502 Route 64. MAFRA. Von Lissabon

3310, 2570, 1830 rs. — Besucher von Alcobaga und Batalha (R. 65) übernachten
 zweckmäßig in Culdas da Rainha und fahren mit dem Frühzug
weiter nach Vallado. In Caldas da Rainha ist auch das einzige ordentliche
 Bahnrestaurant.
Bis (21km) Cacem s, S. 489, — Unsere Bahn wendet sich nördlich,
 I. mehrfach Blicke auf das Castello da Pena (S. 492). —
20km Sabugo. — Einförmige Hochebene, dann an dem Farellobache
 aufwärts.
37km Mafra: vom Bahnhof schattenlose Landstraße nach dem
dkm n.w. gelegenen Städtchen (Diligence in 4 St., für 200 re.,
kaum zu benutzen).
Mafra (235m; Gasth.: H. Castro, P, m. W. 1200 rs,, dürftig)
ist berühmt wegen seines KLosTERS, das den mönchischen Neigungen
Johanns V. seine Gründung verdankt. Für den Fall der Geburt
eines Thronerben hatte der König „an der Stelle des ärmsten portugiesischen
 Klosters“ einen prachtvollen Neubau zu errichten gelobt.
1715 erblickte ein Prinz (nachmals König Joseph I.) das Licht der
Welt. Zwei Jahre später wurde der Grandstein gelegt (das Datum,
17, Nov. 1717, wurde nur wegen der dreifachen Wiederholung der
Zahl 17 gewählt). Bis zur Vollendung des Gebäudes (1730) sollen
täglich an 14700, zeitweise sogar 45000 Arbeiter beschäftigt gewesen
 sein, Baumeister waren der Regensburger Johann Friedrich
Ludwig, angeblich ein ehemaliger Goldschmied, und sein Sohn
Johann Peter, Die Kosten, die auf 54 Millionen Cruzados (84 Mill.
Mark) berechnet werden, richteten Portugal zugrunde,
Das Kloster, im O. des Städtehens, besteht, wie der Escorial
(S. 106), aus Kirche, Kloster und Palast; dazu tritt hier noch
eine Kaserne (jetzt Kriegsschule zur praktischen Ausbildung angehender
 Infanterieoffiziere). Die vierstöckige Gebäudemasse
bildet ein Rechteck von 251m Länge und 221m Breite. Man zählt
im ganzen 2500 Fenster, 5200 Türen, 9 Höfe, Imposant ist die
Westfassade, in der Mitte die Kirche, an den Ecken zwei wuchtige
Pavillons, Die Kirche, mit zwei ca, 68m h. Türmen zu beiden Seiten
ler Front und einer Knppel über der Vierung, ist außen und. innen
mit Marmorstatuen, größtenteils von dem Italiener Giusti, geschmückt,
 das Innere außerdem mit kostbarem portugiesischen
Marmor, sechs reich vergoldeten Orgeln usw. Die GHockenspiele in
Jen Türmen sind von dem Antwerpener Levache. Im 8. liegt die
Residencia da Rainha, im N. die Residencia do Rei, beide verwahrlost;
im O. hinter dem Chor der Kirche das Kloster mit seinen 300 Zellen.
Wie der Escorial den Geist Philipps II. verkörpert, so stellt Mafra
das nüchterne charakterlose Bild des Portugal des xvımr. Jahrhun-Jerts
 dar.

Landstraßen führen von Mafra s,w. nach Ointra (20km; 3. S. 494), von
wo der wenig lohnende Ausflug vielleicht am besten ausgeführt wird; n,w.
ach (10km) Ericeira, einem Fischerdorf mit vortrefflichen Seebädern, wo
ich die flüchtige königliche Familie am 6. Okt, 1910 auf ihrer Jacht nach
4ibraltar einschiffte (vgl. S. 481): nördl. nach Torres Vedras {S.. 502).