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        <title>Weltwirtschaftsleere und Weltwirtschaft</title>
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            <surname>Otto</surname>
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        ——

*
Wwierncaftsleere
und
Wellwirischaft

Von
Berthold Otto
Herausgeber der Halbmonaisschrift
Deutscher Volksseist

—
ẽ

Verlag des Hauslehrers, Verlin⸗Lichlerfelde
1928

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—8
—5
J
4

Wellwirlschaftzleere und Welswirhchafl
Ein sonderbarer Druckfehler in der ÄÜber—
schrift, nicht wahr? Oder sollte es keiner
sein? Sollte es vielleicht bedeuten, daß man
sich auf der ganzen riesigen Erdoberfläche,
die wir Erdmenschen so oft als „Welt“ zu
bezeichnen lieben, mühevoll suchend überall
umschauen könnte, ohne irgend eine Spur
wirklicher Weltwirtschaft, also einer Wirtschaft,
die die ganze Erdoberfläche umfaßt, zu ent—
decken?
Schränken wir zunächst einmal unsere For—
schungen etwas ein, gehen wir von der Erd—
oberfläche zum Stact, von der Welt zum
Volk zurück; finden wir da wirkliche Wirt—
schaft, oder gähnt uns auch da eine Volks—
wirtschafts lee re entgegen?

Suchen wir Vat bei der nationalökono—
mischen Wissenschaft. Adolf Wagner gibt
folgende Definition der Wirtschaft: sie sei „die
auf fortgesetzte Bedürfnisbefriedigung gerich—
tete, insofern planvolle, nach dem ökonomischen
Prinzip erfolgende Tätigkeit einer Person“.
Diese Person könnte Müller oder Schulze
sein, das ist gleichgültig; handelt es sich aber
um Volkswirtschaft, dann ist das Volk die
Person; statt der Bedürfnisse Müllers oder
Schulzens haben wir die des Volkes einzu—
setzen.
        <pb n="4" />
        2

Ist also die Volkswirtschaft „auf fortgesetzte
Befriedigung der Bedürfnisse des Volkes“ ge—
richtet? Nein! Das geht sie gar nichts an.
Wenn wir irgendwo eine Statistik des Volks—
einkommens lesen, so ist daraus in keiner
Weise zu ersehen, ob und inwieweit auch
nur die allernotwendigsten Bedürfnisse des
Volkes befriedigt sind, ob das Volk in all
seinen Gliedern ausreichend ernährt, vor den
Unbilden des Wetters geschützt und den Kul—
turbedürfnissen gemäß gekleidet ist. Wenn
also nicht einmal auf das Allernotwendigste
geachtet ist, dann kann keine Rede davon sein,
daß die Tätigkeit des Volkes „auf fortgesetzte
Bedürfnisbefriedigung gerichtet“ sei.
Das „Planvoll“ scheidet aber ohne Wei—
teres aus; denn mit nichts kann man unsere
Volkswirtschaftsherden rascher in Harnisch
bringen, als wenn man die Wöglichkeit einer
Planwirtschaft auch nur ahnen läßt. Damit
ist aber auch das ökonomische Prinzip aus—
geschaltet; denn wenn man sich kein wirt—
schaftliches Ziel setzt, so kann man auch nicht
feststellen, ob man es mit dem geringstmög—
lichen Kraftaufwand der Leistung erreicht hat.
Es ist also schon so: unsere vermeintliche
Volkswirtschaftslehre ist nur ein System von
Scheinbegriffen, das uns die wirklich vorhan—
dene gähnende Volkswirtschaftsleere ver—
schleiern soll!
AÄberlegen wir aber die Sache zunächst noch
einmal von der Welt und der Wenschheit her.
Glaubt irgend jemand, daß die Erdrinde, so⸗
weit wir bisher in sie eingedrungen sind,
nicht genug Vohstoffe enthält, um allen
Menschen das zu verschaffen, was zu einem
        <pb n="5" />
        — 3 —

ausreichenden Lebensunterhalt, ja sogar zu
einer gewissen Behaglichkeit gehört? Ich
glaube nicht, daß irgend jemand diese Frage
verneinen wird, sobald er nur den Mut findet,
sie sich wirklich zu stellen. Sagt er aber
„ja“, dann sind die Vohstoffe zu einer wirk—
lichen Weltwirtschaft, einer Tätigkeit, die auf
fortgesetzte Bedürfnisbefriedigung der Mensch—
heit in allen ihren Gliedern ausgeht, alfo
aller einzelnen Menschen, die es auf der Erde
gibt, unzweifelhaft vorhanden. Also um Roh—
stoffe brauchen wir schon jetzt nicht zu sorgen;
und dabei ist doch zweifellos, daß wir uns in
nicht langer Zeit die Stoffe unserer Erde noch
in ganz anderem Maße dienstbar machen
werden.
Außer den Rohstoffen gehört aber zur
Wirtschaft zunächst noch die Arbeitskraft.
Zweifelt jemand, daß die nahezu zwei Milli—
arden Wenschen, die jetzt auf der Erde leben
sollen, in sich hinreichend Arbeitskraft haben,
um aus den vorhandenen Rohstoffen das her—
zustellen, was zur Befriedigung der natur—
gemäßen, also vernünftigen Bedürfnisse, selbst
wenn man diese erheblich über den jetzigen
Durchschnitt hinaus für berechtigt erklären
wollte, vollauf genügen würde? Ich glaube
wiederum nicht, daß jemand, der sich diese
Frage ernstlich vorzulegen wagt, den Mut
zur Verneinungq auftreibt!t
Und nun frage ich weiter: wenn sowohl
Rohstoffe wie Arbeitskräfte in ausreichendem
Maße vorhanden sind, um alle vernünftigen
— und noch etliche andere — Bedürfnisse
aller Menschen zu befriedigen, wie ist es
denn überhaupt möglich, daß Not und Elend
        <pb n="6" />
        sich noch auf unserem Erdboden breit machen
kann?
Ja, das liegt denn doch wohl daran, daß
zur Wirtschaft außer Vohstoffen und Arbeits—
kräften noch ein Drittes gehört: die vernünftige
planvolle Leitung! Die fehlt allerdings
durchaus; und nur darum, weil sie fehlt, sind
Hunderte von Millionen Menschen zu Not
und Elend verurteilt, nur darum haben wir
keine Weltwirtschaft, können also auch keine
lehren, dürfen also auch nicht von Weltwirt—
schaftslehre, sondern nur von Weltwirt-—
schafts lee re reden. Quod erat demonstrandum.

Allerdings werden nun manche Leser mehr
abgeschreckt als ermutigt sein; sie werden das
Fehlen einer solchen Leitung für naturnot—
wendig, also ihre Herstellung und damit die
Herstellung der Weltwirtschaft als gänzlich un—
möglich betrachten. Ich bin da nun entgegen—
gesetzter Meinung und habe diese Meinung
in dem halben Jahrhundert, das ich bisher
der Betrachtung wirtschaftlicher Dinge wid—
men konnte, immer von Neuem bestätigt ge—
funden. Grade die schlimmsten Ausschreitun—
gen der Wirtschaft, die wir in diesen Zeiten
schaudernd mit erlebt haben, erscheinen mir
ähnlich den Krankheitserscheinungen am ein⸗
zelnen Menschen, die der Laie mit Sorge,
Angst, ja Entsetzen betrachtet, während der
kundige Arzt in ihnen den notwendigen
Kampf der Körperorgane gegen die Krank—
heits Ur sachen sieht.

Ich glaube, daß all die Ungeheuerlichkeiten,
die wir in der Wirtschaft erlebt haben, nur
triebhafte Vorversuche der Menschheit, mehr
noch aber der einzelnen Völker sind, die For—
men der Leitung zu finden, die für eine
        <pb n="7" />
        wirkliche, Völker und schließlich vielleicht die
Menschheit umfassende Leitung der Wirtschaft
das einzige noch fehlende Erfordernis ist. Die
Trusts, die Syndikate, die Kartelle, die Kon—
trollierung riesiger wirtschaftlicher Komplexe
von einzelnen Stellen, gewöhnlich Banken,
aus, die ungeheuren „Vermögen“, also Wirt«
schaftskräfte, in Händen von einzelnen be—
sonders geschickten Wirtschaftern, die immer von
Neuem zeigen, wieviel planmäßig von einer
Stelle aus geleitet werden kann und um wie—
viel gewaltiger eine Organisation ist, je weiter
sie sich über verschiedene Zweige der Wirt—
schaft erstreckt; das alles sind gewiß Sachen,
die man als überaus gefährliche und stellen—
weise geradezu vernichtend wirkende Aus—
wüchse der Privatwirtschaft auffassen kann und
vielfach für das praktische Leben und die dazu
erforderlichen politischen und wirtschaftlichen
Maßnahmen auch auffassen muß, die aber
dennoch, den Handelnden unbewußt, eine neue
höhere Kulturform vorbereiten und zum Teil
schon anbahnen.

Es sind volksorganische Krankheitssymptome,
die dem kundigen Volkswirtschaftsarzt die be—
vorstehende Gesundung sicherlich andeuten
würden — wenn es schon einen gäbe! Ich
möchte nun übrigens, um zu den unvermeid-
lichen nicht auch noch unnötige Befürchtungen
beim Leser zu erregen, gleich sagen, daß mir
die Wehen für die Geburt der Welt wirt—
schaft doch noch nicht gekommen zu sein
scheinen; ich wollte nur die Gesamtbetrachtung
vorher anregen, weil das die Einzelbetrach—
tung in mancher Hinsicht erleichtern dürfte.
Wir beschäftigen uns nun also zunächst
mit der Volkswirtschaft.
        <pb n="8" />
        65

Vollswirtschaftsleere und Volkswirtschaft.

Wenn wir das, was man ietzt fälschlich „Volks—
wirtschaft“ nennt, nach Adolf Wagners Schema,
aber unter sorgfältiger Betrachtung des wirklichen
Sachverhalts definieren wollten, so kämen wir
zu der folgenden Fassung:

„Volkswirtschaft“ nennt man jetzt die Summe
der auf unablässige übervorteilung jedes Nächsten
und Ferneren gerichteten, grundsätzlich planlosen,
ohne jede Rücksicht auf das Gemeinwohl erfolgen—
den Tätigkeiten aller einzelnen Angehörigen eines
Volkes.

Denn planvoll ist die Tätigkeit des Einzelnen
nur für diesen Einzelnen selbst, und der Plan rich—
tet sich ausschließlich auf Übervorteilung anderer
Einzelner, ist also kein Volkswirtschaftsplan, der
ja auch allgemein als utopisch abgelehnt wird, son—
dern nur ein Einzelwirtschaftsplan, der die
Volkswirtschaft entweder gar nichts angeht, oder
von ihr ebenso oft als Krankheitserscheinung wie
als lebensfördernd angesehen werden kann.

Ja, schon seit langer Zeit überwiegen die Einzel—
pläne als Krankheitserscheinungen; die plötzlich sich
bildenden großen Einzelvermögen ähneln ganz ver—
zweifelt den Geschwüren am Körper, die auch den
gesunden Körperteilen die Nahrungsstoffe entziehn,
sie drücken und einengen, gelegentlich sogar ab—
sterben machen, bis sie zur Heilungsvorbereitung
aufgehn — was in der Wirtschaft dem Bankerott
des zusammengescharrten Vermögens entspricht —
und auch dabei noch große Unbequemlichkeiten und
Gefahren verursachen.
Untersuchung der Urtriebe. Selbsterhaltungstrieb.

Selbstverständlich hat in jeder Volkswirtschaft,
die trotz ihres oben definierten Charakters am Le—
ben bleibt, die Gesamtsumme der gesunden Triebe
        <pb n="9" />
        immer noch ein, wenn auch geringes, Übergewicht.
Das liegt daran, daß das wirkliche Wirtschafts—
leben jedes einzelnen Volkes sich nach inneren Ge—
setzen vollzieht, die vielleicht noch nicht vollständig
erforscht sind; die oben gegebene Definition ist
eben nur die Auffassung, die fast allem Schrift—
tum, das man jetzt über wiirtschaftliche
Dinge zu lesen bekommt, zu Grunde liegt;
und wir wollen ja grade beweisen,
daß damit nicht eine wirkliche Volkswirtschaft, son—
dern ihre Abwesenheit definiert ist, die Volks—
wirtschafts lee re.

