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PORTUGAL. Geschichte,

Die eigenartigste, in Lissabon und Porto noch in der Gegenwart
blühende Kunstindustrie des Landes, ein Erbteil aus der Maurenzeit, ist
die Fabrikation von Tonfliesen (Azulejos; 5. XXXvi{), mit denen man die
Außen- und Innenwände der Häuser und Kirchen auszuschmücken pflegt. Ursprünglich
 in den bandartigen Mustern der in Granada und Sevilla üblichen
Dekorationsweise ähnlich, entwickelte sich die Technik im xvı. Jahrhundert
 zu freieren Renaissanceformen, bis man endlich im xv]i, und XVHIL.
Jahrhundert zur Herstellung ganzer Wandgemälde überging.

III. Geschichtlicher Abriß. .
Im Altertum gehörte das Land bis an den Douro zu der Provinz
Lusitania. Die Völkerwanderung führte die germanischen Stämme
der Vandalen, Alanen, Sueven, Westgoten herbei. Im vım Jahrhundert
 drangen die Mauren ein. Um die Mitte des xı. Jahrhunderts
 eroberte Ferdinand I, von Kastilien den Norden des Landes,
Sein Nachfolger übergab 1095 die „Grafschaft Portucalia“ (vgl. S, 531)
als erbliches Lehen dem zum Kampf gegen die Mauren herbeigeeilten
 Grafen Heinrich von Burgund (7 1112). Heinrichs Sohn Alfons ZI.
(bei den Portugiesen Affonso Henriques) nahm 1139 den Königstitel
 an. Begründer der Größe Portugals war der König Dionys (Diniz;
1279-1325). Im J. 1383 starb der Mannsstamm dieses Hauses
aus. Um den Rückfall an Kastilien zu verhindern, erwählten die
Stände einen natürlichen Sohn Pedros I. (1357-67), des vorletzten
Herrschers, den Großmeister des Ritterordens von Aviz, als Johann TI.
zum Könige (1383-1433). Mit ihm beginnt das Heldenzeitalter der
portugiesischen Geschichte, Nach glücklichen Kämpfen gegen Kastilien
 und gegen die Mauren erweckte der Infant Heinrich der Seefahrer
 (S. 511 u. 514) den Eifer für Entdeckungsreisen. 1420 wurde
Madeira besetzt, später die Küste von Guinea entdeckt; 1486 erreichte
 Bartholomeu Diaz die Südspitze Afrikas, das „Kap der guten
Hoffnung“; 1498 fand Vasco da Gama den Seeweg nach Indien; um
1500 nahm Pedro Alvares Cabral Brasilien in Besitz; um 1510 machte
Affonso de Albuquerque wichtige Eroberungen in Vorder- und Hinterindien.
 Die Regierungszeit EZmanuels I., „des Großen“ (1495-1521),
bezeichnet die Höhe der portugiesischen Macht und zeitigte zugleich
 die eigenartige Entfaltung der nationalen Baukunst im sog.
Emanuelstil (S. 483), den um 15830 die Renaissance ablöste.
Als 1580 auch die unecht burgundische Linie mit dem greisen
Kardinal Heinrich ausstarb, fiel das Land wieder an Spanien (als
portugiesische Könige zählen die spanischen Philippe eine Nummer
weniger) und hatte mit diesem die Folgen des unglücklichen
Kampfes gegen die Niederländer zu tragen, bis das Volk 1640 den
Herzog von Bragangca (vgl. S. 540) als Johann IV, auf den Thron
erhob. Dem neuen königshause gelang es zwar, die Selbständigkeit
gegen Spanien zu behaupten, aber die alte Größe war dahin, Unter
der verschwenderischen Regierung Johanns V, (1706-50) verarmte
das Land trotz der Gold- und Diamantgruben Brasiliens; Handelsverträge
 brachten es in eine erdrückende Abhängigkeit von England,
Die Bestrebungen Pombals, Ministers Josephs I. (1760-77; S, 467),