet, Doch behauptete die arabische Kultur ihre Überlegenheit
 gegenüber der christlichen Einwanderung. Jahrhunderte hindurch
wurde im maurischen Stil weitergebaut (vgl. S. Lv1), Neben der spanischen
 blieb die arabische Sprache 4m Gebrauch und wurde erst 1580 verboten.
 Die eigantlichen Herren von Toledo waren die Erzbischöfe,
lie Rodrigos, Fonsecas, Tenorios, Mendozas, Fimenez, Yaveras und Zorenzau@s.
 Ihre jährlichen Einkünfte beliefen sich auf 300000 Dukaten, 158
Geistliche bildeten ihren Hof, Sie schirmten Kunst und Wissenschaft und
führten Heere an. Mit ihren Namen sind die bedeutendsten Kreignisse der
jamaligen spanischen Geschichte verknüpft. Der Kardinal Pedro Gonzalez
ie Mendoza (+ 1495) war die Seele der Kämpfe gegen Granada. Kardinal
7imenez de Cisneros (+ 45173 S,xLIv) lenkte Spanien nach dem Tode der
‚Kaflıolischen Könige“ und durfte die Granden, die ihn wegen Seines
Rochtstitels interpellierten, stolz von seinem Balkon in Madrid auf die
Truppen unten auf dem Platze verweisen. Von Toledo ging auch der
Kampf der Comuneros (S. 57) aus, die sich vergeblich gegen den spanischen
 Einheitsstaat auflehnten. Selbst Philipp 11., der 4589 mit seinem
Hof wieder von Valladolid nach Toledo übersiedelte, vertrug sich nicht
nit der hochfahrenden Geistlichkeit; 1564 verlegte er seine Residenz nach
Madrid (S. 57), Dann verlor "Toledo rasch seine Bedeutung.
In Toledo spielen zum Teil die Dramen Zope de Vega’s (S. 57; König
Wamba, Über die Brücke, Juana u. a.). Als erzbischöflicher Kaplan starb
aier der Dichter Agustin Moreto y Cabaßı (1618-69), und Francisco de Rojas-Zorrilla
 wurde hier 1607 gebıren. Den Zocodover (S.. 135) bat Cervantes
Aurch seine Schelmengeschichten unsterblich gemacht. Der aus Griecheuand
 stammende Maler Domenico Theotoköpuli (El Greco) schuf hier ca. 1575-(614
 zuhlreiche Werke (vgl. S, 182, 134, 137, 138, 1492).
Die engen gewundenen Gassen weisen auf die maurische Grundiage
 der Stadt zurück. Auch die Häuser lassen, soweit sie von den
Veränderungen der neuesten Zeit unberührt bleiben, den orienta-{ischen
 Einfluß erkennen, namentlich in der gering3rn Zahl der
Fenster, den hölzernen Gittern der Erker, den nägelbeschlagenen
Foren und den iunern Höfen, die im Winter gegen den Steppenwind,
 im Sommer gegen die Sonnenglut Schutz gewähren, Den
innern Bau eines maurischen Hauses lernt man beim Besuch einer
der kleinen Weinschenken kennen, Die christlichen Eroberer haben
Jie Stadt mit Stiftungen, Kirchen, Klöstern, Kollegien, Hospitälern
zefüllt. denen allmählich der größere Teil der älteren Paläste und