Aber wenn nun, wie doch kaum bezweifelt wer—
den kann, ein Volk, wenigstens wenn es staatlich
geeinigt ist, ein Gemeinwesen darstellt, das nach
den jetzt allgemein herrschenden biologischen Auf⸗—
fassungen als Lebewesen einen Selbst—
erhaltungstrieb haben muß, dann müssen
wir bei der Betrachtung dieses Wirtschaftslebens
den Selbsterhaltungstrieb auffinden. Und da
ist es doch wohl vollkommen unsinnig, zu sagen:
der wirtschaftliche Selbsterhaltungstrieb eines
Volkes äußert sich darin, daß jeder einzelne An—
gehörige des Volkes jeden anderen einzelnen An—
gehörigen desselben Volkes in jedem einzelnen
Wirtschaftsakt zu übervorteilen sucht, also ihn
schädigen will, weil er sonst fürchten muß von
ihm geschädigt zu werden! Und doch liegt diese
Behauptung allen volkswirtschaftlichen Ausfüh—
rungen zu Grunde, die man jetzt in Büchern und
Zeitungen finden kann; sie ist das Grundprinzip
der herrschenden Nationalökonomie!

Das wurde nur dadurch möglich, daß man
jetzt noch Geisteswissenschaften ohne strenge see—
lenkundliche Begründung herzustellen pflegt. Die
einfachste seelenkundliche Beobachtung und Be—
gründung zeigt, daß die Behauptung Unsinn ist.
        <pb n="10" />
        Der Urtrieb der Menschen geht nicht dahin, ein⸗
ander zu schädigen, sondern einander zu hel—
fen; der Schädigungswille erscheint fast durch—
weg nur durch besondere äußere Umstände veran—
laßt und ist, wo das nicht der Fall ist, eine
Krankheitserscheinung. Die Liebe der Volks⸗
genossen zu einander ist der Grundzug vom
Selbsterhaltungstrieb des Volkes.
Wo sie fehlt, da ist das Volk krank; und deshalb
ist jeder Schädigungsversuch eines Volksgenossen
gegenüber einem anderen eine Krankheitserschei⸗—
nung am Volkskörper. Wie tief das im Gefühls⸗
leben des Volkes steckt, das zeigt sich darin, daß
überall da, wo der Übervorteilungsgedanke, also
die Schädigungsseuche, um sich greift, wenigstens
in den Formen der Höflichkeit, die den
geselligen Verkehr regeln, ein Abbild der Hand⸗
lungsweise, die dem AUrtrieb entspricht, festgehal—
ten wird.

Faulheit oder Freude an Tätigkeit?

Die Nationalökonomie ist aber noch auf einem
zweiten psychologischen Unsinn aufgebaut, dem
nämlich, daß der stärkste Urtrieb jedes Menschen
die Faulheit sei und daß es besonderer Rei—
zungen bedürfe, um ihn zur Tätigkeit zu veran—
lassen. Leider Gottes kommt da manche sich für
pädagogisch haltende Strömung der National
zkonomie zu Hilfe. Wenn man den Kindern jede
selbständige Außerung des Erkenntnistriebes ver—
ekelt und das Kind aus richtigem Urtrieb sich ge—
gen aufgezwungenes Scheinwissen ablehnend ver⸗
hält, dann wird es für faul erklärt!

Aber die Nationalökonomie macht es doch noch
schlimmer; sie erklärt den Arbeiter grade dann
für faul, wenn er am strengsten ihr, der National—
ökonomie, eigenes „ökonomisches Prinzip“ be⸗
        <pb n="11" />
        9

folgat. Das lautet doch: man muß mit dem
geringsten Kraftaufwand die größte Leistung zu
erzielen suchen. Die Haupt- und Zielleistung,
für die alle anderen Leistungen nur Mittel zum
Zweck sind, ist für sie der Gelderwerb. Steht
nun der Arbeiter in festem Lohn, so muß er nach
dem ökonomischen Prinzig versuchen, möglichst
wenig zu arbeiten; natürlich so, daß es der Ar—
heitgeber nicht merkt. Ich habe den Eindruck, daß
diese Praxis jetzt häufiger angewendet wird als
früher; das liegt dann an der besseren national⸗
zkonomischen Bildung der Arbeiter, die sich deren
Prinzipien angeeignet haben und die Trugschlüsse
ablehnen.

Jede wirkliche seelenkundliche Beobachtung lehrt
aber, daß die Freude an der eigenen Tä—
tigkeit gradezu den Grundzug des gan—
zen menschlichen Lebens bildet. Am rein—
sten und stärksten zeigt sie sich, wenn die Tätigkeit
ganz den eigenen Befähigungen und damit auch
den eigenen Bewegungstrieben entspricht. Des—
halb wäre die beste Volkswirtschaft die, der es
gelänge, diesen Grundsatz am besten zur praktischen
Geltung zu bringen. Daß die mannigfaltigen Be—
gabungen der Menschen das möglich machen, kann
kaum einem Zweifel unterliegen; daß es bisher
viel zu wenig geschieht, ist auch ein Beweis da—
für, daß wir eine eigentliche Volkswirtschaft
noch nicht haben.

Fehlleitung der Tätigkeiten.

Es gibt aber noch andere ebenso zwingende Be—
weise dafür. Wir haben grade in diesen Jahren
eine sehr großze Wohnungsnot; es fehlen Häuser!
Warum werden sie nicht gebaut? Fehlt es an
Baumaterialien? Gewiß nicht; die sind reichlich
in unserem Boden 'zu finden. Fehlt es an Arbei—
        <pb n="12" />
        10 —

tern? Gewiß nicht; im Gegenteil! Wir müssen
Hunderttausende, gelegentlich Millionen von Ar—
beitern als „Erwerbslose“ unterstützen, weil es
unserer Volks,wirtschaft“ in keiner Weise gelingt,
diesen Arbeitslosen Arbeit zu verschaffen! Daß
die arbeitslosen Bauarbeiter aus den vorhan⸗
denen Baumaterialien Häuser herstellen könnten,
um die wohnungslosen Volksgenossen unterzu—
bringen, das ist eine Leistung, für die die
Vernunft und überlegung unserer
Volks,wirtschaft“ in keiner Weise
ausreicht!
Jeden Privatmann, der in so törichter Weise
unterließe, was für das Bestehen seiner Wirt—
schaft erforderlich ist, würde man zweifellos ent—
mündigen; bei der Volks,wirtschaft“ beugen wir
uns demütig vor den „Naturgesetzen des Geldes“,
vermöge deren dieser handgreifliche Blödsian zur
nationalökonomischen Notwendigkeit wird.

Wir sehn also auch hier: Es liegt weder an
Rohstoffen noch an den Arbeitskräften, es liegt
nur an der Weise, wie die Wirtschaft geleitet oder
vielmehr durch Fehlleitung sabotiert wird. Die
Leitung hätte dafür zu sorgen, daß die zur Her—
stellung des Notwendigen nötige Arbeit, wofern
nur Rohstoffe und Arbeitskräfte da sind, zu rechter
Zeit und am rechten Orte geleistet wird.
Nun, wenn auch nicht der Volksgeistleser, so
doch jeder andere Leser hat die letzten Absätze un—
geduldig verfolgt und sich gefragt: „Sieht der
Mann denn wirklich den Grund nicht, der doch auf
der Hand liegtꝰ Es fehlte doch eben einfach das
Geld! Und ohne Geld gibt der Ziegeleibesitzer
seine Ziegel nicht her; ohne Geld arbeitet der
Maurer nicht! Ohne Geld gehts doch nicht!“
Ja, „wenn das verfluchte Geld nicht wär“!
        <pb n="13" />
        — 11 —

Aber wie ist es denn? Die Erwerbslosenunter—
stützung, die die arbeitslosen Maurer bekommen,
ist das kein Geld? Und das muß die Volkswirt—
schaft ohne Gegenwert geben! Wäre es nicht prak—
tischer für sie, in der Maurerarbeit einen Gegen—
wert zu bekommen? — Und der Ziegeleibesiher?
Bringt ihm seine Ziegelerde Geld, ehe er sie ver—
arbeiten läßt? Und erhält er hier nicht Anwart—
schaft auf Gelder, die aus den Wohnungsmieten
eingehn?

„Ach, das sind unsichere und kniffliche Sachen;
darauf kann sich ein Geschäftsmann nicht einlas—
sen.“ Schön! Wenn das so ist, dann ist eben der
Geschäftsmann der Sinderungsgrund, wegen
dessen die Volkswirtschaft die notwendigsten Be—
dürfnisse nicht befriedigen kann!

Es ist in der Tat so: die Leistungen sind, was
Rohstoffe und Arbeitskräfte anlangt, überall mög—
lich, nachweisbar möglich, in durchaus ausreichen—
der Weise für alle notwendigen Bedürfnisse und
noch etliche andere möglich; nur am Austausch
der Leistungen hapert es; da stellen sich Hemm—
nisse über Hemmnisse ein, die nach dem jeßt all—
gemein und fast ausschließlich — die anderen Re—
ligionen sind nur noch Sonntagsanzüge — ge—
glaubten Evangelium nur durch Geld zu beseitigen
sind! Und niemand merkt, daß all diese Hemm—
nisse überhaupt erst durch das Geld geschaffen
werden.
Vom Handel.

Nach der Erfindung des Geldes ging der Aus—
tausch der Leistungen auf einen besonders dafür
geschaffenen Berussstand über, den Handel, der
überall langsam aber sicher die Herrschaft über
die Volkswirtschaft an sich reißt. Der Austausch
wird anscheinend vereinfacht, wenn man nicht mehr
Getreide gegen Gewänder, Ochsen gegen Werk—
        <pb n="14" />
        12

zeuge oder Waffen, Holz gegen Eisen eintauschte,
weil da die zu vergleichenden Mengen schwer abzu—
messen waren. Die Zwischenware, ursprünglich
Schmuck, später nur der Schmucdhtoff, erst gewo—
gen, dann gestempelt, gab bequemere Umrech—
nungsweisen, gab aber auch denen, die den Aller—
weltswertstoff hatten, die größte Macht in die
Hand. Der SHändler erwarb den Ochsen für Geld,
nicht um ihn zu schlachten, sondern um ihn für
Geld weiter zu geben, aber nun für mehr Geld.

So wurde jede wirtschaftliche Leistung schließlich
dazu benutzt und nur dadurch in der Wirtschaft
verwendet, daß der Händler damit sein Geld ver—
mehrte. Das ist auch — trotz allem, was über
Grundrente gesagt wird — der wahre Ursprung
des Zinses. Wenn der Händler Geld auslieh,
verzichtete er für diese Zeit auf die Möglichkeit, es
durch Kauf und Verkauf zu vermehren; dafür
mußte er entschädigt werden, und das bedeutet
der Zins, der dann erst auf andere Dinge über—
tragen ist.

Andrerseits bedeutet der Zins eine Herrschaft
des Händlers, die den meisten anderen Herrschafts—
formen, z. B. denen der Grundbesitzer, an Macht
weitaus überlegen ist und meistens mit der or—
ganischen Volksherrschaft, die in allen großen ge—
schichtlichen Kulturstaaten durch Monarchien be—
tätigt worden ist, in heftigem Streit war. In
Rom z. B. kam sie schnell zum Sieg und behielt
fast ein halbes Jahrtausend diese Herrschaft, bis
die gar zu große Korruption die Neugründung
der Monarchie unausbleiblich machte.
Daß das Händlertum also lange Zeit den Aus—
tausch der Leistungen wirklich vermittelt hat, ist
unbestreitbar; daß es das jemals in vollkommen
ausreichender Weise getan hat, wird bestritten;
        <pb n="15" />
        13 —

ob es jetzt noch dazu im Stande ist und ob es in
Zukunft dazu im Stande sein wird, ist zu unter⸗
suchen

Daß ein Austausch ohne Zwischenware unmög⸗
lich wäre, ist ein Aberglaube, der von wirklichen
Geldkennern schwerlich geteilt wird, da sie ihn
längst selbst widerlegt haben. Die Zwischenware
ist mehr und mehr zum Popanz geworden; im
praktischen Leben ist sie längst durch Papierzettel
und Rechnungsbücher abgelöst. Ich selbst habe seit
etlichen Jahren niemals ein reelles Geldstück in
den Händen gehabt. Also wir tauschen längst
alles auf Grund von reinen Rech—
nungsgrößen aus; es wird nur, um die
Herrschaft der Geldherrn zu sichern, eine Möglich—
keit, in bestimmten Fällen wirkliches Geld, also
meistens Gold, zu fordern und die Zahlung durch
Zwangsvollstreckung zu erzwingen, gesetzlich fest—
gehalten. Sonst könnte der ganze Austausch von
Leistungen ganz allgemein, wie es in großen Din—
gen schon geschieht, rein rechnungsmäßig vor sich
gehn.
Rationalisierung des Handels.

