226 Route 22. BARCELONA, _ Geschichte.

stattlichen balkonreichen Häusern, sind stets von regem Leben erfüllt,
 namentlich die breite, mit Bäumen bepflanzte Rambla, die
die Altstadt in zwei ungleiche Teile scheidet, Durch das schmutzige,
aber stellenweise sehr malerische Viertel zwischen Plaza de Catalufia
 und Plaza de Palacio (Pl. G 8, 9) ist ein Durchbruch (sogen.
„Reforma interior“) geplant, mit dessen Ausführung man z, T', schon
begonnen hat, — Die neuen Stadtteile, die die Altstadt um ein
Vielfaches an Umfang übertreffen, haben breite regelmäßige Straßen
mit Platanenalleen und stattlichen Häusern, z. T, in dem phantastischen
 neukatalanischen Stil. Von Südost nach Nordwest wird die
Neustadt durchschnitten von dem breiten Paseo de Gracia, von W.
nach O0. durch die Gran Vfa de Argüelles oder Via Diagonal.
Vortrefflich ist das Klima (vgl. S, xxxv), der Sommer nicht
zu heiß (Temperatur selten höher als 33° C.), im Winter Schnee
äußerst selten. Nur ist die Feuchtigkeit der Luft ziemlich hoch,
eine Folge der Lage der Stadt am Meer und umschlossen von Bergen.
Der Ostwind /Lievant) bringt Regen, auch der im Frühjahr häufige
kühle Nordost (Cargal) ist feucht. Der aus Afrika kommende aufklärende
 Südwest (Lebeche, der „libysche Wind“, katalanisch Lieveig
oder Garbf) ist der gewöhnliche Wind im Sommer, Der trockene
Nordwest (Mestral)} ist der Vorbote des Winters,
In der Geschichte erscheint die Stadt zuerst unter dem alten iberischen
 Namen Barcino, der irrtümlich auf den Karthager Hamilkar Barkas
zurückgeführt wird. Durch Augustus wurde sie zur römischen Kolonie
arhoben und erhielt die Beinamen Julig Favenlia, später Augusta und Pia.
Seit dem 11, Jahrh. gewann sie, während Emporiae (S. 215) zurückging.
neben Tarraco (S. 255) eine nicht geringe Bedeutung, Die römische Stadt
nahm den Hügel ein, den jetzt die Kathedrale krönt und dessen ovale
Grundform im Stadtplan noch zu erkennen ist. Von ihren Mauern und
Toren sind zwischen der Freitreppe vor der Kathedrale (5. 230), der Plasa
1el Angel (S. 234), der Plaza de Regomir und der Calle de Avind (Pl. &amp; 9:
Reste erhalten, Die Westgoten erhoben Barcinona 415 und 531 vorüberzehend
 zu ihrer Hauptstadt (vgl. S. 125), Die Mauren nahmen Bardschalung
713 ein, Ludwig der Fromme 80i. Seit 874 herrschten die Grafen von
Barcelona (S. 213). Während dieser Zeit und der Vereinigung Kataloniens
mit Aragonien bildete Barcelona mit Genua und Venedig die große
Handels-Trias am Mittelmeer; sein Seerecht, Consulado del Mar, welches
hm Jakob I. von Aragonien 1258 verlieh, ward als „Cödigo de las Costumbres
naritimas de Barcelona“ maßgebend für ganz Europa. Die Vereinigung
nit Kastilien, mehr noch die großen Entdeckungen des xv. Jahrhundert»
arschütterten seine Machtstellung, Barcelona sah den Grund in der Politik
der „spanischen“ Regierung und versuchte 1640 den Anschluß an Frankseich
 (S. 213). Am 12. Okt. 1652 mußte die Stadt nach einjähriger tapferer
Verteidigung Tg elle Im spanischen Erbfolgekrieg (S. xLv) stellte
;ie sich auf die Seite des Erzherzogs Karl, von dem sie größere Freiheiten
arhoffte, und bewies nochmals ihren Heldenmut bei der Belagerung durce!
las französische Heer unter dem Herzog von Berwick im Juli bis Sept. ı714
Bei der Erstürmung wurde ein großer Teil der Stadt zerstört. Die Bour
oonen-Dynastie brachte ihr dann die Zitadelle (S. 235 u. 237), deren Bau 171%
begann, und die verhaßte Umwallung, die in der Folge bei dem lebhafte”
industriellen Aufschwung der Stadt unerträglich wurde, Aber erst da
Jahr 1860 brachte die Schleifung der Werke. — In keiner Stadt der iber}
zchen Halbinsel Dulsiert ein frischeres und freudigeres Leben; keine mach!
ainen 80 ‚europäischen Eindruck. Als Hauptstadt der alten Grafschaf
Satalufa ist Barcelona die Hochburg des Katalanismus, und als Arbeiter
ınd Hafenstadt der Mittelpunkt des snanischen Sozialismus,