Geschichte. SEVILLA, 49. Route. 381

der sogen, Athanasianische, erhielt jedoch bald die Oberhand. Er und
3eine beiden Genossen, bekannt als „Apostel der Goten“ und als Leiter
der Concikia Hispalensia 590 und 619, wurden später kanonisiert.
Die Mauren unter M@sa eroberten Sevilla (arab, Zchbilija) im J. 712,
ließen aber die Nachkommen des durch Roderich verdrängten Westgotenkönigs
 Witiza im Besitz der Herrschaft bis 913, wo sic sich dem
Omaijaden ‘Abderrahmän IM. unterwarfen. Nach dem Sturze der Omaijaden
(8. 350) machte sich Sevilla 1021 unter Abu’! Käsim Mohammed (+ 1042), aus
dem Hause der Beni‘ Abbdd, wieder selbständig. Von al-Mo'tamid IT. (4069-94),
üem letzten “Abbaditen, selbst in das Land gerufen, rissen 1091 die Aimoraviden
 (S. 357) die Herrschaft an sich; 1147 fiel die Stadt den Aimohaden zu.
Sie war neben Marräkesch deren Lieblingsresidenz und wurde namentlich
unter /üsuf Abu Ja‘kıb (1163-84) und Ja‘kub Ibn Jüsuf (1184-93), genannt
Al-Mansür („der Siegreiche“), der Schauplatz einer glänzenden Bautätigkeit
und übertraf selbst Cordoba zeitweise an Einwohnerzahl. Die christliche
 Zeit beginnt mit Ferdinand I/I. von Kastilien, der die Stadt am
St. Clemenstage (23. Nov.) 1248 nach FEB Belagerung unter
Beihülfe des granadischen Sultans Ibn al-Ahmar (S. 324) eroberte und sie
zur Residenz wählte; er vertrieb ca. 300000 maurische Bewohner und verteilte
 das Land unter seine Anhänger. In dem Streite zwischen seinem
Nachfolger Alfons X, (1252-84) und dessen Sohne Sancho stand Sevilla treu
zum Herrscher und erhielt dafür 1283 zum Wappen den Wahlspruch muy
noble, muy leal, muy heroica e invicla und die Königskrone mit einem eigentümlichen
 Knoten (madeja) und den vor- und nachgestellten Silben no.und
do, was rebusartig als no m'ha dejado (sie hat mich nicht verlassen) zu lesen
ist, — Der volkstümlichste König in Sevilla war Peter I. („der Grausame" ;
1350-693 S. xıın), der in zahlreichen Anekdoten bald als eine Art Blaubart,
bald als gerechter Richter, bald als grausamer Henker geschildert wird.
Mehrere Dichter der Blütezeit der spanischen Literatur (Lope’s „Stern von
Sevilla“) haben ihn auf die Bühne gebracht.
Die Entdeckung Amerikas führte Sevilla zu einer ungeahnien Höhe:
am Palmsontage dem 81. März 1493 hielt Kolumbus hier auf der Rückkehr
von seiner ersten Fahrt seinen Einzug. Seitdem entwickelte sich die Stadt
zum Haupthafen Spaniens, erhielt das Monopol] des überseeischen Handels
und ward Sitz des Tribunal de Ias Indias. Für ihre Treue beim Aufstand
der Comuneros (S. 57) ehrte auch Karl V. sie mit einem Spruche: ab Hercule
 et Caesare nobilitas, a se ipsa fidelitas. Die Bourbonen begünstigten
Cäidiz, wohin 1720 der Rat beider Indien verlegt wurde, Einen neuen Äufschwung
 brachte die Regulierung des ganz versandeten Strombeites des
Guadalquivir, die den Seehandel aufs neue nach Sevilla gezogen hat.
Mehrere Dampfschiffahrtgesellschaften, vorzugsweise für den spanischen
Küstendienst, haben ibren Sitz in Sevilla, — Große Störungen verursachen
die Überschwemmungen der Avenidas (S. 314), von denen in neuerer Zeit
die der Jahre 1876, 1881, 1892 besonders verheerend waren,
Über die kunstgeschichtliche Bedeutung Sevillas, das sich rühmen
 darf, die Geburtsstadt der beiden größten spanischen Maler, Veldzquez
und Murillo, zu sein, vgl. Seite LYIII, LXVII/LXVIM, LXXUM/LXXIV, LXXIX,
LEXXII/LKXXII, LXXXKV, LXXXVILf, — Unter den Schriftstellern treten
hervor der Bühnendichter AP de Rueda (+ 15677), Fernando de Herrera
(1534-97), Mateo Aleman (ca, 1550-1609), Verfasser des Schelmenromans Guzmän
de Alfarache, endlich der Dichter und Gelehrte Alberto Lista (1775-1848). —
Bekannt ist Sevilla als Schauplatz berühmter Opern: Mozarts Don Juan
(S. 892) und Figaro und Bizet‘s Carmen A hier, und um den Laden
von Rossini's Barbier, „numero quindiei“ (15), streiten sich mehrere Straßen.
Sevilla ist trotz seiner vielen engen und labyrinthischen Straßen,
einem Erbteil aus der Maurenzeit, eine der hellsten und lachendsten
Städte der Welt. Fast jeder größere Platz ist mit Bäumen bepflanzt.
Die Häuser, mit Erkern (miradores), sind vorwiegend weiß getüncht.
Von besonderem Reiz sind ihre Innenhöfe, die Patios, in die man
von der Straße aus durch das Eingangsgitter einen Einblick hat.