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        <title>Die Abschliessung und Trockenlegung der Zuiderzee</title>
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            <forname>H.</forname>
            <surname>Wortman</surname>
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            <idno>1767657749</idno>
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3eer-Poortugael,.den :Nederland en Duitschland.
1902,

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1.

5.

Colijin,Hr De ecunomische toestund van Nederland,
1924.

Garaas,S: Het probleem der immigrätie in Nederland.
 Etwa 19528.

Groeninx, van Zoselen,R:De Amsterdamsche geest.
1917.

Hiemstra,P: Landbouw politiek. 1926.

5. Kol, H.H.v.: Het imperialisme van Nederland. 1901,

7. Roest van Limburg, Th.M: Ons volkskarakter. 1917.

3. Sneller,Z.W:De ontwikkeling d.Nederlandsche export-industrie.
 1925.

9. Twee gesprekken over de N.O0.T. 1916.

10.Vier brieven over de N.0.7. 1916.

11. Vlissingen. 1925.

12. Der wirtschaftliche Aufbau der Niederlande, 1927

13. Yortman, H: Tie Avschliessung und Trockenlegung
A.Z7uiderzees. 1928.
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Die Abschliessung

und

Trockenlegung

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/Zuiderzee.

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Gedrukt bij N.V. Drukkerij „De Residentie”, Pletterijstraat 103-107 - Den Haag.
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        VORWORT.

„Dieu crea le monde excepte les Pays-Bas qui
furent crees par les Hollandais.”.
Aus der französischen Zeitung „La Justice”.

Schon seit geraumer Zeit hatten wir die Absicht, auch weil
wir wiederholt von seiten des Auslandes dazu aufgefordert
wurden, für gebildete Ausländer, denen die Verhältnisse in Holland
 nicht ganz unbekannt «sind, in verschiedenen modernen
Sprachen eine kurze, sachliche und fassliche Uebersicht zu versifentlichen
 über die Geschichte, den Zweck und den heutigen
Stand der jetzt in der Ausführung begriffenen Zuiderzee-Werke.
Da nun neulich die beiden Kammern der niederländischen
Volksvertretung einen Gesetzentwurf angenommen haben, der
1.a. bezweckt, die Ausführung der Zuiderzee-Werke zu beschleunigen,
 waren wir der Meinung, dass wir die Veröffentlichung
einer solchen Uebersicht nicht länger aufschieben dürften,
Unser Mitglied, Herr Dr-Ing. H..Wortman, Generaldirektor der
Zuiderzee-Werke, als verantwortlicher Leiter der Ausarbeitung
sowohl als der Ausführung der definitiven Entwürfe der erste
Sachverständige auf diesem Gebiet, hat uns zu besonderem
Dank verpflichtet, indem er auf unsere Bitte sich sofort gern
bereit erklärte, die von uns beabsichtigte Uebersicht zusammenzustellen.
 .
Die einfachen, schmucklosen Worte, worin die, vorliegende
Uebersicht abgefasst ist, entsprechen ganz sowohl unserem
Nationalcharakter, dem alles, was nur einigermassen der
Reklame ähnlich sieht, zuwider ist, als der hohen Bedeutung
des betreffenden Problems; dessen Lösung sich das niederländische
 Volk zur Aufgabe gemacht hat. Die jahrhundertelange
Erfahrung, die unser Volk auf dem Gebiet der Wasserwirtschaft
und der Trockenlegung hat, wird es doch vielleicht nicht ganz
vor irgendeinem Misserfolg schützen können, welcher bei dem
Umfang, der Art und der Dauer eines Werkes, wie noch keines in
der Welt ausgeführt worden ist, selbstverständlich nich ausgeschlossen
 ist,
Wenn aber der ausländische Leser weiss, dass das ganze
niederländische Volk die baldige Vollendung dieses Werkes
wünscht, so wird ihn diese Tatsache mehr als hochfliegende
Worte davon überzeugen, dass man, dank diesem Werke, unserer
 Nation einen‘ Ehrenplatz in dem friedlichen Wettkampf
der Völker nicht missgönnen darf.

Der Hauptvorstand des Vereins
zur Förderung der Holland-Kunde im Ausland.
HAAG, im Juni 1926.
        <pb n="6" />
        Die Abschliessung und Trockenlegung
der Zuiderzee.

Inhaltsverzeichnis,

Seite.

Entstehung der Zuiderzee. Beschreibung des gegenwärtigen
 Zustands ......... 2.
Geschichte der Pläne für die Trockenlegung bis
zum Anfang der Ausführung .... „en
Die zwischen 1920 und 1925 ausgeführten Werke
Gesetzentwurf 1925 zur beschleunigten Ausführung
 der Werke, Beschreibung des näher ausgearbeiteten
 Entwurfs mit Angaben bezüglich Kosten
ınd Nutzen des ganzen Unternehmens ...............

