152 ASTURIEN UND GALICIEN.

sie sind stolz und verschlossen, aber chrlich und treu, vorzügliche
Soldaten, kühne Seeleute und gute Kolonisten. Die Galicier, die
Jahrhunderte hindurch dem Einfluß fremder Eroberer, der Römer,
Vandalen, Sueven, Goten, Mauren und Kastilier ausgesetzt waren,
ähneln mehr den Portugiesen; sie sind leicht zugänglich und gefügig,
 zu jeder Arbeit und Dienstleistung bereit, Der Geistlichkeit
sind sie ergeben. Den übrigen Spaniern erscheinen sie schwerfällig
und beschränkt. In Mittel- und Südspanien gilt die Bezeichnung
Gallego geradezu als Schimpf. Die Volksbildung steht im übrigen
auch in Asturien auf einer sehr niedrigen Stufe. Größerer Wohlstand
ist nirgends vertreten, trotz der natürlichen Hilfsquellen des Landes
und des Fleißes der Bewohner. Besonders in Galicien ist die Bevölkerung
 zu dicht und der Bauer als hartbesteuerter Kleinpächter
nicht in der Lage, zu eigenem Besitz zu gelangen. So wandern jäihrlich,
 wie aus den baskischen Provinzen, Tausende nach Südamerika
aus, um sich dort anz:/siedeln, oder nach Portugal und dem übrigen
Spanien, um sich als Lastträger und Straßenkehrer, die Yrauen
meist als Ammen ihr Brod zu verdienen. Die wenigen, denen es
gelingt, etwas Vermögen zu erwerben, kehren aber gern zurück.
Denn in allen lebt eine unbegrenzte Liebe zum Vaterlande und
eine rege Sehnsucht nach der Heimat.
Asturien darf sich rühmen die Wiege der heutigen spanischen
Monarchie zu sein. Ebensowenig wie den Römern gelang es den
Mauren in seinen Bergen Fuß zu fassen. Vereintmitden Bewohnern
leisteten hier die versprengten Reste der Westgoten, namentlich die
hohen Adelsfamilien, die sich nicht unterwerfen wollten, den
tapfersten Widerstand. Im J. 718 wurde der Gote Pelagius (span.
Pelayo), dessen Herkunft auf den König Recceswinth zurückgeführt
wird, zum König ausgerufen. Die Sage berichtet von einem großen
Siege, den das christliche Heer von der Höhle von Covadonga aus
unter wunderbarem Beistand Gottes über die Ungläubigen errang.
Pelagius starb 737, Zuverlässiger werden die Geschichtsquellen erst
mit dem zweiten Nachfolger des Pelagius, Alfons I. (739-757?). Zu
ihm strömten von allen Seiten sowohl die waffentragenden Christen,
wie auch die Geistlichkeit, die die Befreiung Spaniens vom mohammedanischen
 Joche zu einem Gebot der Religion machten. Nicht
nur Galicien, sondern auch Le6ön wurde erobert und auch in der
Folgezeit, trotz heftiger Bürgerkriege und mehrfacher Niederlagen,
gegen die Mauren behauptet. Seit 1388 führt der Thronfolger in
Spanien den "Titel eines Prinzen von Asturien. Im übrigen vgl.
S. XXXIX,
Die Verkehrsverhälitnisse lassen in beiden Landesteilen viel zu
wünschen übrig. Die Gasthäuser sind, wenigstens in den größeren
Städten, nicht mangelhafter als im übrigen Spanien,