378 Route 49,

SEVILLA. Prakt. Angaben.

Sammlungen von Zafuente Alcantara (Madrid 1865), Rodrigo Marin (Sevilla
1882-83) und Demd/ilo (Sevilla 1881). — Der Besuch der Tanzschule von D. Otero,
Calle San Vicente 67 (Mo. Do. 9 Uhr abends), ist gegen einen vorher genau
zu vereinbarenden Preis (mindestens 5 p. die Person) gestattet.

Die Kirchenfeste von Sevilla gehören zu den bedeutendsten Spaniens und
ziehen noch immer, obgleich sie an Glanz verloren haben, Scharen von
Fremden an. Man vergesse aber nicht, daß man während dieser Tage nicht
nur mit außergewöhnlichen Preisen zu rechnen hat (3. 376), sondern auch
von den Sehenswürdigkeiten der Stadt fast nichts zu sehen bekommt.
In der SEeMAya SANTA (Karwoche) sind zunächst die höchst eigentümlichen
 Au fzüge (vasos) der Bruderschaften (cofradias, hermandades)
der verschiedenen Stadtviertel zu erwähnen, die ihre reichgeschmückten
Heiligenstatuen (oasos), die z, T, von namhaften Künstlern herrühren, auf
großen von 20-40 Männern getragenen Bühnen (andas) durch die Straßen
führen, Voran schreiten Gendarmen und sogen. „Römer“; dann folgen die
vermummten, Kerzen tragenden Mitglieder der Bruderschaften und des
Stadtrats, Musikchöre u. a. Die Züge bewegen sich durch die enge Calle
de las Sierpes (S. 392), über die Plaza de ia Constitucien (S. 391), wo vor
dem Stadthause auf einer Tribüne der Oberbürgermeister (Sefor Alcalde
Presidente) begrüßt wird, durch die Calle de Canovas zur Kathedrale und
durch deren dunkle Hallen (ein wunderbarer Anblick!), an der Seite der
Giralda (S. 385) wieder hinaus und kehren nach 10-12stündigem Marsch in
ihre verschiedenen Kirchen zurück. Die Aufzüge finden mehrmals statt:
zuerst am Palmsonntag (Domingo de Ramos), dann am Mittwoch, Gründonnerstag
 und Karfreitag, immer gegen Abend (por la tarde); außerdem noch einmal
 am Karfreitag frühmorgens (de madrugada). — Gute Zuschauerplätze
bieten die Tribünen vor dem Stadthause und in der Calle de las Sierpes: für
die ganze Woche 10-20 p.; Stühle in den Straßen für den Tag 1 p., auf den
Stufen der Kathedrale 25-50 c.
Innerhalb der Kathedrale finden folgende Feierlichkeiten statt:
Palmsonntag: früh Weihe der Palmen und Ölzweige, sowie Prozession,
Dienstag und Mittwoch: Passionsgesänge, Mittwoch 10 Uhr vorm. Zerreißen
 des Tempelvorhanges (velo blanco); 5 Uhr nachm. Klagepesänge
(#inieblas), während deren alle Lichter bis auf eins auf dem berühmten
Tenebrario (S. 389) nach und nach ausgelöscht werden; 9 Uhr abends Aufführung
 des Miserere von Eslava (S. 386) in der Capilla Mayor (Generalprobe
 1-2 Tage vorher in der Casa Lonja), darauf feierlicher Zug mit dem
h. Sakrament in das Sagrario (S. 391).
Gründonnerstag: 61/2 Uhr morgens Weihe des Öls (Santos Oleos); gegen
91/2 Uhr Übertragung des Sakraments in das 80g. Monumento (S. 387), einen
32m hohen, in Weiß und Gold dekorierten Holztempel, mit der silbernen
Custodia (S, 389). — Um 2 Uhr nachmittags Fußwaschung im Querschiff
vor dem Chor, Später die üblichen Kirchengesänge (complefas und finieblas)
bis 10 Uhr abends, worauf noch einmal das Miserere Eslava’s aufgeführt wird.
Karfreitag: 6 Uhr morgens Passionspredigt; um 7 Uhr Horas und Oficios;
Anbetung des Kreuzes durch das barfüßige Kapitels Prozession in schwarzen
Gewändern (de funerales), während alle Lichter ausgelöscht werden und
die Matraca (S, 335) ertönt; nachm. 5 Uhr Vesper im Flüsterton (semitonado)
und im Dunkeln,
Samstag vor Ostern (Sdbado sanlo): die Matraca (S. 35) ruft zur Messe;
7 Uhr früh Weihe des Cirio pascual, einer Tl/zm h. und 350-400kg schweren
OÖsterkerze; darauf die Zetanias mayores und um 10 Uhr Enthüllung des
Hauptlaltarz durch Zerreißen des Velo negro, begleitet vom Gloria in eXxCcelsis,
Donnerschlägen und dem Geläute aller Glocken (repique de campanas).
Ostersonntag : 10 Uhr Pontifikalmesse und große Prozession.
FRONLEICHNAMSFEST (Fiesta del Santisimo Corpus); 10 Uhr vormittags
große Prozession mit der Custodia der Kathedrale (S. 389) und anderer
Kirchen durch C, Cdnovas, Pl, de 1a Constituciön (Tribünen), C, Sierpes, Pi y
Margall, Pl. San Salvador, C. Francos und Placentines; nachmittags zweite
Prozession im Innern der Kathedrale, — Der eigentümliche *Tanz der Seiser
(„sechs“, in Wirklichkeit zehn Pagen) vor dem Hauptaltar, eine Nachahmung
 des Tanzes der Juden vor der Bundeslade, findet an drei Tagen