Man schwärmt jetzt so sehr von Rationali—
sierung. Überall erspart man Beamte und An—
gestellte und Arbeiter durch Rationalisierung und
freut sich sehr über jede solche Ersparung. Da ist
es doch wohl auch gestattet, einmal zu überlegen,
wieviel Händler man durch Rationalisierung des
Handels sparen könnte!

Das geht nun allerdings allen lebenden Mit—
menschen, soweit sie irgend zur Wirtschaft in Be—
ziehung stehn, arg wider den Strich. An Händlern
sparen wollen, das heißt „blühende Existenzen ver—
nichten“. Der Händler, der besonders, soweit er
nebenbei auch selber produziert, sich mit beson—
        <pb n="16" />
        derem Stolz „Unternehmer“ nennt, ist nach jetziger
Auffassung der Edelmensch, der zur Beherrschung
der minderwertigen niederen Menschheit bestimmt
ist, die sich in Beamte, Angestellte und Arbeiter
gliedert. Das Unternehmertum ist an die Stelle
des Adels und des Offiziers getreten.

Aber bei der Üüberlegung des für die Volks—
wirtschaft Notwendigen sind wir an diese moder⸗
nen Standesunterschiede nicht gebunden; wir ach—
ten auf nichts weiter als auf die Zweckmäßigkeit
der Einrichtungen in Hinsicht auf das Leben und
die Gesundheit des Volkes. Und da müssen wir
leider feststellen, daß der so hoch gepriesene fried—
liche Wettbewerb des freien Unternehmertums“
die Wirtschaft so schlecht geleitet hat, daß eine wei⸗
tere Verschlechterung nicht gut mehr denkbar ist.

Den einen Tell hatten wir schon vorher gele—
gentlich festgestellt: Es ist dem, was man bisher
Weltwirtschaft und Volkswirtschaft nennt, was
man aber richtiger Wirtschaftsanarchie nennen
mußte, da man ja sonst allgemein den Zustand,
wo jeder wider jeden anderen ist, Anarchie nennt,
schlechterdings nicht möglich, regelmäßig das
herzustellen, was das Volk, was die
Menschheit zum gesunden Gesamtleben, also zur
Gesundheit aller ihrer Glieder, d. h. jedes ein—
zelnen Menschen notwendigbraucht. Schon
das bedeutet einen vollständigen Bankerott des
Systems.

Aber da hilft man sich mit der Ausrede, das sei
eben aus menschlicher Unvollkommenheit heraus
nicht anders möglich. Wir erwidern zunächst, daß
diese Unvollkommenheit dann eben in der Be—
schaffenheit des Händlertums und Unternehmer—
tums liegt, da es weder an Arbeitskräften noch
an Rohstoffen fehlt, also die Mängel in falscher
Einteilung liegen müssen.
        <pb n="17" />
        15 —

Aber es liegen noch stärkere Beweismittel vor.
Dasselbe Unternehmertum, das es für unmöglich
erklärt, die notwendigsten Lebensbedürfnisse zu
befriedigen, klagt daneben kräftig und laut über
die große Schwierigkeit, für das, was es hervor⸗
bringt, „Absatz“ zu finden! Das heißt also doch,
dasselbe Unternehmertum, das es für unmög-—
lich erklärt, das herzustellen, was not—
wendig gebraucht wird, gesteht ein, in unge⸗—
heuren Mengen Dinge geschaffen zu haben
und noch zu schaffen, die von sich aus kein
Menschhabenwill, die man den Leuten nur
mit Aufbietung der größten Kunstmittel auf—
schwatzen kann!

Und nun sehn wir uns in der Welt, in der
wir leben, rings um: allüberall sehen wir die
aufdringlichsten Zeichen von grade dieser Tätig—
keit des Unternehmertums! Eine Wirtschaft, die
wirklich genau das herstellte, was wirklich ge—
braucht wird, hätte vollauf zu tun — das ist ja
eingestanden; ja das Unternehmertum gibt ja vor
zu glauben, daß es mit Aufbietung aller Kraft
diese Aufgabe kaum erfüllen könnte vermöge der
menschlichen Unvollkommenheit!

Also nicht nur das, was hergestellt wird, ohne
daß ein wirkliches Bedürfnis danach vorhanden
ist, sondern auch der ganze ungeheuerliche Auf—
wand der Reklame, der ja noch viel weiter geht,
als er auffällig sichtbar wird, ist, von wirklicher
Volkswirtschaft aus gesehn, sinnlose Ver—⸗
schwendung!
Erfordernisse der Vollswirtschaft.
Wirkliche Volkswirtschaft hätte zuerst zu
fragen: was wird gebraucht, damit alle ge—
sund und menschenwürdig leben kön
nen? Ist das festgestellt, so wird untersucht, ob
        <pb n="18" />
        16 —

das herzustellen geht. Eine wirklich gesunde Volks—
wirtschaft muß das alles auf eigenem Grund
und Boden herstellen können. Nur ein solches Volk
ist ein Wurzelvolk; jedes Volk, das auch nur
für einen Teil seiner notwendigen Lebens—
bedürfnisse auf andere Völker angewiesen ist, muß
insoweit als Schmarotzervolk gelten, was also für
das englische Inselvolk seit dem Ruin der dortigen
Landwirtschaft zutrifft.

Wir wollen uns mit unserer Betrachtung zu—
nächst auf die Wurzelvölker beschränken. Wenn
also der notwendige Bedarf gesichert ist, so wird
weiter festgestellt, was darüber hinaus wünschens—
wert ist und wieviel davon herstellbar ist. Damit
würde meben dem notwendigen Unterhalt auch
ein bestimmter Grad von Wohlstand erreicht wer—
den, der sich eben nach den vorhandenen
Rohstoffen und Arbeitskräften richtet.
Diese beiden Größen würde also die Buchfüh—
rung der Volkswirtschaft zu erfassen haben, wäh—
rend bisher die Rohstoffe in den Einzelbuchfüh—
rungen nur sehr mangelhaft, die Arbeitskräfte
aber, die doch tatsächlich das allerwichtigste
„Volksvermögen“ sind, überhaupt von keiner
Buchführung erfaßt werden.

Nur deshalb sehn wir ja der Arbeitslosigkeit
und der Verelendung so teilnahmslos zu, weil die
ungeheuren Verluste, die die Volkswirtschaft durch
Nichtbeschäftigung der Arbeiter erleidet, in keiner
Buchführung festgehalten werden. Wenn ein Ar—
beiter im Jahre auch nur 1000 Mark Arbeitswert
leisten sollte — er leistet erheblich mehr —, so be—
deuten jede tausend Arbeitslose im Jahr eine Mil—
lion Verlust, der nirgends gebucht wird!

Bedenkt man, wieviel unnötige Arbeit weg—
fällt, wenn die Dinge, die man erst aufschwatzen
muß, nicht mehr hergestellt zu werden brauchen
        <pb n="19" />
        — 17 —

und auch die überaus kostspielige, d. h. Stoffe und
Arbeitskräfte verschlingende Reklame überflüssig
wird, so werden wir für das ganze Volk einen er—
heblichen Grad von Wohlstand erreichen, so daß
sogar noch reichlich Arbeitskräfte übrig bleiben, um
einem Teil des Volkes, der dafür besonders ge—
eignet ist, einen kRUulturfördernden Luxus
zu gewähren. Einer immerhin erheblichen Anzahl
der tüchtigsten Arbeitskräfte wäre damit die fer—
nere Verwertung ihrer Kunstfertigkeit gesichert.

Richten sich die Wohlstands- oder Luxuswünsche
aber auf Dinge, die mangels der vorhandenen
Rohstoffe oder Arbeitskräfte innerhalb der Volks—
wirtschaft nicht herzustellen sind, so tritt die Volks—
wirtschaft mit anderen Volkswirtschaften in Aus—
tausch, der von denselben Leuten vermittelt wer—
den kann, die ihn jetzt im Ausfuhr- und Einfuhr—
geschäft vermitteln.

Daß nun, um dies zu erreichen, die ganze Volks—
wirtschaft eine ungeheure militärische Kaserne wer—
den müßte, in der jeder nur das tun darf, was
ihm vorgeschrieben wird, ist eine ganz unbegrün—
dete Befürchtung, die wirtschaftliche Freiheit wird
im Gegenteil von allen als gesteigert empfunden
werden mit einziger Ausnahme der Händler und
derer, die sich mit Vorliebe „Unternehmer“ nen—⸗
nen, d. h. die jeden Betrieb, den sie leiten, nur
als Kapitalanlage, als einen Geldwert ansehn, den
sie, je nachdem es mehr Geld einbringt, heute zu
kaufen, morgen zu verkaufen geneigt sind, und
der Börsenspekulanten, denen das ganze Wirt—⸗
schaftsleben nur ein Hasardspiel ist.

Alle diese Persönlichkeiten, die freilich jetzt das
größte Ansehn genießen, die aber, soweit man
überhaupt Einzelmenschen für Einrichtungen ver—
antwortlich machen kann, an der jetzigen Wirt—
schaftsanarchie und ihren furchtbaren Folgen die
        <pb n="20" />
        18 —

Schuld tragen, die werden „erspart“, wie sie selbst
oft mit Genugtuung Hunderte von Angestellten,
Zehntausende von Arbeitern durch Rationalisie—
rung erspart haben.

Ich möchte aber den Ausdruck „Schuld“ noch
erläutern. Ich würde es auf das Entschiedenste zu—
rückweisen, wenn man den Teil der Schuld, die der
Einzelne an solchen Einrichtungen trägt, irgendwie
als einen Flecken auf seiner persönlichen Ehre ansehn
wollte. Gewiß mag es unter ihnen auch anrüchige
Persönlichkeiten geben; die große Mehrzahl auch
des Unternehmertums besteht unzweifelhaft aus
fittlich einwandfreien Persönlichkeiten, die jetzt nicht
anders handeln können, als sie es unter dem
Zwange der Einrichtungen tun. Deshalb eben
wollen wir diesen Zwang, die Nächsten zu
übervorteilen, als Einrichtung be—
seitigen.

Allerdings — der „freie Handel“ fällt im In—
neren der Volkswirtschaft vollkommen aus; das ist
die Hauptsache; denn er ist ja die Kampf⸗
form, in der jeder den Nächsten übervorteilen
will, damit er nicht von ihm übervorteilt wird.
Dem Kleinhandel haben sich viele zugewendet, die
sonst keine Arbeit mehr fanden; für die wird durch
die ihnen gemäße Arbeit gesorgt sein; es muß ja
viel mehr als jetzt gearbeitet werden, nicht nur im
Wohnungsbau, wenn jeder alles das haben soll,
was er jetzt schmerzlich entbehrt.
Warenhaus und Pojstscheckwesen.