7——11

I

12—21
2299

iM.
IV.

30-—477

Abb. 1.

Uebersichtskarte der Niederlande mit Entwurf
Trockenlegung der Zuiderzee 1925.
Abb. 2. Tiefenkarte Zuiderzee mit Wattengebiet.,
Abb. 3. Entwurf Van Diggelen 1849.
Abb. 4. Entwurf Beyerinck-Stieltjes-Leemans 1866— 1877
(Gesetzentwurf 1877).
Abb. 5. Bodenkarte der Zuiderzee,
Abb. 6. Entwurf Lely 1890,
Abb. 7. Werke Ostpunkt Wieringen.
Abb. 8. Werke Amsteldiep und Nordholländische Küste,
Abb. “ Näher ausgearbeiteter Entwurf Abschliessung und
Trockenlegung der Zuiderzee 1925.
Abb. 10. Queroprofil des Abschlussdeichs.
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Trocken zu legende Gebietd,

MAÄSZS TAB 172.000.000.
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        Die Abschliessung und teilweise
Trockenlegung der Zuiderzee.

l. Entstehung der Zuiderzee. — Beschreibung des
gegenwärtigen Zustands.

Dort, wo die Nordsee sich nach Süden ‚verschmälert und von
durchschnittlich ungefähr 500 km Breite übergeht zu 200 km
Breite und weniger, liegen die bekannten niedrigen Gebiete der
Niederlande, zum grossen Teil sogar bedeutend unter dem
Meeresspiegel und im Zusammenhang damit durch Dünen und
Deichen gegen Ueberschwemmung geschützt.
Die von Norden nach Osten umbiegende Küstenlinie dieses
Landes muss ursprünglich eine fast ununterbrochene Dünenkette
gewesen sein, nur an einzelnen Stellen durchschnitten von den
Ausmündungen der grossen Ströme Schelde, Maas und Rhein.
An mehreren Stellen, vor allem im Norden, sind in dieser Dünenreihe
 jedoch Durchbrüche entstanden und grosse Strecken des
dahinter gelegenen Landes sind weggerissen oder überschwemmt
 worden. Von dem ursprünglichen Küstengebiet sind
die Nordsee-Inseln jedoch als Scheiben stehen geblieben.
Wann diese Aenderungen stattgefunden haben, ist nicht genau
bekannt. Vermutlich ist es ein allmählicher Prozess gewesen,
der sich hauptsächlich vor 1300, als die Zuiderzee ungefähr ihre
heutige Form bekommen hatte, abgespielt hat.
Das auf diese Weise zwischen den Nordsee-Inseln und den
heutigen Küsten gebildete Wattenmeer hat sich vereinigt mit
dem schon zu Anfang unserer Zeitrechnung im Herzen des
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        Landes liegenden Flevosee, in welchen die Rheinarme, die Yssel
und die Utrechter Vecht, mündeten und woher das Wasser
durch das Vlie nach dem Meere strömte. Auf diese Weise ist
bis tief ins Land herein ein Meerbusen entstanden, gegen den
an einigen Stellen natürliche hohe Gebiete, wie die Veluwe und
das Gooi, und an anderen Stellen aufgeworfene Deiche das
dahinter gelegene Land schützten.
Zwischen dem südlichen Teil, dem Becken, dem früheren
Flevosee (ungefähr südlich der Linie Enkhuizen—Stavoren),
ınd dem nördlichen Teil, dem Wattenmeer (ungefähr nördlich
der Linie Wieringen—Harlingen), besteht ein bezeichnender
Unterschied.

Das Becken hat (siehe Abb, 2) ein sehr gleichmässiges Bodentelief,
 Von den Küsten nach der Mitte nimmt die Tiefe im allgemeinen
 allmählich zu von 0 bis 4% m unter N.A.P. 1); nur liegt
im Westen der Insel Urk eine einigermassen tiefere Rinne, die
bis 6 m unter dem genannten Wasserstand liegt, Die Gezeitenbewegung
 in diesem Gebiet ist nicht gross; der normale Tidenhub
 beträgt nicht mehr als 10 bis 40 cm, Auch die Stromgeschwindigkeiten
 sind klein, nur einige cm per Sekunde.
Grosse Strecken haben einen aus Schlamm bestehenden Boden.
Das Bodenrelief des Wattenmeers ist viel unregelmässiger.
Hochgelegene Sandplatten, wovon viele bei Ebbe trocken werden,
 werden durch mehr oder weniger tiefe Rinnen getrennt, die
im allgemeinen tiefer werden, je mehr sie sich der Nordsee
nähern. Die wichtigsten Verbindungen mit der Nordsee sind das
Texeler Gatt zwischen dem Nordpunkt Nordhollands und
der Insel Texel, 30 bis 45 m tief, und der Vliestrom zwischen
den Inseln Vlieland und Terschelling mit einer Tiefe von 20 bis
30 m. Der Tidenhub ist bedeutend und beträgt in runden
Zahlen bei Helder 120 cm, bei Den Oever am Ostpunkt
Jer Insel Wieringen 90 cm, bei Harlingen 125 cm und im Vlie-1)

