346 Route 42. ALHAMBRA. Maurischer

In dem mittleren Alkoven steht jetzt der lange Zeit am Fuße des
Velaturms (S. 341) verwahrte maurische Brunnentrog (pilas n° 4), mit eigentümlichen
 Reliefdarsteilungen, Löwen, welche Hirsche verschlingen, Adlern
u. a., sowie einer auf Mohammed IIL. bezüglichen Inschrift vom J, 1805.
Nach der stilistischen Verwandtschaft der Bildwerke mit denen des Brunnenlroges
 im Madrider Nationalmuseum zu urteilen, haben wir es hier wihrscheinlich
 mit der Nachbildung einer älteren Arbeit zu tun. — In dem
Alkoven am S.-Ende der Halle sind einige Alahasterplatten von den
Königsgräbern der Rauda (S. 345) aufgestellt, n° 17 vom Grabe Jüsufs III,
a®* 18 von dem Mohammeds IT.

Dem Abencerragen - Saale gegenüber steigt man im N. des
Löwenhofes quer über einen schmalen Gang (pasadizo) hinauf zu dem
*% Saal der beiden Schwestern (Sala de las Dos Hermanas), der
mit den folgenden wieder etwas höheren Räumen, Sala de los Ajimeses
 und Mirador de Daraxa (s. unten), in einer Flucht liegt.
Diese Räume waren anscheinend die Winterwohnung der Frauen
des Herrschers, Der angeblich von Aben Ceneind erbaute Hau ptsaal
hat seinen Namen von den beiden gewaltigen gleichgroßen Marmorplatten
 im Fnßboden; seine Ausstattung bildet wohl den künstlerischen
 Höhepunkt in der Alhambra. Man beachte die schönen
Holztüren, die Wandbekleidung aus Stuck, vor allem das Gewölbe,
die größte aller arabischen Stalaktitenwölbungen, in welcher sich
zahllose Hohlkehlen, angeblich etwa 5000, alle verschieden und doch
zu einander passend, zu einem reizenden Ganzen vereinigen.
In einer Ecke des Saales ist die 1,39m hohe doppelhenkelige
* Alhambra- Vase (el jarro de 1a Alhambra) aufgestellt, die angeblich
 mit Gold gefüllt im Alhambrapalast aufgefunden wurde und
sich seit dem xvır. Jahrh, in dem Jardin de los Adarves (S. 341)
befand, Sie stammt aus dem J. 1320 und ist mit Emailmalerei in
weiß, blau, gold, mit Ornamenten und Tierfignren, wahrscheinlich
Gazellen, geschmückt. Gegenstücke sind in den Nationalmuseen zu
Madrid (S. 87) und Stockholm.
Wir wenden uns nun durch die Sala de los Ajimeces, mit dem
(1.) bisweilen geschlossenen Durchgang zum Peinador de la Reina
(S. 347) und Patio de In Reja (S. 347), schönem Gewölbe und zwei
„Aiilmeces“ in der N.-Wand, in den
*Mirador de Daraxa, auch Mirador de la Lindaraja genannt,
Es ist ein reizender Erkerbau, dessen drei fast bis zum Boden
reichende Fenster sich auf den Patio de Daraxa (S. 347) öffnen.

Man kehre durch den Löwenhof zum Myrtenhofe zurück und
steige an dessen W.-Seite, wie S. 343 angegeben, durch den Zaguän
hinab zu dem 4m tiefer gelegenen Patio del Mexuar. Die N.-Seite
des Hofes begrenzt ein hübsches Atrium mit Säulen und Hufeisenbogen,
 letzterer von 1522. Auch das anschließende Cuarto Dorado
hat seine Dekoration im Mud&amp;jarstil erst unter Karl V. erhalten.
Das Mexuar (arab. meschwär, Ratssaal), die heutige Capilla,
wurde für die neue Bestimmung 153744 umgebaut, jedoch erst seit