Im Übrigen haben die Warenhäuser die Zu—
kunftsform der Warenverteilung vorweggenom—
men. Ich selbst kannte allerdings noch kein Wa—
renhaus, als ich 1893 das Postwarenhaus des
Zukunftsstaates schilderte, aber es hat sicher auch
schon damals welche gegeben, wie denn keine der
        <pb n="21" />
        19 —

von mir vorgeschlagenen Einrichtungen von mir
„erfunden“ ist, sondern alle nur geringe Weiter—
bildungen von Einrichtungen sind, die sich von
selbst entwickelt haben.
Das gilt auch für die „Buchführung der Volks—
wirtschaft“, von der gleichfalls seit den HMer Jah—
ren im sogenannten Postscheckverkehr ein entschei—
dender Anfang gemacht worden ist. Ich hatte schon
in meiner ersten Schrift diese beiden Einrichtungen
mit einander verbunden im Postwarenhaus.
Dort sollte wie jetzt im Postscheckamt für jeden,
der im Bezirk wohnt, die Rechnung geführt wer—
den, d. h. z. B. jede Gehalt- oder Lohnzahlung,
die er jetzt in bar empfängt, ihm gutgeschrieben
werden. Im Warenhaus fand er alles, was er
brauchte — und wenns etwa nicht da war, konnte
ers bestellen — und statt zu zahlen quittierte er
auf einem solchen Zettel, wie sie jetzt — allerdings
ohne daß der Zahlende zu quittieren braucht —
in Warenhäusern wirklich hergestellt werden. Auf
Grund dieser Quittung wurde dann im „Post—
scheckaamt“, wie man jetzt sagt, „Buchführungs—
amt“, wie ich sage, der Betrag von seinem Gut—
haben abgeschrieben.
Der Zettel selbst — oder das zweite Exemplar,
wie es jetzt im Warenhaus hergestellt wird —
soll nun als Urmaterial zur Staäatistik
des Verbrauchs dienen; auf Grund dieser
Zettel kann in einem besonderen statistischen Büro
genau festgestellt werden, wieviel von jeder Ware
in den Besitz der Verbraucher übergegangen ist.
Diese Zahlen können schriftlich oder auch schon
telephonisch an Zentralen mitgeteilt werden, so
daß man in der höchsten Zentrale jederzeit über
den Gesamtverbrauch und über Steigen und Fal—
len der Nachfrage für jede Warengattung unter—
        <pb n="22" />
        richtet ist und den beteiligten Berufsgenossenschaften
oder auch dem großen Publikum die nötigen Mit—
teilungen machen kann.

Festsetzung der Herstellungspreise.

Das Postwarenhaus steht aber durch dieselben
Persönlichkeiten, die jezt in den Warenhäusern als
Einkäufer dienen, mit den herstellenden Betrieben
in Verbindung und bestellt durch sie wie bisher
nach, was ausgeht. Nur werden die Preise nicht
mehr willkürlich zwischen Einkäufer und herstel⸗
lendem Betrieb vereinbart, wodurch also die
Freude am gegenseitigen „übers-Ohr-hauen“ weg⸗
fällt, sondern zwischen den Berufsgenossenschaften
im Reichswirtschaftsrat oder bestimmten Bezirks⸗
wirtschaftsräten vereinbart und zwar so, daß jede
Vereinbarung so lange gilt, bis sie abgeändert
wird.
Wohlbemerkt: es handelt sich nicht um Majori—
tätsabstimmungen im Wirtschaftsrat, sondern um
Vereinbarungen mit jeder einzelnen Berufsgenos⸗
senschaft. Es wäre z. B. nicht ausgeschlossen, daß
für einzelne Betriebe, deren Erzeugnisse von den
Verbrauchern besonders bevorzugt werden, be—
sondere Preise vereinbart würden.
Wir sehen schon hier, daß von einem Hinein—
reden der Regierung oder volkswirtschaftlicher
Amtsstellen in die innere Arbeit der Betriebe keine
Rede ist; jeder Betrieb ist nach wie vor vollkom—⸗
men selbständig; und über das was herzu—
stellen ist, entscheidet nicht der Staat,
sondern der Verbraucher oder, wie die
Nationalökonomie jetzt sagt, die Nachfrage,
aber nun die wirkliche, nicht die durch Reklame
oder falsche Nachrichten gefälschte, und auch nicht
die Spekulation.
        <pb n="23" />
        21 —

Damit ist nun zweierlei sehr Wichtiges erreicht;
erstens die Beseitigung jeder Betrugsmöglichkeit,
weil keiner der in den geschilderten Betätigungen
Mitwirkenden die Möglichkeit hat, sich einen beson—
deren Vorteil zu verschaffen; und dann die voll—
kommene Durchsichtigkeit der Wirtschaft des gan—
zen Volkes, die sogar größer ist als die, die jetzt
jeder Geschäftsmann für sein Geschäft durch dessen
Buchführung erzielt. Denn das Summieren und
Vergleichen, das in der Privatbuchführung nur
zu bestimmten Terminen vorgenommen werden
kann, erfolgt hier tagtäglich.

Wir wissen aus der Nationalökonomie, daß der
Handel die Funktion haben sollte, die Waren
dahin zu bringen, wo sie gebraucht werden; wir
sahen durch Betrachtung der Wirklichkeit, daß er
das Gegenteil davon tut, das „Verkaufen“ als
Hauptgeschicklichkeit betrachtet, also die Waren
hauptsächlich dahin bringt, wo man sie eigentlich
nicht gebraucht hätte. Wir sehn nunmehr, daß
sich die vermeintliche Funktion des Handels un—
bedingt sicher durch Postwarenhaus und Buch—
führung der Volkswirtschaft vollziehen läßt.

Die Händlerzölle.
Nun wird uns doch wohl erst klar, daß der
Handel eine nicht nötige, also eigentlich fremde
Macht in der Volkswirtschaft war, der für seine
— wie wir sehn überflüssige — Funktion von uns
ungeheuerliche Zölle erhob; 50 bis 10000 vom
Herstellungswert ist keine Seltenheit; das höchste,
was ich selbst beobachtet habe und zwar schon in
den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts, sicher⸗
lich nicht das höchste, was es überhaupt gibt, ist
500 Günfhundert) Prozent bei den Stehkragen,
die ich trug, für die ich 60 Pfennige bezahlte,
        <pb n="24" />
        22 —

während die mir bekannte Dame, die sie in Haus—
arbeit nähte, den Stoff selbst einkaufen mußte
(also auch da schon Zoll bezahlte, den ich gar
nicht einmal mitrechne) und dann für Material
und Arbeit 10 Pfennige erhielt.

Etwas geringer ist der Händlerzoll ja meistens,
aber immerhin beträgt die Gesamtsumme dessen,
was wir alljährlich an Händlerzöllen bezahlen,
ein sehr hohes Vielfache von allen Abgaben, die
wir an Staat und Gemeinde zu entrichten haben.
Aber nun soll man wiederum nicht denken, daß
sich jeder einzelne Händler ungeheuerlich an diesen
Händlerzöllen bereicherte! Da kann sich ja jeder
in seiner Umgebung umsehn. Gewiß, mancher
Händler wird in verhältnismäßig kurzer Zeit reich;
weitaus die Mehrzahl aber ist froh, wenn sie
anständig zu leben hat; denn es kommt ja haupt⸗
fächlich darauf an, wie viel einer um setzt; und
da jeder, der Lust hat und Geld geborgt kriegt,
ein Geschäft aufmachen kann, so ist die Konkurrenz
zu groß. Dann ist kaum ein Geschäft noch ohne
Spekulation, dadurch kann man mitunter schneller
reich werden, aber noch leichter sein Geld ver—
lieren. Schließlich ist aber die Börse das
große Ungetüm, das überall seine Saugnäpfe hat.
Die Riesenvermögen sind ihrem Ursprung nach
alle aus den von ihr aufgesogenen Händlerzöllen
hervorgegangen.

Abschaffung aller Steuern.

Diese Händlerzölle, die alle Verbraucher unge⸗
heuerlich belasten, ohne doch den Händlern in
demselben Maße zu nützen, fallen bei der Umge—
staltung naturgemäß der Volkswirtschaft zu, die
daraus mühelos das ganze Reichs- und alle
Staatsbudgets bestreiten kann, so daß alle bis—
herigen Steuern ohne Weiteres ab—
        <pb n="25" />
        Ra
23

geschaffi werden können; ja, es ist wahexschein,
lich, daß die Gesamtsumme der Unterschiede zwi—

—

heblich höher als die Gesamtsteuersummeè ist; dann

könnten außer dem Erlaß aller Steuern auch noch

die Verbraucherpreise vielleicht nicht un

erheblich herabgesetzt werden!

Den dazu nötigen Überblick ergibt die Buchfüh—
rung der Volkswirtschaft ohne Weiteres, von der
wir dazu allerdings noch einige andere Zweige
betrachten müssen. Den Betrieben werden die
Herstellerpreise der von ihnen gelieferten Waren
gutgeschrieben; was sie aber selber beziehn an
Rohstoffen, Maschinen u. s. w. wird ihnen zur
Last geschrieben. Ob dabei auch ein Aufschlag ge—
macht werden soll, so daß dem die Maschine emp⸗
fangenden Betrieb ein höherer Preis zur Last als
dem liefernden gutgeschrieben würde, muß die
Praxis ergeben; rechtfertigen würde sich das
durch den Grundsatz, daß jeder, auch die Betriebe,
rechnungsmäßig nur an die Volkswirtschaft
liefert und nur von der Volkswirtschaft empfängt,
also nur ein „Konto“ bei der Volkswirtschaft, nie—
mals aber bei einem anderen (GBetrieb oder Ein—
zelnen) hat. Ferner werden ihnen die Gehälter
und Löhne zur Last geschrieben, die nach den von
ihnen ausgestellten Gehalts- und Lohnlisten den
darin bezeichneten Personen an den angegebenen
Terminen gutgeschrieben werden.

55
*

Bilanz der Volkswirtschaft.

Hierdurch läßt sich nun noch ein anderer Übel⸗
stand beseitigen, der zwar notwendige Folge aller
früher erörterten Einrichtungen ist. Die bisher so—
genannte Volks,wirtschaft“ ist eine „Wirtschaft“
ohne Voranschlag, ohne Abschlüsse, ohne Bilanz!
In späteren Zeiten wird man sich gar nicht mehr
        <pb n="26" />
        213 —

erklären können, wie man so etwas habe „Wirta

schaft“ nennen können, wo man das zutreffende

Wort „Schlamperei“ wenn auch erst mundartlich
doch schon hatte!

Die soeben betrachteten Einrichtungen ermög—
lichen sofort Voranschlag und Bilanz wenigstens
für das zweite Jahr des Bestehens, wahrscheinlich
aber auch schon früher. Jeder Betrieb kann für
sich einen Voranschlag machen, was er im nächsten
Jahre herzustellen vermag; und da immer schwan⸗
kende Möglichkeiten vorliegen, so empfiehlt es sich,
ihn in zweifacher Aufstellung auszuarbeiten; für
Mindestleistung, also das, was grade noch die Be—
schäftigung aller Arbeiter und Maschinen ermög⸗
licht, und für Höchstleistung, die mit den vorhande⸗
nen Mitteln unter Einstellung der höchstmöglichen
Arbeiterzahl erreicht werden kann.

Diese Voranschläge werden einer statistischen Be—
hörde eingereicht, die mit Sachverständigen be—
fetzt ist, also Unmöglichkeiten herauserkennen kann,
aber im Wesentlichen nur die Aufgabe hat, die
Zahlen der gleichartigen Betriebe zusammenzurech⸗
nen und der nächsthöheren statistischen Behörde —
etwa der des Landes oder der Provinz — mitzu—⸗
teilen, die ihrerseits wieder die von ihr errechne⸗
ten Summen an die Reichszentralbehörde weiter
gibt.