 Normaler Amsterdamer Wasserstand, ungefähr der mittlere
Wasserstand des Meeres.
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        ABB.2
TIEFENKARTE ZUIDER SEE_MIT
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3 Bei Niedrigem Wasser trocken Iiegend
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strom 165 cm, womit auch grössere Stromgeschwindigkeiten,
bis ungefähr 150 cm per Sekunde, verbunden sind. Der Teil
zwischen dem genannten Becken und dem Wattenmeer bildet ein
Uebergangsgebiet, dessen westlicher Teil, Wieringersee genannt,
der schon früher vor den Durchbrüchen, gleichwie der Flevosee,
als Binnensee bestand, viel Aenlichkeit mit dem Becken zeigt.
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        I. Geschichte der Trockenlegungspläne bis zum
Anfang der Ausführung.

Der älteste bekannte Plan zur Trockenlegung der Zuiderzee
datiert aus dem 17. Jahrhundert. Dieses Jahrhundert, auf sovielen
Gebieten die Blütezeit Hollands, sah bereits in der ersten Hälfte
die Trockenlegung der grossen Seen in Nordholland, wie die
Beemster 1612, die Purmer 1622, die Schermer 1632 usw. Leeghwater,
 der Mühlenbauer von De Rijp, gab im Jahre 1641 sein
30 bekannt gewordenes Haarlemermeerbüchlein heraus, worin
er die Idee aufwarf, diesen damals ungefähr 17000 ha grossen
See trockenzulegen mit Hilfe von 160 Windmühlen. Und 1667
erschien von der Hand von Hendric Stevin ein Buch „Wisconstich
 Filosophisch Bedrijf”, worin er den Plan entwickelt, wie er
es auch ungefähr ausdrückt, die Gewalt der Nordsee aus den
Vereinigten Niederlanden zu vertreiben, und zwar, indem sämtliche
 Seemündungen zwischen den Inseln abgedämmt ünd der
alte bis zu den Inseln reichende Seedamm vollständig wiederhergestellt
 und mit der friesischen Küste verbunden würde,
Das 18. Jahrhundert, die Zeit der allgemeinen Erschlaffung in
Holland, lieferte auch auf dem Gebiet der Trockenlegung wenig
Bedeutendes, Erst die Mitte des 19. Jahrhunderts kann in dieser
Hinsicht wieder mit Ehren genannt werden, Damals gelangte
zwischen 1848 und 1852 der alte Plan Leeghwater zur Trockenlegung
 des Haarlemermeers endgültig zur Ausführung. Es waren
jedoch nicht 160 Windmühlen, sondern 3 speziell dafür erfundene
 Dampfmühlen, die das Haarlemermeer trockenlegten
and die Niederlande mit ungefähr 18.000 ha fruchtbaren Boder
vergrösserten.
Es war ungefähr um diese Zeit, dass auch ernstliche Pläne für
die Trockenlegung der Zuiderzee zur Sprache kamen. Am bexanntesten
 wurde der Entwurf von dem Ingenieur des Wasse:-
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        L ABB.3
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Masratab 1!1.250:000-
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        bauverwaltungsdienstes B.P.G. van Diggelen, ausführlich behandelt
 in dem von ihm 1849 herausgegebenen Buch: „De Zuiderzee,
 de Friesche Wadden en de Lauwerszee, hare Bedijking en
iroogmaking”. Da es ungünstig beurteilt wurde, die Seemündungen
 Texelstrom (zwischen Nordholland und Texel) und
Vliestrom (zwischen Vlieland und Terschelling) abzudämmen,
wurde ein Abschlussdeich entworfen von der holländischen
Küste bei Helder nach dem Westpunkt der Insel Terschelling,
hinter den Inseln Texel und Vlieland; weiter eine Abdiämmung
des Amelander Gatts zwischen Terschelling und Ameland und
ein Abschlussdeich vom Ostpunkt von Ameland nach der friesischen
 Küste. Zum Behufe des Wasserabflusses der Yssel, die
ungefähr 1/9 Teil des durch den Rhein abgeführten Wassers dem
Meere zuführt, sollte eine breite Strombahn den Küsten entlang
freigehalten werden (siehe Abb. 3), die am einen Ende beim
Ostpunki von Terschelling, und am anderen durch einen breiten
Kanal, quer durch Nordholland, sich in der Nordsee entleeren
würde. Ausser auf den umfangreichen Landgewinn, ungefähr
550.000 ha, wies van Diggelen in seinem Entwurf auch ganz
besonders auf die bedeutende Verbesserung der Wasserwirtschaft
 eines grossen Teils unseres Landes hin, die sich aus
seinem Eindeichungsplan ergeben würde. Die Kosten wurden
von ihm auf 326 Millionen Gulden geschätzt.
Zu einer Ausarbeitung des Entwurfs van Diggelen ist es nicht
gekommen. Man liess die Sache ruhen, bis eine 1865 gegründete
Gesellschaft, die „Nederlandsche Maatschappij voor Grondkrediet”,
 den Ingenieur J. A. Beyerinck (damals Oberingenieur, Später
 Inspektor des Wasserbauverwaltungsdienstes)ersuchte, unter
Mitwirkung des Ingenieurs T. J. Stieltjes einen Plan zu entwerfen
 für die Trockenlegung des südlichen Teils der Zuiderzee,
Diese Sachverständigen waren nämlich zu der Einsicht gelangt,
dass der Plan van Diggelen, praktisch gesprochen, sowohl aus
finanziellen, wie aus technischen Gründen, nicht ausführbar sei
Eine Einschliessung der Yssel und Abführung des Wassers
dieses Stroms mittels Strombahnen in die See, würde zu grosse
        <pb n="15" />
        6

