Palast.

ALHAMBRA, 42. Route. 345

hauptet wurden (vgl. auch 8. 325). Man betritt ihn durch eine
prachtvolle, 1856 restaurierte hölzerne Tür, deren eigentümliche
Einfügung in die Pfosten beachtenswert ist. Auf den dreistöckigen
Mittelraum öffnen sich in herrlichen gezackten Bogen beiderseits
niedrigere Alkoven, mit hübschen Kassettendecken, Über der
Galerie des zweiten Stockes leiten acht Stalaktitenzwickel zu dem
sechzehneckigen dritten Stocke über, dessen Fenster ein sanftes
Licht verbreiten. Den oberen Abschluß bildet ein mächtiges Stalaktitengewölbe,
 das den phantastischen Eindruck des ganzen Raumes
noch erhöht. Die im xvi. Jahrhundert z. T. erneute Dekoration ist
von besonderer Eleganz. Die Mitte des Saales nimmt ein zwölfeckiger
 Marmorbrunnen ein, dessen braunrote Flecken nach dem
Volksglauben von dem Blute der Abencerragen herrühren. Das
Wasser fließt, wie das des Springbrunnens im Saale der beiden
Schwestern (S. 346), in einer Rinne zum Löwenbrunnen ab.
‚Die Nebenräume des Abencerragen-Saales, der Patinillo und die Zisterne
(Aljibe), werden, wie die Frauenwohnung im Obergeschoß des Löwenhofes,
restauriert. — Neben der Zisterne führte ein Gang zu den Trümmern der
Rauda oder königlichen Begräbniskapelle, die jetzt völlig ausgegraben werden,
Der anscheinend von Mohammed V. angelegte, ehemals durch einen Gang
mit dem Obergeschoß des Löwenhofpalastes verbundene Bau enthielt einen
Vorraum und drei Kammern mit den Gräbern der Könige Mohammed 71.,
Abu']- Waltd Ismail, Jüsuf I. und Jüsuf IIT.; (die alabasternen Grabplatten
/losas) sind. schon 1574 aufgefunden worden (vgl. S. 346).
Die *Sala de la Justicia, auch Sala del Tribunal oder de 108
Reyes genannt, im O0, des Löwenhofs, ist eine siebenteilige Halle,
die auf der Hofseite drei durch je zwei Säulen geteilte Bogeneinränge
 hat, Zwischen diesen drei offenen Abteilungen, die von hohen
Kuppeln mit Oberlicht überwölbt sind, liegen zwei niedrigere Zimmer.
 An den Enden und auf der östlichen Langseite schließen sich
eine Anzahl alkovenartiger, z. T. dunkler Nebenräume an. Die ganze
Halle mit ihren Stalaktitenwölbungen und Zackenbogen macht den
Eindruck eines phantastischen Grottenwerkes. Sie hat während des
Baues der Kirche Santa Marfa (S. 348)‘ als Kapelle gedient und ist
wiederholt restauriert worden.
_ Von den Nebenräumen der Langseite enthalten die drei größeren
interessante Deckenbilder aus dem Anfang des xv. Jahrh. (S. 1.xxX1x),
das mittlere auf goldenem, die beiden anderen auf dunkelblauem
Grunde mit goldenen Sternen , alle mit Eiweißfarbe auf Leder gemalt
 und mit Nägeln auf 7em starken Holzplatten befestigt, Die
Konturen sind schwarz umrissen, die Flächen meist nur mit einer
Farbe ausgefüllt. Die Bilder, die später noch einen Leinölüberzug
erhielten, haben stark nachgedunkelt. Die zehn Muselmänner in
Aem mittleren Alkoven sind wahrscheinlich Bildnisse der Herrscher
von Granada von Mohammed I. bis zu Abu Said, „dem Roten“
(+ 4862); nach andern stellen sie eine Ratsversammlung oder einen
Gerichtshof dar. Diese verschiedenen Deutungen haben Anlaß zur
Bezeichnung der ganzen Halle gegeben. Die Bilder in den beiden
andern Alkoven schildern Jagden und Turniere.
Bedekers Spanien u. Portugal. 4. Aufl.