Interessiert werden die Betriebe dadurch, daß
sie, sobald ihre Anschläge anerkannt sind, für die
Arbeit notwendige Dinge, etwa Rohstoffe, Ma—
schinen, die ihnen noch fehlen sollten, ganz beson⸗
ders aber Lohn⸗ und Gehaltzahlungen bis zur
Höhe des Wertes der Mindestleistung auch dann
auf ihre Rechnung anweisen können, wenn ein
Guthaben aus dem Vorjahre nicht mehr vor⸗

handen ist. Von irgendwelcher Zins berechnung ist
dabei natürlich nicht die Rede.
        <pb n="27" />
        5

Also alle Schwierigkeiten der „Geldbeschaffung“,
die jetzt so oft die Arbeit hindern und namentlich
die Nerven unnötig verbrauchen, fallen weg. Aber
das hier nur nebenbei, um zu zeigen, daß die
Anfertigung des Voranschlags nicht als lästige
überflüssige Arbeit empfunden wird.
In der Zentrale kommen nun die Ergebnisse
dieser Voranschläge in Summen, die schon in
den unteren Instanzen gezogen sind, zusammen;
dabei ist schon durch Vergleichung der Voran—
schläge untereinander einigermaäßen abgeschätzt
worden, welche Steigerungen über die Mindest—
anschläge hinaus praktisch möglich sind, weil da—
bei für jeden Betrieb auch die Leistungen ande—
rer Betriebe notwendig sind. Und so gewinnt die
Zentralstelle einen überblick über die im nächsten
Jahr zu erwartenden Leistungen der Volkswirt—
schaft. Ich möchte noch bemerken, daß mir die
geeignete Zeit für diese Arbeiten die nach Ab—
schluß der Ernte zu sein scheint.
Nun stehen, wie oben gesagt wurde, die Her—
stellerpreise für alles, was geleistet wird, fest; wir
können also einen Gesamtwert der auf diese Weise
für das nächste Jahr zu erwartenden Leistungen
als Rechnungsgröße feststellen. Welche Einheit wir
dabei nehmen, ist vollständig gleichgültig; wir
wollen in dieser Darstellung bei der „Mark“ blei⸗
ben; es handelt sich ja lediglich um eine Rech—
nungsgröße; irgend eine Notwendigkeit zu irgend
einer Barzahlung hat sich in unseren bisherigen
Betrachtungen nicht ergeben.
Die wirkliche Einnahme der Volkswirt⸗
schaft ist ja nicht diese Rechnungsusumme, sondern
die Gesamtsumme der hergestellten Gegenstände
und gesicherten Leistungen, aus denen wir sämt—
        <pb n="28" />
        26 —

liche Bedürfnisse des Volkes einschließlich der Be—
hörden und sonst notwendigen Einrichtungen zu
befriedigen haben.
Volksbedürfnisse.
Da kommen nun nach der herrschenden Meinung
zunächst in Betracht solche Arbeiten, die auch bis⸗
her von Reichs, Staats oder Gemeinde wegen
als „öffentliche“ ausgeführt werden, z. B. Wege⸗
bauten, Wasserschutzvorrichtungen, an denen ja
noch sehr viel zu tun ist; im Anschluß daran aber
auch die Wiedergutmachung aller Elementarschä⸗
den, also außer denen durch Wasser auch die durch
Feuer, Sturm, Erdbeben und was sonst uns die
Zukunft noch bringen mag. Daß das bisher der
privaten Versicherung überlassen bleibt, hat zu
mancherlei Unzuträglichkeiten geführt, die auch das
gemeinsame Interesse schädigen. Denn daß der
gefamte Wirtschaftskörper gesund bleibt, ist zur
Gesundheit des ganzen Volkes unbedingt not—
wendig.

Ebenso ist aber Volksinteresse, daß da, wo die
bisherigen Betriebe auch bei höchster Leistung
nicht mehr ausreichen, neue Betriebe eingerichtet
werden. Bisher geschieht so etwas lediglich im
Spekulationsinteresse Einzelner; die dabei sich not⸗
wendig herausstellenden Unzuträglichkeiten regi⸗
striert die Nationalökonomie als gesetzmäßig sich
zeigende Überproduktion mit nachfolgender Krise.
Die Volkswirtschaft aber registriert nicht
die Unzuträglichkeiten, sondern beseitigt sie.

Eine weitere unerhörte Unzuträglichkeit, die für
das Volk sogar eine Lebensgefahr bedeutet, ist
doch, daß die Erzeugung und Aufziehung von
Kindern mit schweren Geldstrafen belegt wird.
Ein Handwerker, ein Beamter, ein Arbeiter kann
von seinem Erwerb, Gehalt, Lohn vielleicht ge—
        <pb n="29" />
        — 27 —

mächlich leben; will er aber Kinder haben, so muß
er für seine Person auf so viel verzichten, wie für
den Unterhalt seiner Frau und seiner Kinder
notwendig ist. Der streng nach wirtschaftlicher
Vernunft lebende Mann begeht eine Sünde
gegen die wirtschaftliche Vernunft,
wenn er heiratet und Kinder aufzieht. Die strenge
Beobachtung der Wirtschaftsgesetze durch alle Ein—
zelnen, wie sie doch die Nationalökonomie erstrebt,
hat also das Aussterben des Volkes zur
unausbleiblichen Folge. Das Volk lebt also nur
dadurch weiter, daß die weitaus große Mehr—
zahl der Männer nationalskonomisch blödsinnig
handelt!

Die wirkliche Volks wirtschaft hat aber nicht
nur das Interesse, sondern den Daseinszwech, daß
das Volk weiter lebt; sie also sorgt notwendig da—
für, daß die Kinder gut wohnen, gut gekleidet
gehn und ausreichende gesunde Nahrung haben
und, was das Wichtigste von allem ist, daß sie
eine Mutter haben, die sich ihnen wid—
men kann, ohne durch anderweitige erzwungene
Tätigkeit daran gehindert zu werden. Also aus⸗
reichende Mütter- und Kinderrenten
sind das erste Erfordernis denkender und sorgen—
der Volkswirtschaft; nur so wird das Volks—
vermögengesichert und erhalten, das
nicht in stumpfsinnig zusammengerechneten einge—
bildeten Geldsummen, sondern neben den Bo—
denschätzen nicht nur hauptsächlich, sondern allein
der geistigen und körverlichen Arbeitskraft
teckt.

Neben allem, was bisher zu Reichs-, Staats—
und Gemeindebudgets gehört, wovon wir als be—
sonders wichtig noch die Schulen erwähnen wollen,
hat die Volkswirtschaft zu ihrer Selbsterhaltung
noch für Beseitigung von Elementar—
        <pb n="30" />
        28

sch äden, Erhaltung und Erneuerung des Wirt—

schaftskörpers und des Volkskörpers selber zu sor—
gen. Das Gesamteinkommen, das also aus der

Gesamtheit aller von der Volkswirtschaft gelie—
ferten Güter und Leistungen besteht, muß auch für
diese Sorgen aufkommen; das geschieht, wie wir
schon sahen, durch den Aufschlag auf den Her—
stellerpreis, der durch die Rationalisierung des
Handels zur Verfügung der Volkswirtschaft ge—
stellt wird.

Dabei wollen wir aber doch bemerken, daß die
bisherigen Händler nicht etwa einfach brotlos ge⸗
macht werden — Brotlose gibts in der wirklichen
Volkswirtschaft überhaupt nicht —, sondern, wenn
sie auch zum Übervorteilen keine Gelegenheit mehr
haben, doch ihren übrigen Begabungen gemäß ver⸗
wendet werden.

Wenn man unsere Buchführung der Volkswirt—
schaft den Leuten zuerst auseinandersetzt, dann
schreien sie immer: „Das gibt ja so viel Schrei—
berei, dafür sind gar nicht Keute genug da“. Nun,
die dafür nötigen Leute sind eben die, die bis—
her im Handelsstand mit Einschluß der Banken
und des Versicherungswesens mit Buchführungs⸗
und ähnlichen Arbeiten beschäftigt sind.

Es gibt, wie schon angedeutet, aber auch dabei
höhere Instanzen, für die solche Kräfte in Betracht
kommen, die auch bisher Höheres zu leisten hat—
ten. Die tägliche Statistik muß genau beobachtet
werden, der Absatz aller einzelnen Güter 3. B.
mit denen der Vorjahre verglichen werden. Auf
Steigerung und Rückgang müssen die Betriebe
rechtzeitig aufmerksam gemacht werden. In be—
stimmten Fällen wird bei sinkendem Absatz eine
Preisherabsetzung, natürlich nur Herabsetzung des
Aufschlags, anzuordnen sein; bei steigendem Ab⸗

satz, aber nur dann, wenn Warenmangel zu be—
        <pb n="31" />
        29

fürchten ist, eine Erhöhung des Aufschlags. Die
beiden Maßregeln müssen aber gegeneinander ab—
gewogen werden, damit sie die Bilanz nicht ge—
fährden; das sind also verantwortungsvolle in—
teressante Arbeiten.
Unnötigkeit und Schädlichkeit des Geldes.

Wenn der Leser darauf geachtet hat, so wird er
bemerkt haben, daß wir immer nur von Verrech—
nung, nie von Barzahlung, nie von Geld geredet
haben. Aber es ist doch klar geworden, daß das
Geld nirgends nötig war, so daß sogar niemand
in Verlegenheit kam, sich Geld borgen zu müssen,
niemand in die schwere Sorge, wie er seine Schul⸗
den bezahlen könne.

Wir müssen nun noch darauf aufmerksam machen,
daß das Geld, wenn es irgendwo verwendet wer—
den könnte, sofort die ganze Ordnung der Volks—
wirtschaft stören müßte, daß irgendwie ausge—
breitetere Verwendung sie zer stören würde. Durch
die Buchführung macht die Volkswirtschaft sich in
allen Teilen durchsichtig; von jedem angefer—
tigten Dinge kann man genau sehen, wo es bleibt.
Im Augenblick, wo es für Geld verkauft wird,
verschwindet es aus den Augen der Volkswirtschaft
ins undurchdringliche Dunkel. Im Dunkeln aber
ist gut munkeln. Die Durchlichtigkeit wiederum zer⸗
stört jede Munkelei.

Am schwersten geschädigt sind die Diebe; denen
ist das ganze Geschäft verdorfen. Stehlen lohnt
nur noch bei Eßwaren und Getränken, die man
selber verzehren kann; schon bei Geräten, die man
selber gebrauchen will, ist es gefährlich, weil man
nicht nachweisen kann, daß man sie erworben hat,
ja, weil nachgewiesen werden kann, daß man sie
nicht erworben hat. Und keine Urkundenfäl—
schung, die Geld einbringt, ist mehr möglich, da
        <pb n="32" />
        statt aller Geldurkunden jetzt nur die mnichtswũr⸗
dige Buchführung der Volkswirtschaft da ist.

Man kann überhaupt kein Geld auf Zinsen aus—⸗
leihen, da niemand in eine Lage kommt, wo er
welches aufnehmen müßte; und damit ist auch
alle Herrschaft, die das Geld bisher ausübte, nicht
etwa nur erschüttert, sondern beseitigt.
Notwendige Bedenken des Lesers.

Da hat der Leser nun erfahrungsmäßig zwei
Hauptbedenken: erstens, daß man doch nicht alles
nur in seinem eigenen Postwarenhaus kaufen kann,
fondern gelegentlich auch unterwegs, im Wirts—
haus, in der Straßenbahn, am Billettschalter
der Eisenbahn und des Theaters Geld ausgibt;
was soll man machen, wenns keins mehr gibt?
Und zweitens, wie wirds mit dem Auslandver⸗
kehr? Das Ausland gibt sich doch nicht mit Buch—
führungsvermerken zufrieden, sondern will Geld
sehn!

Ja, was nun zunächst das Talchengeld betrifft,
da will ich Vorschläge mitteilen, die sicherlich für
den Anfang genügen, aber später ebenso sicher
durch bessere Cinrichtungen, die sich aus der Praxis
ergeben, ersetzt werden.

Schon jetzt sind viele Menschen gewöhnt, einen
Ausweis mit Photographie in der Tasche zu
haben, bei Straßenbahnabonnements u. s. w. Das
wird später allgemein sein; es wird dann aber
auch die Rechnungsnummer dabeistehn, die man
in der Buchführung der Volkswirtschaft hat. Da—
mit könnte man in jedem beliebigen Postwaren⸗
haus kaufen; die Quittung, die man ausstellt,
würde von da an die richlige Stelle befördert wer—⸗
den.

In grohen Gastwirtschaften, Theaterkassen
u. dal. könnte ein Buchführungsbeamter Dienst
        <pb n="33" />
        31

tun; Straßenhandel aber sollte es in einer geord⸗
neten Volkswirtschaft überhaupt nicht geben.

Immerhin müßte man für Autos, Gepäckträger,
u. a. eine brauchbare Einrichtung schaffen. Dazu
könnte z. B. ein Stempel mit der Rechnungs—
nummer dienen, den man bei sich trägt und mit
der man die durch Vordruck vorbereitete Quit⸗
tung schnell abstempeln kann. Der Betrag dieser
abgestempelten Quittungen wird dem Autoführer
oder Lastträger gutgeschrieben.

Wer an der Möglichkeit, das in der Buchfüh—
rung richtig zu kontrollieren, zweifelt, der denke
sich folgendes: Man kann sich in seinem Buch—
führungsamt einen Zwanzigmarkschein oder, wenn
das Guthaben langt, einen Hundertmarkschein
ausstellen lassen, der aber ähnlich der Postaus—
weiskarte aus einem zusammengefalteten Stüch
dünner Pappe besteht. Dieser Schein hat, wie
jeder Scheck, seine besondere Nummer; der Buch—
führungsbeamte schreibt aber auch die Rechnungs⸗
nummer des Inhabers hinzu und Datum und Be—
trag. Wenn der Inhaber nun im Restaurant 4
Mark verkneipt hat, muß er natürlich zuerst die
Quittung über das Empfangene unterstempeln,
dann holt er statt der Geldtasche seine Zwanzig—
markkarte hervor, und der Wirt oder Kelmmer
——
Restbetrag 16 Mk. dahinter. Ebenso wird jeder
folgende Betrag davon abgeschrieben, bis die
20 Mk. zu Ende sind. Der Schein oder die Karte
muß in bestimmter Zeit wieder beim Buchfüh—
rungsamt abgeliefert werden.

