SENSATIONEN ALS REKLAME 215 ausmacht, die ich ihr zu bezahlen habe, und der Ertrag der Konzerte für charitative Aufgaben, die sie in Großbritannien gab, war zehnmal so hoch wie die finanziellen Verpflichtungen, die ich einging.‘‘. Die Tatsache, daß Barnum seine ganze Hoffnung auf den glücklichen Erfolg dieser Reklamemethode setzte, wird auch durch folgendes, zwischen ihm und Jenny Lind stattgehabte Gespräch bewiesen: Jenny Lind: ‚‚,Wie können Sie es denn wagen, so viel Geld mit mir zu riskieren, da Sie mich doch nie haben singen hören?‘ Ich: „Ihr Ruf genügt mir.‘ Im übrigen gestand ich, daß ich auch auf ihre Charaktereigenschaften und auf den öffentlichen Eindruck ihrer Mild- herzigkeit baute. Ohne diesen Aktivposten hätte ich nicht daran gehen mögen, die schwedische Nachtigall nach den Vereinigten Staaten zu bringen. Ich war überzeugt davon, daß Ungezählte ihre Konzerte vor allem deshalb besuchen würden, weil sie die Persönlichkeit zu Gesicht zu bekommen wünschten, der der Ruhm grenzenloser Güte vorausging. c) Die sensationelle Reklame. Die Bedeutung der Sensation für die Personenreklame ist unabschätzbar. Sie bringt den Betreffenden in das Zen- trum des öffentlichen Interesses, in den Mittelpunkt des Ge- spräches und damit zu einer Berühmtheit, die, da das Publikum sich nie die Mühe nimmt, die Quellen und Ursachen der Be- rühmtheit zu unterscheiden, letzten Endes auf ihre Kunst über- tragen wird. Über die Art, durch Sensation Reklame zu er- regen, gibt der ‚„‚,Leitfaden der Reklame (Karl Gerolds Sohn, Wien, 1887)‘ folgenden Rat: „Die russische Fürstin, die dem Helden und Liebhaber von Stadt zu Stadt nachreist, sich schließlich vergiftet oder von ihrem Gatten nach Sibirien gebracht wird, das unschuldige Mädchen, das die Liebe des Tenors nicht erlangen konnte und sich in ein Kloster zurückzieht, der Brasilianer, welcher der Soubrette oder der Tragödin seine Millionen zu Füßen legt, von ihr aber abgewiesen wird und in seiner Heimat eine reich dotierte milde Stiftung unter ihrem angebeteten Namen gründet, der Gastspielantrag nach Amerika, der Streit mit dem Direktor, das aus einer allgemeinen Sammlung hervorgegangene, von den Bürgern einer Stadt überreichte Ehrengeschenk, das Gerücht, daß man Ur- sache eines Duells sei, der gestohlene Schmuck, das versuchte Attentat, die geplante Entführung, die in Aussicht stehende Erbschaft, die Ver- lobungsanzeige und der Widerruf derselben, die Alimentationsklage, wiederholte heimliche Mutterfreuden, schmeichelhafte fürstliche Aus- sprachen, das Dilettieren in allen möglichen Künsten usw. sind wirk- same Mittel. um Sensation zu erregen und damit für sich Reklame zu