514 Route 66. THOMAR. Von Lissabon

Nach der Aufhebung des Tempelordens (1314) gründete König Dionya
den Christusritterorden (Ordem de cavallaria de Nosse Senhor Jesus
Christo) „zur Verteidigung des Glaubens, zur Bekämpfung der Mauren und
zur Vergrößerung der portugiesischen Monarchie“ und bestimmte die Burg
Castro Marim (S. 501) an der Guadianamündung zum Ordenssitz; doch schon
1334 (1356?) wurde dieser nach Thomar zurückverlegt, Die Glanzzeit des
Ordens begann unter Dom Henrique, Herzog von Vizeu, dem berühmten
Heinrich dem Seefahrer (Großmeister 1418-60). Von der neu gegründeten Stadt
Sagres am Heiligen Vorgebirge (S. 500) sandte der Infant aus den Mitteln des
Ordens Geschwader zu Entdeckungsfahrten und a an die Westküste
 Afrikas und leitete damit die Kolonialbewegung der europäischen
Völker ein. Noch auf Heinrichs Veranlassung erhielten die Christusritter
1454 von Alfons V. die geistliche Gerichtsbarkeit in allen eroberten Ländern;
unter König Emanuel, der als Herzog von Vizeu seit 1484 die Großmeisterwürde
 inne hatte, bildeten sie mit ihren ungeheuren Besitzungen in Afrika
und Ostindien den reichsten Orden der Christenheit, Ihrer für Portugal
sehr aegensreichen Tätigkeit machte der frömmelnde Johann III, ein Ende,
indem er 1523 den Ritierorden in einen Mönchsorden umwandelte und
1551 das Großmeisteramt der drei portugiesischen Orden von Thomar,
Crato (S. 456) und Aviz (vgl. S. 454) für immer auf den König übertrug.
In der spanischen Zeit sank der Chriatusorden vollends zu einem gefügigen
Werkzeuge der fremden Herrscher herab.
Auf der hübschen Praga de D, Manuel die um 1490 erbaute Kirche
SAo Joio BaArtıstA, mit zierlichem Portal im Emanuelstil (S. 483)
und einem Turm, der in einer achteckigen Spitze mit der Armillarsphäre
 König Emanuels (S. 511) endigt, Im Innern der Kirche ein
altes Taufbecken, eine spätgotische achteckige Kanzel, und in der
Uapella-mör acht gute, jedoch stark beschädigte Bilder von Velasco
Fernandez (S. 480) und von einem Schüler des Quinten Matsys
‘Simon ?). — In nördlicher Richtung durch die Rua direita da Varzea
Pequena, am Post- und Telegraphenamt vorbei, zum Largo Hintze
Ribeiro und Jardim da Varzea Pequena. Daselbst die achteckige,
jetzt geschlossene Kapelle Säo Gregorio, von der man auf 266 Stufen
zu der 1613 erbauten Ermida Nossa Senhora da Piedade, einer aussichtreichen
 Wallfahrtskapelle, hinaufsteigen mag,
Von Säo Jo&amp;o Baptista geht man nach der alten Brücke über den
Nabäo, dann an der Capella Santa Iria vorbei r. durch einen Torbogen
 und über den Friedhof hinab zu der Kirche SANTA MARIA DOS
OLIvALES, der ehemaligen Templerkirche, die, mit Ausnahme der
Westfassade und des abgesonderten Turmes um 1450 im gotischen
Stil erneut, bis zur Zeit Johanns III. als Sitz der großen Ordenskapitel
 und Gruft hervorragender Christusritter diente und Mutter
aller Ordenskirchen in den Kolonien war. Im Innern zu beachten:
die zierliche Kanzel, in der Capella-mör das Grabmal des Bischofs
Diogo Pinheiro (7 1525), beide im Renaissancestil; außerdem zahlreiche
 Grabsteine des xV.-xyıL, J ahrh., sowie in der zweiten Seitenkapelle
 r. ein neuer Gedenkstein für Qualdim Paes (S. 513).
Die kurz vor dem Friedhof r, abzweigende Fahrstraße führt nach
ca. 2km zu Ausgrabungen, die einige Reste des römischen Nabantig zutage
zefördert haben,
Von der Praca de Don Manuel (s. Oben) führt der kürzeste, aber
steile und schlecht gepflasterte Weg zur Burg hinauf. Bequemer ist
ler Aufstieg vom Largo Hintze Ribeiro, an der zierlichen Renais-