534 Route 69. PORTO. a. Westliche Stadtteile.

Wir folgen vom Largo de Säo Domingos (Pl.D 4) 8.0.
abwärts der stattlichen, 1765 über dem Bett des Rio da Villa erbauten
 Rua de Säo Joäo (Pl. E 4), einer Hauptgeschäftsstraße
Portos, die den Verkehr zwischen der Ribeira (dem „Ufer“) und
der oberen Stadt vermittelt,
Bald öffnet sich r. die Rua do Infante Dom Henrique
(Pl. E D 4,5), die Straße der Bankiers und Großhändler, Die oberen
Stockwerke der Häuser ruhen oft auf gewaltigen Granitkonsolen.
Gleich das erste Haus r. ist das English Factory House (Associagac
Britannica), ein mächtiger, 1785 von William Whitehead errichteter
Bau, mit Ballsaal, Bibliothek u, a. — Im westl. Teil dieser Straße
liegt auf einer kleinen Höhe die Kirche
Sä0 Francisco (Pl. D 4; Eingang auf der Westseite), eine dreischiffige
 gotische Basilika, 1383-1410 erbaut, mit großer Fensterrose,
 im Innern sehenswert wegen der prachtvoll vergoldeten
Holzdekoration aus dem xvzı.-xvIm. Jahrhundert und wegen des
zierlichen Renaissancegrabes des Francisco Brandäo Pereira (+1528).
Nebenan die Börse (Bolsa), 1842 an Stelle des abgebrannten Franziskanerklosters
 erbaut, mit kühner Glaskonstruktion über dem
gedeckten Hofe, schönem Treppenhaus und einem prunkvollen Fest-Saal
 maurischen Stils, — Auf dem freien Platz östl. vor der Börse
wurde 1900 ein Denkmal für Heinrich den Seefahrer (S. 511) aufgestellt,
 ein Werk des Bildhauers Thom, Costa aus Porto: oben das
Standbild des mit der Rechten nach der Mündung des Douro und
dem Meere hinweisenden Infanten; an dem weißen Kalksteinsockel
allegorische Figuren der Seefahrt und des Glaubens; die Reliefs
stellen die Eroberung von Ceuta und den Infanten auf Cap Sagres
(S. 500) dar. .
In der Vorstadt Miragaya, unweit west]. der Franziskanerkirche, liegen
die alte, im xvırn Jahrhundert erneute Kirche So Pedro (Pl. D 4), angeblich
 anf der Stelle der ältesten Kathedrale von Porto, und die durch einen
Schienenstrang mit dem Ostbahnhof verbundene Alfändega (PL. CD 4:
Zollamt, Geschäftsstunden 9-3 Uhr).
Man steigt nun durch die Rua de Säo Joäo oder von der Franziskanerkirche
 direkt s.ö, durch die Travessa de Säo Nicolau zum
Douro hinab. Auf der Praga da Ribeira (Pl. E 4, 5) und der
hoch an den Häusern entlanggeführten Rua Cima do Muro hat man
Gelegenheit zu Volksstudien. Mehr noch als das bunte Gewühl der
Hafenarbeiter und der Ochsenkarren mit schön geschnitzten Jochen
und als die altertümlichen Häuser mit den weit vorspringenden
GHiebeln fesselt der “Blick auf die großartige Ludwigsbrücke (S. 536),
in deren Eisenrahmen die Landschaft gleichsam eingefügt erscheint,
und auf die Eisenbahnbrücke (S. 518) im Hintergrunde,
Furchtbar ist die Gewalt des Douro zur Zeit der Winterregen im Januar
und Februar, wenn die „Avonidas“ oder „Cheias“ den Wasserstand plötzlich
 um viele Meter erhöhen, die Ribeira und Villa Nova überfluten und
bisweilen die Ankertaue -großer Seeschiffe zerreißen. An verschiedenen
Häusern der Praca da Ribeira ist der Wasserstand von 1823, 1860 und
1909 angegeben. Letzteres Hochwasser, das 700 Fahrzeuge, darunier mehrere
Uzeandampfer, vernichtete, blieb nur wenige Zentimeter unter der unteren