432 Route 55.

TANGER.,

Geschichte,

sind unbefahrbar; als Lasttiere, denen man bei dem Ruf „bälek“
(Vorsicht) rasch ausweiche, dienen Esel. Am lebhaftesten ist der
Verkehr am Hafen, wo u. a, das für Gibraltar und Cguta bestimmte
Vieh verladen wird, und morgens auf den drei Märkten,
Unter den Winden überwiegen die ozeanischen Luftströmungen,
welche in der kühleren Jahreszeit häufig Niederschläge bringen
(Jahresdurchschnitt 910mm) und im Sommer die Sonnenglut mildern,
In der Geschichte tritt Tingis, obwohl schon phönikische Niederlassung,
 erst unter den Römern hervor, Kaiser Augustus gab ihr das
römische Bürgerrecht, Kaiser Claudius machte sie zur römischen Kolonie,
Seit dem Anfang des u. Jahrhunderts bildete das Gebiet von Tingis einen
Teil der hispanischen „Provincia ulterior“ und erscheint späler als Provincia
 Mauretania Tingiana. In christlicher Zeit teilte die Stadt die Ge-Schicke
 Südspaniens und gehörte nacheinander den Vandalen, Oströmern
und Westgoten, bis sie 682 in die Hände des Arabers Sidi Okba fiel und
nach längern Kämpfen gegen das Kalifat von Damaskus mit diesem vereint
wurde als Hauptstadt des Maghreb al-Aksd, d. bh. des „äußersten Westlandes“,
unter dem Statthalter Müsa (S. 427). Doch schon 741 riß sich das Land von
Damaskus los, um fortan die Maurenstaaten Spaniens bald zu bekämpfen,
bald gegen die spanischen Christen zu unterstützen. Im J, 1471 gelangte
Tanger auf fast zweihundert Jahre in den Besitz der Portugiesen, und 1662
kam es als Brautschatz der Infantin Katharina von Braganza, Gemahlin
Karls II., in die Hände der Engländer, welche jedoch 1664 am Judenfluß
im Bubanatal (S. 434) durch die Marokkaner eine schwere Niederlage erlitten
 und 1684 wieder abzogen, nachdem sie die Festungswerke geschleift
und den alten Hafendamm zerstört hatten. Seitdem blieb die Stadt marokkanisch;
 ihre jetzigen, mit altertümlichen Geschützen ausgestatteten Hafenbefestigungen
 sind von englischen Ingenieuren erbaut, die Stadtmauer
stammt z. T. noch aus der Portugiesenzeit, — Das Sultanat Marokko, von
der Meerenge von Gibraltar im N. bis zur Sahara im S., vom Atlantischen
Ozean im W. bis zum französischen Algerien im O., hat eine Ausdehnung
von 700000qgkm (Deutschland 540657), mit 8 Mill. Einwohnern. Seit 1912
steht es unter französischer Schutzherrschaft, mit Ausnahme der spanischen
Besitzungen und des internationalen Tanger, Der Sultan (Mular Hafıd.
Seit 1908) residiert in Fös oder in Marräkesch,
Von dem: 1907 von der deutschen Firma Holzmann &amp; Co. erbauten
 Hafendamm (Muelle Nuevo, Pl, E 1; Zutritt 25 06.) wendet
man sich, an dem neuen Leichterhafen und dem Zollspeicher
(Almacen) vorbei, s,w. durch das von zwei Batterien verteidigte
Hafentor (Bab eli-Marsä; Pl. D 2) in die Hauptstraße, welche
im Bogen am Hügelabhange zum Außenmarkt hinaufsteigt, Bei
der Großen Moschee (Yämas el-quebir; Pl, D 2), mit hübschem Tor
und hohem Turm, vorüber erreicht man den Innenmarkt oder
Kleinen Socco (Sok ed-däjel, Pl. D 2; arab. sükh, Markt), den
Mittelpunkt des Verkehrs, mit den S. 430 gen. Postämtern. —- Oberhalb
 liegen 1. die Spanisch-katholische Kirche (Iglesia espafiol; Pl, C 3)
und das marokkanische Regierungsgebäude (Dar en-Niaba).
Die Straße mündet auf den Hufschmiedeplatz (Los Herradores;
P1.8: C 3); daneben links, zugleich durch ein Tor mit dem Außenmarkte
 verbunden, der Fleisch- und Gemüsemarkt (Plaza de Abastos;
Pl. C 3). — Vom Hufschmiedeplatz erreicht man r. durch ein Tor
den Verbindungsmarkt (Mercado; Pl. C 2, 3), mit Budenreihen an
beiden Langseiten und einer Karawanserai (Fondak). Durch das