416 Route 52,

ÖADIZ.

Geschichte,

1786 erweitert und verschönert, zeichnet sich die Stadt durch Eleganz
und Sauberkeit aus, Den Eindruck, den sie aus der Ferne macht,
hat man passend mit dem eines Tragantgebildes verglichen; die
Spanier sprechen, nach dem Vorgang der Araber, von einer „silbernen
 Schüssel“ (una taza de plata). Bei dem beschränkten Raume
sind. die Häuser ziemlich hoch; ihre Fronten sind mit zahlreichen
Balkonen versehen; auf Treppen und Fluren ist vielfach Marmor
verwendet; fast alle haben flache Dächer (azoteas), mit Aussichtstürmen
 (miradores), die für die Stadt charakteristisch sind, Palmenteiche
 Parkanlagen mit unbegrenztem Blick einerseits auf den Ozean,
anderseits auf die Bucht von Cädiz, der erfrischende Hauch der
Seeluft und die Abwesenheit alles Rauches verleihen Cädiz einen
ungewöhnlichen Reiz, den die Erinnerung an die uralte, bis zu den
Anfängen menschlicher Kultur hinaufreichende Geschichte der Stadt
noch erhöht.
Das Klima ist feucht und warm. Im Winter herrschen vorwiegend
 Südwestwinde, Im Sommer macht sich zeitweilig ein starker
 Ostwind, der sog. Levante, bemerkbar.
Phöniker aus Tyrus gründeten Gadir („die Festung“) um das J. 1100
vor Chr. als Stapelplatz für das Zinn (S. 427), das sie von den Kassiteriden-Inseln
 (Britannien) holten, und für das Silber von Tarschisch (9. 314). Die
Karthager besetzten die Stadt um 501 vor Chr. und eroberten von hier aus
den ganzen Süden der Halbinsel. Hamilkar und Hannibal bildeten ihre
Flotten und Heere in der reichen Handelsstadt, ebenso, nachdem diese aus
Handelseifersucht auf Karthago im zweiten punischen Kriege auf römische
Seite getreten war, die Scipionen, Zahlreiche Griechen waren hier ansässig.
Griechische Gelehrte, wie Pytheas zur Zeit Alexanders d. Gr., Polybios und
Artemidor im ır. Jahrhundert, Poseidonios im. ı. Jahrhundert vor Chr. haben
Gadeira besucht und die ihnen vom Mittelmeer unbekannte Erscheinung
der Meeresgezeiten (S. 415) beobachtet. Die Römer nannten die Stadt Gades
{fem, plur.). Pompejus wie Caesar strebten nach ihrem Besitz (vgl. 3. 413).
Die reichen Bürger Z. Cornelius Balbus Vater und Sohn hielten Freundschaft
mit beiden; der Vater brachte es zu einer besonderen Vertrauensstellung
bei Caesar, der der Julia Augusta Qaditana 49 vor Chr. das römische Bürgerrecht
 verlieh, der Sohn sogar zu einem Triumph. Zur Zeit des Augustus
zählte die Stadt 500 Ritter (equites), die größte Zahl nach Rom und Padua.
Ihre Küche war so berühmt wie ihre Tänzerinnen („improbae Gaditanae“),
und Martial und Juvenal sprechen von den „jocosae (4ades“ als einer Stadt
der Venus, Der Kenner der Ländwirtschaft und Dichter Cohumella, sowie
andere Dichter und Schriftsteller des ı. Jahrhunderts nach Chr. waren aus
Gades gebürtig, Der Handel behielt seine Bedeutung das ganze Altertum
hindurch. Gewaltig war die Ausfuhr der reichen Erzeugnisse des Baetislandes;
 die Fische und Pökelwaren von Gades hatten im ıv. Jahrh. vor Chr.
in Athen denselben Ruf wie noch im ır. Jahrh. nach Chr, in Rom.‘ Doch
sind. von der antiken Stadt bis auf einige Stücke von Hafenbauten keine
erkennbaren Reste erhalten, ebenso wenig von den prächtigen Gärten und
Villen, die wie nöch heute auf dem Festland zwischen der Lagune von
Puerto Real und der Guadaletemündung lagen.
Im Mittelalter verschwindet die Stadt, die Dscheziral-Kädis der Araber,
fast ganz, Als Alfons der Weise sie eroberte (14. Sept. 1262), mußte er sie
neu bevölkern. Eine neue Zeit brach an mit der Entdeckung Amerikas, als
die Silberflotten hier ankerten, Den Angriffen der Barbaresken trotztr
Cädiz, besonders 1553 und 1574, Der Engländer Drake plünderte den Hafee
[587. Den größten Schlag erhielt Cädiz jedoch 1596 durch Zord Essex,
der 13 spanische Kriegsschiffe und 40 große amerikanische Gallionen zerstörte
 und die Stadt so vollkommen ausplünderte, daß ein allgemeinen