426 Route 54. GIBRALTAR.

Lage.

von Algeciras im O. abschließt und an der Südspitze 20,3skm von
der afrikanischen Küste entfernt ist (vgl. S. 429/430). Die Meerenge
oder Straße von Gibraltar, das Fretum Gaditanum oder Hereuleum
der Alten, hat hier eine Tiefe von 800-1000m. Eine westöstliche
obere Strömung von 4,3-8,,km Stärke in der Stunde und eine entgegengesetzte
 (ostwestliche) Strömung in den tieferen, salzhaltigen
Schichten bewirken einen Wasseraustausch zwischen dem Ozean und
dem Mittelmeere. Die wechselnden, bald östlichen, bald westlichen
Winde bereiten der Segelschiffahrt Schwierigkeiten. Unter den S,-und
 SW.-Winden leidet auch der Hafen von Gibraltar, zu dessen
Schutz Steindämme ins Meer erbaut sind.
Der Felsen von Gibraltar besteht aus Jurakalk, der auf silurischen
Sehiefern ruht. Er erstreckt sich von N. nach S. in einer Länge von
4km und einer Breite bis zu 1,3km; ein Sattel scheidet ihn in einen
niedrigeren Nordgipfel, den Mt, Rockgun (413m), und den höheren
Sidgipfel mit der Signalstation, dem Highest Point (425m) und dem
Sugar Loaf Hill (O’Hard's Tower, 415m). Seine graue Masse dacht
sich nach S. und W. terrassenförmig ab, während die Ost- und Nordseite
 fast senkrecht abstürzen. Die oberen Abhänge sind mit Kaktus
bewachsen; die Affen, die hier hausten, sind seit 1906 ausgestorben.
Die Stadt Gibraltar („North Town“) bedeckt nur das nördl.
Drittel des Westabhanges, während die beiden südl. Drittel von den
Anlagen der Alameda, den hübschen Landhäusern und den Kasernen
üer Vorstadt South Town und dem Leuchtturm auf Europa Point
eingenommen sind. Die Häuser, grau und farblos, wie der Felsen
selbst, steigen in Terrassen bis zu 80m am Bergabhang empor, die
Straßen sind eng und dunkel, nur durch wenige Plätze unterbrochen,
Die einheimische Bevölkerung besteht fast ganz aus Spaniern und
Mischlingen der verschiedenartigsten Volkselemente aus allen Teilen
des Mittelmeergebiets. Die zahlreichen Marokkaner, meist Händler
aus Tanger, deuten auf die Nähe Afrikas. Angenehm fällt dem aus
Spanien kommenden Reisenden die Reinlichkeit und die geringe
Zahl der Bettler auf. Die Kohlenniederlagen am South Mole versorgen
 neben Algier und Malta die direkt zum Sueskanal fahrenden
Schiffe (jährlich etwa 1200). Im übrigen beschränkt sich der Handel
auf die Einfuhr von Vieh und Lebensmitteln aus Galicien und
Marokko. Die artesischen Brunnen liefern brackiges Wasser, Als
Trinkwasser dient das Regenwasser der Zisternen.
Am angenehmsten ist der Aufenthalt von November bis Mai,
obschon der Ostwind oft dickes Gewölk und der Nordwind bisweilen
eisige Luft von den Schneefeldern der Serranfa de Ronda herbeiführt,
Im Sommer strahlt der kahle, von der Sonnenglut förmlich versengte
 Felsen eine unerträgliche Hitze aus; die Einwohner flüchten
dann nach Algeciras (8. 423), nach dem hochgelegenen San Roque
(S. 423) oder nach Ronda (S. 420).
Im Altertum hatte der Felsen den
ayufder afrikanischen Seite Abyla hieß

Namen Kalpe, während das Gebirge
(die heutige Sierra Bullones, S. 429).