Geschichte. VALENCIA, 32. Route, 281

Valencia (5m), die alte Hauptstadt des Königreichs Valencia,
jetzt einer Provinz, drittgrößte Stadt Spaniens (nach Madrid und
Barcelona) mit 213 550 (einschl: der zugehörigen Vororte 233 348)
Einw., Sitz eines Erzbischofs, eines Generalkapitäns, sowie einer
Universität, liegt 4km vom Meere in der Huerta de Valencia am
rechten Ufer des Turia oder Quadalaviar, des „weißen Flusses“ der
Araber (Wäd al-abjad), auf dessen Wasser die Fruchtbarkeit der
Umgegend beruht. Obschon der Blick auf das ca. 20km entfernte
Gebirge im W., den Burghügel von Sagunt im N. und die Berge
von Alicante mit dem Mongö im SO. nicht besonders malerisch
ist, gewährt die Stadt mit den prächtigen blauen, goldnen, weißen
Azulejoskuppeln ihrer Kirchen und dem Gewirr enger volksbelebter
Gassen unter dem heiteren südlichen Himmel doch ein sehr hübsches
 Bild, Coelum,. hic cecidisse putes („ein Stück Himmel auf die
Erde gefallen“), hieß es im Altertum. Keine größere Stadt Spaniens,
vielleicht mit Ausnahme von Murcia und Cädiz, macht einen so
orientalischen Eindruck wie Valencia, die Medina-bl-tarab („Stadt
der Freude“) der Araber, denen das spanische Volkslied bei ihrem
Abzug die Klage in den Mund lest:
Cyanlo mas la vee hermosa Je schöner sie erscheint,
Mas le crece Su pesar . .. Um 80 größer der Schmerz , ..
O Valencia, 0 Valencia, Valencia, 0 Valencia,
Dios te quiera remediar! Möge Gott dir beistehn!
Das Klima(vgl.S. xxxv) ist ungemein mild, dabei vorherrschend
trocken. Nur der Ostwind (Levante) bringt Regen, Der von der
kastilischen Hochebene kommende Westwind (Poniente) ist im
Sommer heiß, im Winter kalt, Der ebenfalls heiße Süd wind (Solano)
bringt die Fieberluft der Albuferasümpfe (8. 291). — Das Brunnenwasser
 ist nicht gut.
In der Geschichte erscheint Valentia, das im Gebiete der Edetaner
Jag, nach Beendigung des Krieges gegen Viriathus, 138 vor Chr., als der
rümische Konsul Decimus Junius Brutus die kriezsgefangenen Lusitaner hier
ansiedelte und der Stadt die latinische Verfassung gab, Später trat Valentia
auf die Seite des Sertorius, wurde 75 vor Chr. von Pompejus erobert und
teilweise zerstört, gelangte aber unter Augustus wieder zu hoher Blüte.
Doch sind aus römischer Zeit nur Reste von Mauern und Toren erhalten.
Die Wesigoten nahmen die Stadt A{3 nach Chr., die Mauren eroberten sie
714. Als das Reich der Kalifen von Cordova zerfiel, gründete hier der
Statthalter Abd-al- Aziz Abu l-Hasar 1021 die Dynastie der Ameriden und
machle Valencia mit dem ganzen Küstenlande von Almeria bis zum Ebro
Zu einem selbständigen Königreiche, das 1092 den Almoraviden (S. 324) zufiel,
 1094 eroberten die Christen unter dem Cid (S. 27), z. T. durch Verrat,
die Stadt, die seitdem auch den Namen Valencia del Cid führte; nach seinem
Tode (4099) versuchte sein Weib Jimeng Valencia zu halten, mußte aber
bald, mit dem Toten auf dem Streitroß Babieca, wie die durch Herder auch
in Deutsch'and bekannten spanischen Romanzen melden, die Stadt, verlassen.
 Nochmals gründete hier Muhammed ibn Sa‘id (oder Ibn Mardanisch;
1146-72) ein mächtiges maurisches Reich, das auch Murcia, Almeria und
Jan umfaßte und seine Unabhängigkeit gegen die A!mohaden behauptete.
Nach Mardanisch’s Tode machte sich Alfons IL von Aragonien Valencia
tributpfülichtig; aber erst Jakob ZI, (S. xu1) eroberte die Stadt und hielt am
September 1238, am Vorabend des Festes des h. Michael, seinen Einzug.
unter den „Katholischen Königen“ kam Valencia zu Kastilien, wurde
Sitz eines Viscekönies und erhielt eine Universität, die durch Bulle des