470 Route 60. LISSABON. &amp;. Cidade Baiza

der Rua da Santa Justa, S. 462 no 1), mit einem Brunnen, An
der Ostseite des Platzes stehen auf ungeheuren Unterbauten , die
während des Baues unter der Chornische zweimal zusammenbrachen,
die Ruinen der Kirche Nossa Senhora do Venecimento oder
*Igreja do Carmo (PL. F 4), jetzt Archäologisches Museum. Der
Bau wurde infolge eines bei Aljubarrota (S. 508) getanen Gelübdes
1389-1428 von Nuno Alvares Pereira im gotischen Stil errichtet und
der Jungfrau vom Berge Karmel geweiht, aber durch das Erdbeben
von 1755 bis auf die Außenwände, die schönen Pfeiler und die
Chornische zerstört. Das zugehörige Kloster dient als Kaserne.
Das Museum (Eintr. 8, 5, 465) ist recht malerisch in der Kirchenruine
untergebracht, aber von geringer Bedeutung, Es enthält eine ziemlich
bunte Sammlung von Architekturf ragmenten, Gipsnachbildungen, exotischen
Kuriositäten u. dgl,
Auf der Südseite der Garrettstraße (8. 469) führt die Rua Ivens
zum Largo da Biblioth eca Publica (PL F4,5). An der Ostseite
 dieses Platzes ist in einem früheren Franziskanerkloster unten
die Academia das Bellas Artes (1836 gegründet, seit 1881 mit Kunstschule)
 untergebracht, in den oberen Stockwerken die
BIBLIOTHECA NACIONAL DE Lı8B0A, 1796 gegründet, jetzt 400 000
Dricke, 16000 Handschriften und 40000 Münzen und Medaillen
umfassend. Eintritt s. S. 464; Besichtigung nach Anfrage, am
besten wochentags 11-3 Uhr.
Unter Glas ausgestellt an Hand Schriften: eine hebräische Bibel in
Folio von 1299 und anderes aus dem xı17. Jahrh. ; — von seltenen Druckwerken:
 der erste Mainzer Druck von Gutenbergs Bibel; die Litterae ad
familiares von Cicero, gedruckt in Venedig 1469; eine Vita Christi, gedruckt
in Lissabon 1495; die erste Ausgabe von Camöes’ Lusiaden, 1572; zahlreiche
Elzevierdrucke usw.
In dem nordwestl; Teile des Franziskanerklosters befindet sich
das Governo Civil (Pl. FA; Polizei); gegenüber am Largo S&amp;0 Carlos
das S. 464 gen. Theatro de S&amp; Carlos und in der nahen Rua Antonio
Maria Cardoso das Theatro da Repüblica,
Von Largo das Duas Egrejas (3. 469) betritt man westl. die
baumbepflanzte Pracga de Luiz de Camöes (Pl. E 4), so genannt
 nach dem berühmtesten Dichter Portugals, Luiz de Camöes,
dessen Denkmal, von Victor Bastos (1867), den Platz schmückt.
Die Bronzefigur des Sängers und Helden steht auf einem achteckigen,
marmorartigen Syckel, in der Rechten das gezogene Schwert, in der Linken
die „Lusiaden“, die große epische Verherrlichung portugiesischen Heldentums
 und des Landes, Zuiz Vaz de Cambes (spr. kamöängsch) wurde 1524
in Lissabon oder Coimbra (8. 520) geboren, studierte in Coimbra, ging
wegen einer leidenschaftlichen Liebe nach Afrika, 1553 nach Indien und
kehrte erst 1570 nach Lissabon zurück, wo er 1572 die Lusiaden herausgab
und 1580 in Armut starb. Wie Cervantes die linke Hand in der Schlacht
bei L6panto, so verlor Camöes sein rechtes Auge in den afrikanischen
Kämpfen. Diesen Fehler verbirgt auch die Statue nicht. — Den Sockel
des Standbildes umgeben acht Statuen berühmter Portugiesen, welche die
Entdeckungen ihres Volkes beschrieben oder besungen haben: Fernäo Lopes,
Geschichtschreiber, Pedro Nunes, Kosmograph, @omes Eannes d’Azurara,
Jodo de Barros und Fernäo Zopes de Castanheda Chronisten; ferner die
Dichter Vasco Mousinho de Quevedo, Jeronymo Corte Real und Francisco dt
Sü de Menezes.