Nun, weitere Einzelschilderungen sind unzweck—
mäßig, weil sie erfahrungsmäßig den Leser öfter
verwirren als aufklären; jedenfalls kann, wer
sich die Mühe nimmt, ausprobieren, daß das Ver—
fahren im Ganzen rascher vor sich geht als die
        <pb n="34" />
        Zahlungen mit dem Wechseln und dem Nichther—
ausgebenkönnen.
Der Verkehr mit dem Auslande.

Was nun aber den Verkehr mit dem Auslande
anlangt, so handelt es sich dabei nicht nur um die
Zahlungsart, sondern um die Ausdehnung des
Handels selbst. Die gesunde Volkswirtschaft hat
kein Interesse an der großen Ausdehnung des
auswärtigen Handels. Dies Interesse haben nur
Leute, die gern schwer reich werden möchten,
und dieses Verlangen scheidet in der gesunden
Volkswirtschaft volllommen aus. Die hat gar
kein Interesse daran, daß einige ihr Zugehörige
schwer reich werden; ja sie hat das dringende In—
teresse, daß kein ihr Zugehöriger sein Hauptver—
mögen im Auslande hat. „Wo Euer Schatz ist,
da ist euer Herz“ sagt das Evangelium und hat
damit, was ihm nicht oft passiert, sogar national—⸗
ökonomisch recht! Vollsgenossen, die ihr Herz im
Auslande haben, sind im Inlande soviel wert
wie Dynamitpatronen in der Nähe des Küchen⸗
herdes.
Der Außenhandel der vernünftigen selbstbewuß—
ten Volkswirtschaft kann nie den Zweck haben,
irgend welche Konkurrenz auf dem Weltmarkt tot—
zumachen; diese schöne Absicht hat uns in den
Weltkrieg geführt und selber, wenn nicht totge⸗
macht, so doch im strengsten Sinne des Wortes in
Ohnmacht fallen lassen; so lange wir darin liegen,
können wir nicht, und wenn wir zu neuer Kraft
erwachen, wollen wir nicht diese Totmacherei
wieder anfangen, die man lucus à non lucendo
auch „friedlichen Wettbewerb“ nennt!

Nur — unser Volk hat in einzelnen seiner Teile
Bedürfnisse nach bestimmten Auslandswaren, und
die müssen wir, wie bis her (was das Geld nur
        <pb n="35" />
        33

verschleiert hat) aus unserer eigenen Produktion
bezahlen. Und da kann uns — selbst den Teufel
kann man mutzen, wenn man ihn zu behandeln ver⸗
steht — das Dawes-Gutachten zustatten kommen.
Es müßte den Feinden klar gemacht werden, daß
wir selber längst kein Geld mehr haben, daß wir
also alles Geld, was wir ihnen bezahlen, erst
ihnen durch überlegene Konkurrenz auf dem Welt—
markt abnehmen müssen und daß das doch eigent⸗
lich ein schlechtes Geschäft für sie ist!

In ihrem eigenen Interesse ist es, wenn sie sich
überlegen, welche Waren ihre Länder am besten,
ohne die eigene Industrie zu schädigen, aufnehmen
können; und die hätten wir ihnen dann alliährlich
zu liefern, bis — nun sagen wir, bis die Welt—
lage sich ändert. Oder schweigen wir über die—
sen Punkt lieber ganz.

Neben diesen Waren, die wir als Lösegeld
zahlen, sind wir bereit, andere in Zahlung zu
geben für solche Waren, die das Ausland uns
liefern möchte und sollte; und derartige Verträge
müßte im Anschluß an das Dawesgutachten unser
Großhandel zustande bringen und dauernd leiten.
Die Zahlungen an uns würden an ausländische
Banken gehn, und mit diesen Geldern würden wir
den notwendigen Import bezahlen. Die handeln—
den Firmen müßten also mit den Vertretern der
Volkswirtschaft abmachen, welche Waren und
welche Quantitäten dafür in Betracht kommen.
Von der inneren Verfassung der Betriebe.

Dies sind nur die für ein Bild notwendigsten
Umrisse der selbstbewußten Volkswirtschaft. Wir
müssen doch wohl noch einige Züge besser heraus—
arbeiten. Wir haben z. B. bisher nur gelagt, daß
jeder Betrieb in seiner Arbeit selbständig bleibt
und daß ihm nicht etwa von Volkswirtschafts wegen
        <pb n="36" />
        34

hineingeredet wird. Es läßt lich aber doch nicht
leugnen, daß die innere Verfassung der Betriebe
durch ihre veränderte Stellung zur Volkswirt-
schaft sich auch notwendig ändert.

Das erste und wichtigste: Kann in der selbstbe⸗
wußten Volkswirtschaft ein Betriebo erkäuf⸗—
lich sein? Man könnte dazu „ja“ sagen für die
Werkstätte eines Handwerkers oder für eine Sied—
lung, deren Besitzer alle Hauptarbeit selber macht.
Aber auch da schon könnten sich Zweifel regen.

Jeder Betrieb ist ein Teil vom Knochengerüst
des Wirtschaftskörpers; das, was auf Grund der
„Ansprüche“ erworben werden kann, ist den Er—
nährunasflüfsigkeiten, dem Blut oder der Lymphe,
zu vergleichen. Einen Betrieb, auch den kleinsten,
verkäuflich machen, wäre etwas Ahnliches wie
einen Knochen in Blut zurückzuverwandeln! Das
ist nicht möglich; wohl aber gibt es Knochen⸗
erweichung, und das ist eine sehr schwere
Krankheit, die wir dem Volkswirtschaftskörper
nicht zumuten dürfen.

Das Gesündeste wäre doch wohl, wenn der
Handwerker, der sich zur Ruhe setzen möchte, ein⸗
fach den Betrieb, wie es Jahrhunderte üblich war,
seinem Sohne übergäbe oder, falls der einen
anderen Beruf vorzöge, irgend einem anderen, der
ihm zur Fortführung am geeignetsten erscheint.

Aber diese Sachen werden sich in der Praxis
regeln, vielleicht so, daß der, der über seinen Be⸗
trieb den Anforderungen der Volkswirtschaft ge—

mäß versügt, ihn also etwa dem übergibt, der den
Berufsgenossen als der geeignetste erscheint, von
der Volkswirtschaft eine reichliche Altersrente er⸗
hält.

Die Vererbung des Bauerngutes hat sich
immer noch viellach seit Jahrhunderten erhalten;
sie dürfte sich neu befestigen und den Charakter
        <pb n="37" />
        unseres Volles als Wurzelvolk wieder stärker her⸗
ausarbeiten. Dazu gehören aber ebensosehr die
größeren Güter, nur daß bei diesen die erst
seit dem vorigen Jahrhundert in gefährlicher
Weise grassierende Verkäuflichkeit beseitigt werden
muß. Am besten wäre es, wenn der ursprüngliche
Charakter eines erblichen Amtslehens sich wieder—
herstellte und wenn die Erblichkeit sich auch wie
in früherer Zeit auf die übrigen Gutsangehörigen
erstreckte.

Aber hier ausgedachte Formen im Voraus zu
verkünden, erscheint unzweckmäßig; die müssen sich
aus der Praxis ergeben. Festzuhalten erscheint
mir nur, daß der Gutsherr nicht jeden Guts—
angehörigen willkürlich entlassen kann. Der Guts—
besitzer dem das als Minderung seiner Stellung
erscheint, möge bedenken, daß das nur die andere
Seite derselben Einrichtung ist, die es auch dem
Hypothekengläubiger unmöglich macht, ihn selbst
von Haus und Hof zu vertreiben.

AÄhnlich wie Landgüter werden wohl auch die
industriellen Betriebe zu behandeln sein, die
von Persönlichkeiten geschaffen und in der Familie
vererbt sind, nur daß da wohl noch deutlicher
der Charakter der monarchisch geleiteten Werk⸗
gemeinde vielleicht gar in einer geschriebenen Ver—
fassung zur Geltung kommen durfte.

Man möge das recht verstehn: ich mache hier
nicht bindende Vorschläge, sondern suche
vorauszusehen, was von selber entstehn wird. Ich
denke mir die Fabrik in der felbstbewußten
Volkswirtschaft als eine Gemeinde, die aus
zum größten Teil verheirateten Mitgliedern be—
steht, von denen jeder mit Frau und Kindern
in einer Kleinsiedelung wohnt und seine Stelle
einem seiner Söhne zu vererben hofft. Neben
diesen wohnen in besonderen Junggesellenhäusern
        <pb n="38" />
        — 36 —

unverheiratete Mitarbeiter, die sich als Anwärter
auf frei werdende oder neu zu schaffende Mit—
gliederstellen betrachten, aber gewärtig sein müs—
sen, bei Einschränkung des Betriebes durch Ab—
satzverminderung entlassen zu werden und wo—
anders eine ähnliche Stelle suchen zu müssen.
Außerdem haben sie die Hoffnung, an einem neu
zu gründenden Betrieb als Mitglieder anzukom—
men. Alle aber haben Gemeinschaftsräume, Biblio—
thel, Leseräume, Versammlungssaal zu Vorträgen
und Beratungen; und wenn das Jahr einen
Überschuß ergibt, so nimmt der Fabrikherr nur
einen Teil davon für sich; über die Verteilung
des Übrigen beschließt die Werkgemeinde.

Gänzlich verschwindet natürlich die Aktienge-—
sellschaft; auch sie wird Werkgemeinde,
die mit den Aktionären gar nichts mehr zu schaffen
hat, sondern selbst ihren Generaldirektor wählt,
im Übrigen aber der monarchischen Werkgemeinde
gleicht.

Damit kommen wir aber noch wieder an schwie—
rige Probleme heran. Die Aktionäre sollen nichts
mehr zu sagen haben! Und gar — die Arbeiter
sollen wohl über die Dividende bestimmen, wäh⸗
rend sie sich gleichzeiiig am Gewinn beteiligen!
Da würde was Schönes rauskommen!

Freilich; aber so ist es nicht gemeint. Wenn
auch den Tätigen nicht mehr zugemutet werden
kann, für Untätige zu arbeiten, die irgendwie
Geld angehäuft haben und durch Aktienkauf Mit—
besitzer waren, so sollen doch Rechte, die bisher
nach allgemeiner Meinung als „wohlerworben“
galten, nicht ohne Entschädigung auf—
aehoben werden. Da scheint der beste Ausweg der
zu sein: der Betrieb ist gewöhnt, die Abgabe zu
leisten, die als Dividende bezeichnet wird. Diese
Abgabe war schwankend, also in guten Jahren
        <pb n="39" />
        37

größer. Wir beseitigen die Schwankung, indem
wir den Betrag etwa auf den Durchschnitt der
letzten drei Jahre festsetzen. Diese Abgabe erhebt
aber von nun an die Volkswirtschaft, in⸗
dem sie einfach alliährlich den Betrag vom Gut⸗
haben des Betriebes kürzt. Sie selbst aber ge⸗
währt den Aktionären die gewohnten Bezüge —
auch in dreijährigem Durchschnitt — als Rente;
d. h. sie schreibt diese Beträge alljährlich den
früheren Aktionären gut.

1J
Keine Schuldverhältnisse zwischen Einzelnen.

Und damit sind wir denn an einem weiteren
Grundsatz angelangt, der Millionen von Feind⸗
schaften innerhalb der Volkswirtschaft und des
Volkes beseitigen soll: in der geordneten selbstbe⸗
wußten Volkswirtschaft soll niemals ein Betrieb
oder ein Einzelner einem anderen Betriebe oder
Einzelnen etwas schuldig sein! So wie wir es
eben sahen, soll sich überall die Volkswirtschaft
zwischen Gläubiger und Schuldner einfügen, wo—
durch dem Gläubiger sein Einkommen, dem
Schuldner die Gemütsruhe gesichert wird.

