ANDALUSIEN. 315

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nur vorübergehend von den Oströmern zurückgedrängt, die Westzoten,
 das Land. Endlich setzten sich die Araber und Berber hier
fest, nachdem sie 711 bei dem Vorgebirge, das noch heute nach
Ihrem Anführer Tärik „Gibraltar“ heißt, die afrikanische Meerange
 überschritten hatten. Sie nannten das Land, wie auch später
die ganze Halbinsel, die sie von hier aus eroberten , el-Andalus
(„Westland“). Bis zum Xml. Jahrhundert herrschten die Mauren
in Andalusien, Granada fiel erst 1492 in die Gewalt Ferdinands V.
les Katholischen. &gt;
Der Wechsel in den Geschicken des Landes prägt sich auch in
ieinen Bewohnern aus. Halb Europäer, halb Afrikaner, haben
sie von allen Völkern, die hier herrschten, etwas in sich aufgenommen
 und deren Sprache geredet. Noch heute wimmelt die andalusische
 Mundart weit mehr als das Kastilische von arabischen
Wörtern; fast alles, was die Landwirtschaft, die Ackergeräte, die
Bewässerung betrifft, ist arabisch. Auch Tänze und Musik haben
‘hren Ursprung im Osten.
Den orientalischen Beziehungen verdankt der Andalusier (Andalus,
 Andaluzsa) die überschwängliche Phantasie. Kein größerer
Gegensatz, als der ruhig stolze. Altkastilier und der bewegliche Andalusier,
 dem die Vorstellung von den Dingen die Wirklichkeit
3rsetzt, der alles wie durch ein Vergrößerungsglas erblickt und sich
leicht in „Fanfarronadas“ ergeht. Anderseits nichts reizvoller als das
Gebahren einer andalusischen Maja, an der man, höchst charakte-AAstisch,
 weniger die Schönheit bewundert als Grazie und Schlagfertigkeit,
 was man mit „Sal“ („Salz“; schon bei den Römern heißen
sales „witzige Reden“) bezeichnet. Der Ausdruck salero („Salzfaß“)
bedeutet den Inbegriff weiblicher Anmut, wie er sich in witziger
Unterhaltung, Gesang, Tanz u. dgl. zeigt. Eine „Copla“ lautet:
‘Salero! viva el Salero ! Salero, es lebe der Salero!
‚Salero! viva la sal! Salero! Ea lebe das Salz!
Que tiene Usted mas salero Denn Sie besitzen mehr Salero
Que el salero universal, Als der Salero der ganzen Welt,
In einem andern wird eine kalte Schönheit aufgefordert, sich
zu den Salinen zu begeben, um sich mit Salz zu versehen;
Tu tienes mu poca ad;
Corre, bete £ las sallnas,
Que te la acaben de echä.
Der Andalusier ist der geborne Gracioso der spanischen Dramen,
 der Leporello und Figaro der Oper, in ernsterer Lage bald
Torero, bald Contrabandista, Wie das Städtchen Chielana die Heimat
der berühmtesten Stierkämpfer ist, so die Serranfa de Ronda das
Gebiet der Schmuggler, Volkstümlich war auch der andalusische
Räuber, der Bandolero, der reiche Leute einfing, um sie nur gegen
Lösegeld. freizugeben. Verflel er im Kampf mit der Guardia Civil
(S. xxvnr) der strafenden Gerechtigkeit, so verherrlichte den „Unglücklichen“
 (desdichado) eine „Leyenda patriötica“. Denn der Held
des Volkes ist in Spanien der Kämpfer gegen die Gesellschaft.

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