342 Route 42. ALHAMBRA, Maurischer Palast,

Gelände sich nach O0, und N. senkt. Äußerlich ist er, wie alle maurischen
 Profanbauten, unscheinbar und wird durch den gewaltigen
Bau Karls V. (S. 348) ganz in den Schatten gestellt.
Das arabische Haus schließt sich: (wie das griechisch-römische
Haus-im Altertum) nach außen ab, alle Räume münden auf einen
Hof als Mittelpunkt, Zur Vergrößerung des Hauses vervielfältigte
man die Höfe, Die Könige von Granada erbauten also eigentlich
Palast an Palast, jeden um einen neuen Hof und mit besonderem
Eingang. Das Cuarto de Machuca, das Mexuar und den Mexuarhof
betrat man, nach den Berichten des Reisenden Märmol (Ende des
xvI. Jahrh.) und des venezianischen Gesandten Navagero (1526),
durch: einen Zaguän im N, der modernen Eingangspforte, zum
Myrtenhofe stieg man aus dem Mexuarhof hinauf, während sich das
Tor des Löwenhofgebäudes in dem Winkel zwischen dem Kaiserbau
und der Zisterne (Aljibe), also im S. des jetzigen Zugangs befand.
In den Alhambrabanten hat die maurische Kunst (8. zv/nvı)
das Höchste geleistet, dessen sie fähig war, Der konstruktive Wert
ist gering, das Material, vorwiegend Holz und Gips, unsolide und
vielfach nur auf Täuschung berechnet; die architektonischen Gesetze
 scheinen für die Baumeister oft nur vorhanden, um sie zu
umgehen oder zu verspotten. Aber das Ganze mutet uns wunderbar
 an, wie eine künstlerische Verklärung des Zeltes der Wüstenbewohner,
 Die dünnen Marmorsäulen, auf denen die leichten Gipsmauern
 ruhen, erinnern an Zeltstangen, die Ornamentierung der
Wände mit ihren seltsam verschlungenen geometrischen Linien
(Entrelaes) und Ranken ( „Arabesken“) an orientalische Teppiche,
Eigentümlich sind die „Stalaktitengewölbe“, die aus unzähligen,
treppenartig übereinander aufsteigenden Einzelkörperchen gebildet
sind. Der semitische Abscheu vor der Darstellung lebender Wesen
erklärt den Mangel an Bildwerken. Geistige Erhebung boten nur
die alle Wandflächen umrahmenden , teils in der altehrwürdigen
kufischen Schrift, teils in andalusischer Kursivschrift ausgeführten
Lobpreisungen Gottes und die überschwenglichen, meist der Casida
Ahen Zemreec’s entnommenen Verse, die Mohammed YV., verherrlichen,
Der erste Eindruck der Alhambra ist für die Mehrzahl der Besucher
 nicht frei von Enttäuschung. Man mache sich aber klar, wie
vieles zerstört oder durch dürftige Restauration ersetzt ist. — Unsere
Führung beginnt mit den Prachtbauten des Myrten- und des Löwenhofes,
 leitet dann zurück zu dem Mexuarhofe und schließt mit den
unterirdischen Räumen, den Bädern und den modernen Zimmern am
Daraxahofe, sowie mit dem „Putzzimmer der Königin“. Zum Durchwandern
 der Räume braucht ein Eiliger kaum eine Stunde; zu eingehenderer
 Betrachtung werden manchem Wochen nicht genüren.

Durch den tiefliegenden jetzigen Eingang (Entrada moderna),
wo’ man alle Eintrittskarten (8, 323) erhält, neben dem Kaiserbau
gelangt man zunächst in den