Alle Mahnungen, Klagen, Zwangsvollstreckun⸗
gen hören auf, ebenso wie alle direlten und in⸗
direkten Steuern aufhören; die Beamten in den
Finanzämtern, die Angestellten in Banken und
Versicherungsämtern und Gesellschaften erhal⸗
ten eine mehrjährige Ordnungsarbeit in den „A b⸗
lösungsämtern“, bis sie in die Buchführung der
Volkswirtschaft übernommen werden. In diesen
Ablösungsämtern werden alle Schuldurkunden zu—
sammengebracht, Gläubiger und Schuldner gehört,
wenn es nötig scheint und sie es selber verlangen;
dann wird festgestellt, invieweit die Schuld beim
Weiterbestehn der alten Einrichtungen einbringlich
gewesen wäre, und untersucht, ob sich dieser Be—
        <pb n="40" />
        — 38 —
trag durch Abzüge vom Einkommen des Schuld⸗
ners aufbringen läßt. Über die größte Höhe dieser
Abzüge werden natürlich vorher gesetzliche Bestim⸗
mungen getroffen. Jede Schuld wird so angesehn,
als ob sie zu normalem Zinsfuß zu verzinsen und
zu amortisieren wäre. Dann wird dem Schuldner
ein jährlicher Abzug auferlegt, dem Gläubiger
eine jährliche Rente zugesprochen, beides für eine
bestimmte Reihe von Jahren. Von Stund an
haben aber Schuldner und Gläubiger nichts mehr
mit einander zu tun; um es kraß zu sagen: Die
Rente an den Gläubiger wird bis zum Endtermin
weiter gutgeschrieben, auch wenn der Schuldner
früher stirbt oder sonst in eine Lage kommt, wo
die Abzüge gesetzlich unzulässig werden. Freilich
müßte auch der Schuldner weiter zahlen, wenn
der Gläubiger in die Lage käme, keine Gutschrif⸗
ten mehr zu erhalten. Über die Erblichkeit der so
entstandenen Renten müssen besondere gesetzliche
Bestimmungen getroffen werden. Sie dürften sich
bei iedem Erbanfall vermindern entsprechend der
schon jetzt üblichen Erbschaftssteuer.
Aufwertung.

In diesem Ablösungsverfahren wird also eine
Gesamtaufnahme dessen geleistet, was man Pri—
vatvermögen nennt, und dabei wird es durchaus
nötig sein, sich nicht auf Betrachtung des Status
quo zu beschränken, sondern auf die früheren
Jahre zurückzugreifen und zwar bis vor die In—
flation. Das ungeheuerliche damals von den Geld⸗
mächten begangene Unrecht muß, soweit es noch
geht, wieder gut gemacht werden. Namentlich die
Gesamtheit darf sich ihren Verpflichtungen nicht
entziehn; was sie schuldet, mag es Kriegsanleihe
oder Sparkassenguthaben oder alter, früher im
Vertrauen auf das Deutsche Reich gewerteter
        <pb n="41" />
        39 —

Tausend- oder Hundertmarkschein sein, muß als
Schuldurkunde der Volkswirtschaft anerkannt wer⸗
den. Dadurch wird die Volkswirtschaft weiten und
wichtigen Volkskreisen die Überzeugung beibringen,
daß die Willkür der Geldherrschaft vollständig
vorbei ist und Recht und Billigkeit wieder am
Regiment sitzt. Die Sparkassenguthaben werden
ohne Weiteres Guthaben bei der Volkswirtschaft,
ebenso das vor der Inflation ausgegebene Pa—
piergeld; die Kriegsanleihe wird als Rente in
der Höhe der von ihr verheißenen Verzinsung
gutgeschrieben. Wenn freilich einem, der derartige
Papiere einreicht, nachgewiesen werden kann, daß
er sie selbst erheblich unter dem Wert bezahlt
hat, dann hat er nur diesen Betrag, der Ver—
käufer aber den Hauptbetrag zu beanspruchen.

Übertragung von einem Konto auf das andere.

Als Unbequemlichkeit wird eine andere aller—
dings unerläßliche Folgerung aus den oben be—
handelten Grundsätzen empfunden werden: Es
kann in der geordneten Volkswirtschaft niemand
dem anderen Geld borgen, weils ja keins gibt;
aber er kann auch nicht leihweise oder als Ge—
schenk einen Betrag von seinem Guthaben auf das
eines anderen überschreiben lassen oder doch nur
in gesetzlich genau bestimmten Fällen wie zwi—
schen Ehegatten oder vom Vater auf den Sohn.

Es mögen andere Fälle vorgesehn werden, wo
es zwar nicht ganz verboten, aber an besondere
Genehmigung gebunden ist. Das könnte 3. B.
der Fall sein, wenn ein Vrivatmann irgendeinen
Gegenstand an einen anderen verlaufen will. Dar⸗
über ist jedesmal in der Buchführung der Volks⸗
wirtschaft eine besondere Urkunde aufzunehmen.
Auch diese Dinge, die jetzt manchem als Erschwe—
rungen erscheinen mögen, werden in der Praxis
        <pb n="42" />
        40

eine Fülle von Hader und Zwist beseitigen; es
handelt sich um lauter Fälle, in denen eine Über—
vorteilung möglich ist, also ein Rückfall in Seelen⸗
zustände, aus denen wir uns in eine gesunde
Volkswirtschaft hineinretten wollen.

Ausländische Papiere.

Ebenso wird mancher erschrecken, wenn wir den
Besitz ausländischer Papiere, einerlei ob Staats—
anleihen oder Aktien, verbieten und als Strafe
dafür Verlust der Reichsangehörigkeit und Aus—
weisung festsetzen. Aber wir schicken dadurch diese
werten Volksgenossen ja nur ihren eigenen Herzen
nach! „Wo euer Schat ist, da ist euer Herz.“

Ausländisches Geld ist ebenfalls im Inlande
verboten; wo es gesehn wird, muß es eingezogen
werden. Wer ins Ausland reisen will, erhält im
Buchführungsamt Geld des Landes, in das er
reisen will, in versiegeltem Umschlag, den er erst
jenseits der Grenze öffnen darf. Ausländer erhal⸗
len ebendort oder schon im deutschen Konsulat im
Ausland gegen Zahlung in ihrer Währung ein
Guthabenbuch, das fie so benutzen können, wie es
oben vom Zwanzigmarkschein geschildert ist. Eine
irgendwie merkbare Erschwerung des Reisever⸗
kehrs ins Ausland oder vom Ausland ist das
nicht. . α
Der gewöhnliche Lebensgang.

Betrachten wir nun noch den Ablauf des ge—
wöhnlichen Lebensganges in der selbstbewußten
geordneten Volkswirtschaft, wobei wir einige noch
nicht erwähnte Sachen nachzuholen haben, und be—
ginnen wir bei dem, was der Volkswirtschafts⸗
anarchie gleichgültig, uns aber die Grundlegung
für den neuen Volksaufbau ist: der Eheschlie—
ßung. Ich erwähnte noch nicht, daß die Volks—
wirtschaft das zwingende Interesse, das sie an
        <pb n="43" />
        41

der Aufziehung neuer Volksgenossen, also an der
Erneuerung ihres wirklichen Volks—
vermögens hat, dadurch betätigt, daß üe Ehe—
paare, von denen beide Teile zum ersten Male hei—
raten und beide innerhalb der für gesunde Ehen
bvorteilhaften Altersgrenzen stehn, ein Aussteuer—
guthaben eröffnet, das zur Beschaffung dessen,
was man einen bürgerlichen Hausstand nennt,
ausreicht.

Das GEuthaben erleidet eine Beschränkung; es
dürfen dafür nur solche Gegenstände geliefert wer⸗
den, die dem angegebenen Zweck dienen. Eine
Liste dieser Gegenstände wird feltgestellt.

Der Mann bezieht natürlich sein bisheriges
Einkommen weiter, die Frau aber, wenn sie
nicht — was wir in diesem Fall nicht gern sehn
— in einem Beruf steht, hat wie alle das Gut—
haben, das wir den „Unterhalt“ nennen, das also
für bescheidene Ernährung, Wohnung und Klei⸗
dung eines Einzelnen ausreicht. Mann und Frau
können ihre Guthaben ohne Weiteres auf ein⸗
ander übertragen, also Wirtschaftsgeld und son—
tige Ausgaben trennen.

Bei der Geburt des ersten Kindes wird
für dieses wie für jedes folgende eine „Ausstat—
tung“ gewährt, d. h. ein Guthaben, das zu deren
Beschaffung hinreicht. Außerdem gibt es für das
Kind eine jährlich wachsende kleine Unter—
haltsrente, für die Mutter aber die Mut—
terrente, eine erhebliche Erhöhung des Unter—
halts. Die Kinderrente wächst bis zum 14. Le—
bensjahr, wo sie den Unterhalt erreicht. Schul—
unterricht ist durchweg unentgeltlich; nur soweit
Schüuler in Pension gegeben werden müssen, wird
ihr Unterhalt dazu herangezogen. Jeder, dem
von seinen Lehrern das Studieren angeraten wird,
erhält dazu eine Reihe von Jahren einen erhöhten

5
        <pb n="44" />
        — 42 —

Lebensunterhalt; den andern wird dazu der ge—

wöhnliche Lebensunterhalt gewährt. Wie es nach

dem Eintritt in einen Beruf wird, ist früher schon
hinreichend angedeutet.

Nur noch eine Einrichtung möchte ich erwähnen,
die das Schuldenmachen z. B. auch der Studenten
nicht nur unmöglich, sondern auch un—
nötig machen, also den Schmerz der
Unmöglichkeit beseitigen soll. Wer in eine neue
Lebenslage eintritt, erhält von dem dafür aus—
gesetzten Guthaben eine Woche im Voraus als
Einführungsgeschenk; sonst wird das Guthaben für
die Woche (das ja meistens Arbeitsverdienst ist
und beim Studenten wenigstens so angesehn wird)
erst am Sonnabend fällig. Wenn nuün der Stu⸗
dent, was vorkommen könnte, dies erste Gut—
haben am ersten Abend in Genüsse umsetzt, dann
stände er vor dem Nichts, in welchem Fall er jetzt
Schulden macht. Das ist dann nicht mehr moͤglich,
und um ihn aus dieser Verlegenheit zu retten,
wird ihm auf seinen Antrag sein Guthaben täg—
lich gutgeschrieben; er kann den Betrag für Mon—
tag also schon am Montag zum wirklichen Lebens—
unterhalt verwenden.

Der weitere Aufstieg im Leben wird sich sonst
von dem jetzigen hauptsächlich dadurch unterschei⸗
den, daß der junge Mann nie unter den entsetz⸗
lichen Folgen des Schuldenmachens zu leiden hat.
Kein Kneipwirt kann ihm pumpen, denn er muß

für jedes Glas Bier die unterzeichnete datierte
Quittung einreichen, die er in seinem eigensten
Interesse nur ausstellen kann, wenn er, wie wir
sahen, auf entsprechende Tilgung des Guthabens
(auf dem Zwanzigmark-⸗ oder sonstigen Schein, den
der andere vorzuzeigen hatte) bedacht gewesen ist.

Ich glaube, daß die Folgen dieser Einrichtungen
sehr stark sein werden. Jetzt überschüttet man die
        <pb n="45" />
        3

jungen Leute mit Ermahnungen, elterlichen und
anderen Mahregelungen bis zur Verstoßung; und
dann glaubt man, durch diese Ermahnungen einen
so festen Panzer gegen alle Versuchungen gegeben
zu haben, daß man diese Versuchungen ganz un—
gestört walten und wirken läßt, d. h. man gibt
vor, redet sich und anderen ein, das zu glauben;
in Wirklichkeit glaubt mans nicht, denn man
weiß doch, wies in der eigenen Jugend gewesen
ist. Aber etwas tun, um die Versuchungen zu be⸗
seitigen? Die Versucher sind doch biedere Bürger,
die bloß Geld verdienen wollen. Und Geld zu
verdienen, ohne es gradezu zu stehlen, ist und
bleibt doch nun einmal das höchste gesunde Stre—
ben jedes angesehenen Bürgersmannes. Geht ein
junger Mensch dabei zu Grunde — na so ist der
ganz allein schuld! Er hätte ja nicht zu saufen und
zu pumpen brauchen! Gezwungen hat ihn ja nie⸗
mand. Hätte er Charakterstärke genug gehabt,
so hätte er nicht mehr verbraucht als er hatte.
Also nicht der Kneipwirt, nicht der Geldverleiher
ist schuld, sondern nur der Charakterfehler des
jungen Mannes.

