Geschichte. GIBRALTAR. 54. Route. 427

Beide zusammen galten als die „Säulen des Herkules“, d, h. als Einfahrt
zum Ozean. Unter dem Schutz des göttlichen Herkules-Melkarth wagten
sich die Phöniker zwischen den Säulen hindurch bis nach dem fernen
Britannien und brachten mit der frühesten Kunde vom Norden und seinen
langen Winternächten den Völkern des Mittelmeers das Zinn, durch dessen
Vermischung mit Kupfer die Bronze hergestellt wird. Kalpe war auch
der Name der ersten phönikischen Pflanzstadt an der Bucht von Gibraltar,
während Carteia am innern Bogen der Bucht (S. 423) als altiberische Niederlassung
 anzusehen ist. Carteia war noch unter den Karthagern ein wichtiger
 Hafenplatz und erhielt 4174 vor Chr. die erste römische Kolonie der
Halbinsel. Mit dem Einbruch der Vandalen verschwindet hier jede geschichtliche
 Kunde. Erst im J. 711 tritt die Bucht wieder hervor, als der
von Mäsa, dem Statthalter des Kalifen von Damaskus, zu einem Streifzuge
nach Spanien abgesandte Berber Tärik ibn Zijdd von Ceuta aus hier unweit
des heutigen Algeciras landete und auf dem günstig gelegenen Felsen eine
Festung errichtete, die Anfänge des maurischen Kastells (S. 428). Von
diesem Heerführer, dem Besieger der Westgoten, rührt der moderne, später
in Gibraltar verkürzte Name Dschebel Tärik („Tarikberg“) her, Die Festungswerke
 wurden 4160 von dem Almohadenherrscher “Abdelmdmin (8. 357)
verstärkt. Im J. 1809 eroberte AZ, Pirez de Guzmdn (el Bueno) den Ort für
Ferdinand IV. von Kastilien; doch fiel er 1333 wieder in die Hände der
Marokkaner, die ihn erst 1462 am St. Bernhardstage, dem 20. Angust, endgültig
 an die Kastilianer unter Guzmdn, Herzog von Medina Sidonia, ver-Toren,
 Diese Herzöge erhielten die Festung nebst dem Campo de Gibraltar
 (S. 423) 1465 als Lehnsgut, mußten sie aber 1502 an die Krone von
Kastilien abtreten, Infolge der Plünderung Gibraltars durch algerische
Sgeräuber unter Khaireddin („Barbarossa“) im J. 1540 ließ Karl V. die
Festungswerke durch den Straßburger Speckel umbauen und 1552 durch den
mailändischen Ingenieur Giov. Bat, Cahi neue Verteidigungsanlagen von
der Südseite der Stadt bis zum Kamme des Felseus errichten. Im J. 1610
führte der spanische Admiral Don Juan de Mendoza die Moriscos (S. 273)
hier aus demselben Hafen nach Marokko zurück, von welchem aus einst
ihre Vorfahren den Siegeslauf durch die Halbinsel begonnen hatten. Folgenschwerer
 als die zehn Belagerungen der älteren Zeit war die Überrumpelung
der Festung während des spanischen Erbfolgekrieges 1704 durch die Engländer
 unter Admiral George Rooke und dem Prinzen Georg von Hessen-Darmstadt,
 die sich dann gegen die Spanier und Franz0sen irotz sechsmonatiger
BeschieBung (1704-5) im Besitz behaupteten. Ein großer Teil der spanischen
Bevölkerung verließ die Stadt (S. 424, 423). Einwanderer aus aller Herren
Ländern, auch viele Juden, traten an ihre Stelle. Wie 1715 im Frieden
von Utrecht, mußte Spanien auch nach der erfolglosen dreizehnten Belagerung
 (4727) im Frieden von Sevilla (1729) auf Gibraltar verzichten. Auch
die letzte „große Belagerung“ durch Franzosen und Spanier 1779-83, bei der
1782 die von dem Franzosen d’Arcon erfundenen „unverbrennbaren und unversenkbaren“
 schwimmenden Batterien von den englischen Geschützen zerstört
 wurden, hatte das gleiche Ergebnis, und England blieb seit dem Frieden
von Versailles (1783) bis zur Gegenwartim unangefochtenen Besitze des Felsens.
Zu den älteren Festungswerken am Meeresufer , vom Landtor im
N. bis zum Europa Point im S., am Südabhange des Felsens oberhalb Europa
 Point und an der Nordseite sind zu Anfang unseres Jahrhunderts noch
Befestigungen des Gipfels mit Geschütszen größten Kalibers gekommen. Die
berühmten unterirdischen. Festungsgalerien, die während der „großen Belagerung“
 (S. oben) im J. 1782 in der Nordwand des Felsens angelegt
enden. sind Touristen nicht mehr zugänglich.

Vom Old Mole, dem schon 1809 errichteten, in den letzten Jahren
durch den North Mole verlängerten nördl. Hafendamm, gelangt man
durch das äußere Hafentor (Old Mole Gate) und am Markt (Market)
vorbei durch das innere Waterport Gate, welches die Stelle der maurischen
 Werft einnimmt, südöstl. auf den Kasemattenplatz
(Casemates Square).