166 Route 60.

LISSABON.

Lage.

malerischen Gliederung ihrer Bergterrassen, mit dem Blick auf die
Tejobucht und dem üppigen Pflanzenwuchs ihrer öffentlichen Anlagen,
 ein ganz eigenartiges Bild darbietet.
Die Stadt breitet sich zum größten Teile über die etwa 100m
hohen Hügelvorsprünge aus, die den Südabhang des kalkigen
und basaltischen Plateaus von Estremadura bilden. Die Straßen sind
deshalb vielfach recht steil (vgl. 8, 460), und Aufzüge und Drahtseilbahnen
 (S, 461/2) überwinden z. T, die Niveauunterschiede, Die Altstadt,
 Lisboa Oriental, mit dürftigen Überresten aus der Maurenzeit,
 schmiegt sich um den Burghügel / Collina do Castello) im O0, und
erstreckt sich jetzt n.ö. über die aus den Höhen von Sao Vicente, N,S,
da Graga und N. 8. da Penha da Frangca gebildete Hügelgruppe.
Die „Tiefe“ zwischen Alt- und Neustadt nimmt die seit dem Erdbeben
 von 1755 neu erstandene Cidade Baixa oder Central ein,
Lisboa Occide ntal, das eigentliche moderne Lissabon, umfaßt
im W. die Hügel von N, 8. das Chagas, Sao Roque und Santa Cathatina,
 sowie jenseit des durch die Rua de Szo Bento bezeichneten
Einschnitts den Doppelrücken von Buenos A yres. Seit 1885 ge:
hören auch die westlichen Vororte Alcantara, Junqueira und Belem
mit Pedrougos, jenseit des Alcantarabaches, zur Stadt, Östlich reicht
sie bis zum Chellasbache, der bei der Cruz da Pedra mündet. Im
übrigen wird sie von der 8,5km langen Estrada da Cireumvallacäo
umschlossen (vgl. Pl. K 12, 1,B A 1-3). Am dichtesten bewohnt
sind die Stadtteile am Tejo und die angrenzenden Hügel. Weiter
landeinwärts verläuft die Stadt in langen, von Häusern und Gärten
eingefaßten Straßenfäden auf dem Plateau von Estremadura, — Zu
den Befestigungen an der Tejomündung (S. 488) sind in neuerer
Zeit eine zweite ca, 40km lange Circumvallationsstraße mit den
Forts Oarias, Monsanto, Ameitoeira und Sacavem und eini ge Werke
an den Höhen von Cintra und Alverca gekommen,
Lissabon ist eine der geräuschvollsten Städte. Das Kopfsteinpflaster
 erhöht den Lärm des Wagenverkehrs; dazu kommt das Ge-3chrei
 der zahlreichen Straßenhändler. Charakteristisch für die
Häuser sind die farbigen Ziegeldächer, Zwei Wasserleitungen
(8. 472, 478) versorgen die Stadt mit Trinkwasser und speisen unzählige
 Brunnen (chafarizes), — Am Tejo hin erstrecken sich großartige
 Kai- und Dockanlagen, die seit 1887 ausgeführt und nach
einem Einsturz 1891-1905 erneut worden sind. Die Zahl der den
Hafen besuchenden Schiffe beläuft sich auf ca. 3000 jährlich, davon
stwa 900 unter englischer, über 700 unter deutscher Flagge. Die
portugiesischen Schiffe vermitteln vorzugsweise den Verkehr mit den
afrikanischen Kolonien des Landes und mit Südamerika, Zur Ausfuhr
kommen hauptsächlich Kork, Wein, Olivenöl, Südfrüchte, Fische,
zur Einfuhr Kohlen, Holz, Weizen, Reis, Industrieerzeugnisse.
Im Altertum hatte die Stadt den Namen Ulisipo oder Olisipo, den geiehrie
 griechische Reisende fälschlich mit der griechischen Schiffersage
(Odysseus, Ulisses) in Verbindung gebracht haben. Unter den Römern
bildete sie als Felicitas Julia ein Municipium. Sie nahm, dank ihrem vor-