Ich wiederhole eine frühere Ausführung: auch
mir erscheint ein solcher Kneipwirt nicht als
schlechter Kerl; er muß sich sagen: mache ich das
Geschäft nicht, so machts die Konkurrenz, und
wenn das immer so ist, dann mache ich Pleite, und
das kann ich vor meiner Familie nicht verant⸗
worten. Aber die Einrichtung, die den Kneip—
wirt in diese Notwendigkeit bringt, ist moralisch
verwerflich.

Schluß.
Wenn wir die gesunde selbstbewußte Volls—
wirtschaft, die durch dies Bewußtsein eben die in⸗
neren Schäden merkt und auf ihre Beseitigung
        <pb n="46" />
        bedacht ist, recht betrachten, dann werden wir
finden, daß die Beweggründe zumindest von
drei Vierteln aller bisher üblichen Verbrechen,
wahrscheinlich noch mehr, beseitigt sind. Und
wenn es auch sicher kein Schlaraffenleben wird,
so wird es doch köstliche Mühe und Arbeit, aus—
reichende Erholung und Freiheit zu frohem Den—
ken und Erleben, zu wirtschaftlichem, wissenschaft⸗
lichem und künstlerischem Schaffen geben. Wie leicht
wird es dann, Künstlern von anscheinend höherer
Begabung durch ausreichende Lebensrenten ein
sorgenfreies Schaffen zu sichern! Wenn da auf
10 Nieten auch nur ein Treffer kommen sollte,
so ist doch damit Großes geleistet.* Man muß
immer auch bedenken, daß durch jede solche Rente
nicht nur die Debetseite der Volkswirtschafts⸗
buchführung belastet wird, sondern auch ein neuer
Konsument entsteht, genug, daß die Rente nicht
Ausgabe, sondern Reizmittel zum Schaffen ist.
Wenn im nächsten Jahre sich unsere Produktion
um 10 Proz. erhöht, so haben wir eben 10 Proz.
mehr unter die Volksgenossen zu verteilen, und
wir machen das auf die einfachste Weise, indem
wir die Verbraucherpreise herabsetzen! Diese
Möglichkeit haben wir durch Rationalisierung und
Ausschaltung des Handels und Abschaffung des
Geldes erreicht! Wir produzieren nicht mehr Un—
nötiges auf Spekulation, sondern genau das, was
verlangt wird, und da wir alle unsere Kräfte
darauf verwenden können, keine für Unverlang⸗
tes verschwenden, darum wirds auch was! Das
ist Wirtschaft; zunächst Volkswirtschaft! Aber
wenn ein Volk anfängt, es vormacht und die an⸗
dern sehn, wie gut es geht, dann machen sies
auch so, und dann *8 héeraus aus der
Weltwirtsch— — —
        <pb n="47" />
        15 —
Volitische Schriften von Berthold Otto.
Kriegsrechenwirtschaft (1916). Preis 1.50 Mbk.

Während des Weltkrieges wurde diese Schrift bei
der Regierung eingereicht als Vorschlag zur Rettung aus
den Klauen unmoöglicher und, überlebter Wirtschafts—
formen. Sie wurde zu den Akten gelegt, und Deutsch—
land, zerbrach. Auch heute noch aktuell, wie am Tage
des Erscheinens. Die Grundsätze dieses Buches sind die
selben, wie in den anderen Schriften des Verfassers
Unabhängigkeit der wirtschaftlichen Leistungsfähgkeit
vom sogenannten Kapital. Die Arbeitskraft kann jeder⸗
zeit flüssig gemacht werden, aber nicht durch Geld,
sondern nur ohne Geld, durch Rechenwirtschaft.
Volksorganisches Oenken (1926).

4 Bände, Preis Leinen gebd. je 8.— Mk.

Dieses Werk bezeichnet B. Otto als sein Haupt⸗
und Lebenswerk. Er saßt darin seine pädagogischen
und politischen Gedanken mit Hilfe der Seelenkunde zu
einem großen Gemälde von der Zukunft des deutschen
Volkes zusammen. Diese Zukunft kann unser. Volk nie—
mals anders als, mit Hilfe des volksorganischen Den—
sens gewinnen, Ein Wert, in dem das deutsche Volk
sich Bewußtheit seiner selbst, seiner geistigen Tiefe und
ittlichen Höhe erwirht. Durch dieses Buch werden wir,
wenn wirs recht verstehen, mehr zurückerobern, als wir
verloren haben.
Mammonismus, Militarismus, Kries und
Frieden (1917). Preis 5.— Mu.
Zier wird inmitten des Weltkrieges der, Nachweis

geführt, daß nicht Liberalismus und Händlertum im

Sinne des Manchestertums Friede und Freiheit he—

deuten, sondern der vielgeschmähte Militgrismus in.bester

Weise jene beiden Güter garantiert. In feiner seelen⸗

kundlich genauer Darstellung wird uns das wahre Wesen

des Soldatentums, der, ailgemeinen Wehrpflicht und
des Opferwillens fürs Vaterland vorgeführt und, dem—
degenüber, gezeigt, wie gewinnsüchtiger Eigennutz die

Welt in Krieg und Elend stürzt. Ein Buch voll Mah—

nung, und Prophetengeist, das leider weder‚gegen die

Phrasen der gutgesinnten, noch gegen den Verrat der

schlechtgesinnten Vreffe sich durchseßen konnte. Weil es
        <pb n="48" />
        46 —
während des Krieges geschrieben wurde, bedeutet es
die glänzendste Rechtfertigung des Militarismus und
die erschůtternoste Anklage des Mammonisne
Wilhelm I. und wir (1926).
Volksausgabe 2 — Mk. Geschenkausgabe 6.— Mk
Den Treuen Bestätigung, den Wankenden Befesti—
gung, den Abtrünnigen ernste Mahnung. Ein Wert
pon Aberdeutscher Bedeutung imser uen Motto: Und
die Treue sie ist doch kein seerer Wahn. Hier is
das Rüstzeug, die Angriffe auf den Kailer siegreich
niederzuschlagen.
Die Abschaffung des Geldes (1926).
Preis 1.Mhe.
Ein Titel, der den des Gelddenkens gewohnten
unsozialen Menschen vie n: „Das Geld oder das
Leben! schredt. Vber die Sache ist gar nicht so ängit
lich. Ein konsequent durchgeführter dargeloloser Post⸗
checkverlehr shafft so wiese Geld ab. B. Dtlo
zieht nur die Teßten Kon equenzen aus der gan na tür⸗
lich sich vollziehenden Entwicdlung und, fördert die Be—
wegung. die auf eine großartige Vereinfachung unseres
Wirtschaftslebens abziernt. Der Handel wird „ohne Geldo
mehr und Besseres leisten ai— bisher. Nur nicht fur den
hewissenlosen Börsenfpieler, der in dieser Schrift ai—
überflüssiger Schadling demackient muege
Der freie Handel und die deutsche Zukunft.
Preis 050 Mk.
Der exakte Nachweis, daß Deutschland bei unbe—
grenzter Gäültigkeits dauet der Freihande slehre weder
ittlich noch geistig noch politisch eine Zukunft hat.
Allem Mammonsdienst entgegenstemmend den Gedan
ken einer deutschen Wirtschaft die dem Namen Nauo—
nalökonomie endüch einmal Ehre machen wuüͤrde den
ie natignal und bkonomnch vtwag vom Freihandei
nicht behauptet werden Lonn.
Lerlag des Hauslehrers. Berlin-Lichterfelde
        <pb n="49" />
        47 —

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An
18
⸗
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2
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outß

Eksgeist“
7 — 1260 Verlag des
7. Jahrgang.
Erscheint 2ꝛ mal im Monat. Preis 150 M&amp;. viertelsährlich
durch Post und Buchhandlung. Direkt vom Verlag im
Umschlag 1.80 Mk.

Eine Halbmonatsschrift, die im 26. Jahrgang, ge—
au seit Beginn des 20. Jahrhunderts erscheint, braucht
hr Daseinsrecht und ihre Nolwendigkeit nicht mehr zu
beweisen. Äber jeden, der fie noch nicht kennt, muß es
interessieren, sie kennen zu lernen. Berthold Ottos Blatt,
das den Üntertitel rägt: Wochenschrift zur Verständigung
zwischen allen Schichten des Vokes“, wendet Jich aus—
snamslos an Jeden, an, Reich und Arm, Hoch und
Niedrig, an den Ärbeiter und, Beamten, den, Arzt
und den Kaufmann, den PVrofessor und den Lehrer,
an jeden, der deutsche Verantwortung fühlt, an jeden,
der daruber nachdentt, wie Deutschland zu heifen sei,
vox allem ohne Unterschied an alle Parteien, Bert—
hold Vtto darf das; deun,er denkt zwar nicht indif—
serent, aber partenos für das, Ganze Sein Blatt, ist
poltiisch aber nur im fortschrittuichen Sünne mit eben
dem Ziele der Herstellung einer orgagischen Volksge-
einschaft. Für diese gibt es zwei Vorxraussetzungen;
Volksorganisches Denken, und Geme nwirtschaft. Ss ist
lein Blaͤtt vokzergeherisch. und wirtschafispoltisch ein-
Jestellt. Aber freilich ist ihm Politike mehr als nur
Wirtschaft. Die Unwägbarkeiten, der deutschen Volls—
eele werden überall derüchsichtigt. Die deutsche Volks-
gemeinschaft, wird aus dem deutschen Volkscharakter
tthisch entwichelt. So Ist seine voig unabhang ge, Zeit—
chrift ein unentbehrlicher Wegwesser in ene bessere
Zutunft, die sich aus besten Werten der Vergangenheit
auf dem Wege üͤber eine richtig verstandene Fege
wart gewastlos entfaltet. Jeder, der dieses Blatt üest,
wird ein Diener am inneren Frieden Deut hlands, der
p⸗ so not tut. Probenummern versendet der Ver⸗
— Sauslehrers. Berlin⸗Lichterfelde auf Wunsch un⸗
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Gelddenken und Schriftdenken führen
unrettbar zum Untergang. Retten kann
allein volksorganisches Denken! Tretet
dem Bunde für inneren Frieden bei!
Grundsätze des Bundes kostenlos von
der Hauptgeschäftsstelle Otto Remmert,
Gevelsberg. Postschecktonto Nr. 31144
Dortmund.

Druck von Wilheim Möller, Oranienburg.
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husend⸗ oder Hundertmarkschein sein, muß als
chuldurkunde der Volkswirktschaft anerkannt wer⸗
m. Dadurch wird die Volkswirtschaft weiten und
schtigen Volkskreisen die Überzeugung beibringen,
iß die Willkür der Geldherrschaft vollständig
Irbei ist und Recht und Billigkeit wieder am
egiment sitzt. Die Sparkassenguthaben werden
e Weiteres Guthaben bei der Volkswirtschaft,
senso das vor der Inflation ausgegebene Pa⸗
ergeld; die Kriegsanleihe wird als Rente in
er Höhe der von ihr verheißenen Verzinsung
utgeschrieben. Wenn freilich einem, der derartige
apiere einreicht, nachgewiesen werden kann, daß
lie selbst erheblich unter dem Wert bezahlt
at. dann hat er nur diesen Betrag, der Ver⸗
eufer aber den Hauptbetrag zu beanspruchen.

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Jbertragung von einem Konto auf das andere.
Als Unbequemlichkeit wird eine andere aller⸗
inas unerläßliche Folgerung aus den oben be⸗
andelten Grundsätzen empfunden werden: Es
Jann in der geordneten Volkswirtschaft niemand
em anderen Geld borgen, weils ja keins gibt;
ber er kann auch nicht leihweise oder als Ge⸗
henk einen Belrag von seinem Guthaben auf das
nes anderen überschreiben lassen oder doch nur
ngesetzlich genau bestimmten Fällen wie zwi—
hen Chegatten oder vom Vater auf den Sohn.

Es mögen andere Fälle vorgesehn werden, wo
s zwar nicht ganz verboten, aber an besondere
ßenehmigunge, gebunden ist. Das könnte z. B.
ser Fall sein, wenn ein Privatmann irgendeinen
Segenstand an einen anderen verkaufen will. Dar⸗
ber ist jedesmal in der Buchführung der Volks—
virtschafi eine besondere Urkunde aufzunehmen.
Iuch diese Dinge, die jetzt manchem als Erschwe—
tungen erscheinen mögen, werden in der Praxis

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