180 Route 15. SANTIAGO DE ©, Kathedrale.

gestifteten Universität, liegt auf hügeligem Plateau, am Abhang des
Monte Pedroso (735m) und am Zusammenfluß von Sar und. Sarela,
Die Sage, daß der Apostel Jakobus d, A., der Sohn des Zebedäus, in
Spanien das Evangelium gepredigt habe, geht in ihren Anfängen in
das Iv., in greifbarer Gestalt nur bis in das vır, Jahrh. zurück,
Erst aus dem xx. Jahrh. stammt die Erzählung, daß die Leiche
des Apostels aus Judäa, wo er den Tod durch das Schwert erlitten
hatte (Ap.-Gesch, 12, 2), nach Spanien gebracht und sein Grab
nach langer Vergessenheit durch den Bischof Theodomir von Iria an
der Stelle der jetzigen Kathedrale wieder entdeckt worden sei. Der
Ortsname „Compostela“ ist älter als die Heiligenverehrung; seine
Deutung als „campus stellae“, weil ein glänzender Stern den Bischof
geleitet habe, ist sprachlich unmöglich. Trotz des Widerspruchs
anderer spanischer Kirchen, namentlich derjenigen von Toledo,
wurde der Glaube an den himmlischen Sechutzpatron Spaniens in der
Zeit der maurischen Bedrängung zum nationalen Dogma. Christliche
Heere sahen den Apostel in leuchtender Rüstung am Kampfe gegen
‘lie Mauren teilnehmen. Das älteste, angeblich von Alfons I. errichtete
 Heiligtum wurde 997 durch die Mauren unter Almansor
zerstört. Mit dem Neubau stieg das Ansehen der Kirche außerordentlich;
 zu Tausenden strömten die Pilger herbei, Auch heute
noch ist Santiago einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte der ganzen
katholischen Christenheit; es zählt nicht weniger als 46 kirchliche
Gebäude, mit 288 Altären, 114 Glocken und 36 Bruderschaften,
An der von stattlichen Gebäuden (S. 183) umgebenen Plaza
Alfonso XII (oder dei Hospital; Pl. B 3) erhebt sich östl. die
* Kathedrale (Pl. B 3), das hervorragendste Denkmal frühromanischen
 Baustils in Spanien (vgl. S. zır). Der Bau der heutizen
 Kirche begann 1078 oder 1082 unter dem Bischof Diego I.
PelGex, wurde aber erst unter dem ersten Erzbischof Diego IT.
Gelmfrez (1100-30) mit Eifer gefördert und dauerte das ganze
XI. Jahrh, hindurch. Die Einweihung fand 1211 statt. Das Äußere
erfuhr im xvI. und xvım. ‚Jahrh, so umfassende Umbauten, daß sein
Gesamteindruck der eines malerischen Barockbaues ist (vgl. S. 1x).
— Im Grundriß bildet die Kirche ein lateinisches Kreuz. Das dreischiffige
 Langhaus wird von einem dreischiffigen Querhaus durch-Schnitten,
 mit einem Kuppelturm über der Vierung; der Chor ist
im Halbkreis geschlossen, mit Umgang und fünf Kapellen: ganz
nach dem Vorbild von St-Sernin in Toulouse, so daß die Urheberschaft
 französischer Architekten keinem Zweifel unterliegt. Die
Gesamtlänge des Gebäudes beträgt 93,89, die Länge des Querschiffs
 63, die Höhe der Mittelschiffe 24, der Seitenschiffe 7. der
Kuppel 33m. Das Material ist vorwiegend Granit.
Die Westfassade, el Obradoiro, mit einer vierfachen Freitreppe,
 auf deren Wangen einige romanische Skulpturen aufgestellt
sind, wurde 1733 von Fernando Casas y Novo@ im verschwenderischsten
 Barockstil errichtet, Den mächtigen (Giebel, mit einem