186 ARAGONIEN

und gravitiert mit den Flüssen nach Valencia. Wie das kastilische
Hochland (S. 2), ist auch das Ebrobecken als ein tertiäres Binnenmeer
 anzusehen; doch ist es im Gegensatz zu jenem tief in seine
Umgebung eingesenkt, Seine mittlere Höhe beträgt 200-250m.
Der Boden besteht größtenteils aus Mergel, Gips, Ton- und Geschiebeablagerungen
 und ist sehr salzhaltig. Bäume und Sträucher
kommen nicht fort, selbst Steppenpflanzen wachsen nur in spärlichen
 Büscheln. Bloß wo die Flüsse mit ihrem starken Gefäll breite
Täler in die einstige Ebene eingeschnitten und den Salzboden ausgelaugt
 haben, wird die Landschaft bewohnbar. Ähnlich wie im
Niltal sind auf beiden Seiten des Ebro Kanäle abgeleitet, am 1. Ufer
der Canal de Tauste (S. 203), am r. der viel wichtigere Kaiserkanal
(Canal Imperial), der von unterhalb Tudela (S. 204) bis Fuentes
de Ebro (S. 209) eine Länge von 88km hat. Unter Karl V. für die
Schiffahrt angelegt, aber nie vollendet, dient der Kaiserkanal jetzt
fast nur noch gewerblichen Betrieben und zur Bewässerung des Landes.
 In diesen Gebieten, namentlich in der an 8km breiten Alluvialebene
 ober- und unterhalb Zaragoza, gedeihen alle Fruchtbäume:
Mandeln, Oliven, Feigen, auch vortrefflicher Wein. — Den nördlichen
 Teil der Provinz Huesca bilden die Gebirgslandschaften
Ribagorza, die Heimat jener alten echten Aragonier, die sich
„Cristianos viejos y rancios“ nennen und im Bunde mit den
Kataloniern und Valenzianern Sizilien und Neapel eroberten, und
Sobrarbe (S. 208), einst nächst Asturien (S, 162) der Hauptherd
des Kampfes gegen die Mauren, Im Norden hat Sobrarbe den Zen-Iralkamm
 der Pyrenäen, mit den Granitmassen der Muladetta
(Pie d’Anethou , 3404m) und, mehr westl., dem bereits der Kalkzone
 angehörigen Mont Perdu (3352m). Ihm parallel laufen die
südlichen Nebenketten Sierra de la Pefa, mit der Peria de Oroel
(1760m) als Hauptgipfel und dem Kloster San Juan (de la Pena),
der Grabstätte der ältesten aragonischen Herrscher, sowie die Sierra
de Guara, an die im W. die Sierra de Pefia de Santo Domingo
anschließt. Diese beiden Höhenzüge durchbricht der bei Zaragoza
mündende Gällego, während der Aragön, der dem Königreich den
Namen gegeben hat, die Sierra de la Pefia westlich umfließt und
schon bei Alfaro (S. 205) in den Ebro fällt.
Die westlichen Pyrenäen, an deren Abhang die Provinz Navarra
sich ausdehnt, zeigen nur noch Mittelgebirgscharakter, doch steigen
die höchsten Erhebungen über 1500m auf. Die Flußtäler verlaufen,
 mit Ausnahme der Bidasoa (S. 7), durchweg von N. nach
3. zum Ebro hin. Die Hauptstadt Pamplona liegt in einer baumlosen
 Ebene, Das untere Tal der Arga zeichnet sich durch üppige
Fruchtbarkeit aus, Die Bewohner sind Nachkommen der alten
Basken und Westgoten, die aber längst die kastilianische Sprache
angenommen haben.
Malerisch sind die Volkstrachten. Die Aragonen tragen
schwarze Sammetjacken mit geschlitzten und knopfbesetzten Ärmeln.