Schwierigkeiten mit sich bringen. Aus diesem Grunde wurde als
Hauptbedingung für einen zu entwerfenden Eindeichungsplan
gestellt, dass der freie Abfluss der Yssel in die See behalten
bleiben und man sich auf die Trockenlegung des südlich der
Ysselmündung liegenden Teils der Zuiderzee beschränken
sollte.
Der hierauf beruhende Plan Beyerinck, wobei der Abschlussdeich
 (siehe Abb. 4) von Enkhuizen über Urk nach der Ysselmündung
 entworfen war, erschien 1866. In den zwei folgenden
Jahren wurde derselbe untersucht von einem dafür eingesetzten
Wasserbauverwaltungsrat, während 1870 eine Staatskommission
 ernannt wurde, die 1873 ihren Bericht erstattete, welcher ein
günstiges Urteil enthielt, Es zeigte sich, dass die Regierung det
Trockenlegung günstig gegenüberstand; sie war jedoch der Meinung,
 dass eine ähnliche Unternehmung nicht geeignet wäre,
als Konzession einer Gesellschaft übertragen zu werden, sondern
dass das Werk seitens des Staates ausgeführt werden müsste.
Der Plan wurde darauf erst von dem Ingenieur des Wasserbauverwaltungsdienstes
 W. F. Leemans näher ausgearbeitet, der u.a
die Richtung des Deiches derart änderte, dass so gut wie kein
Sand eingedeicht werden würde, während auch Urk ausser der
Bedeichung gehalten wurde, um als Reede für die Schiffahrt
weiter dienen zu können. Die gesamte Oberfläche innerhalb des
Abschlussdeiches sollte 157.500 ha betragen, während die Kosten
auf 116 Millionen Gulden geschätzt wurden. Es ist dieser Plan
Beyerinck-Stieltjes-Leemans (angegeben in Abb, 4), der 1877 als
Gesetzvorlage bei. der Zweiten Kammer der Generalstaaten eingereicht
 wurde. Aber bereits in demselben Jahre wurde diese von
dem neu auftretenden Ministerium wieder zurückgenommen.
Ausser den zwei stark in den Vordergrund tretenden obenerwähnten
 Entwürfen, wurden in Broschüren und Zeitschriftartikeln
 eine grosse Anzahl anderer Ideen dem Urteil des Publikums
 unterworfen. So kann z. B. hingewiesen werden auf
Pläne zu aufeinanderfolgenden partiellen Einpolderungen
kleiner Teile, um auf diese Weise allmählich zu einer möglichst
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        LO

grossen Trockenlegung der ganzen Zuiderzee zu gelangen,
sowie auch auf die hier und da geäusserte Idee, durch den Bau
eines Abschlussdeichs von Nordholland über Wieringen nach
Friesland erst einen Binnensee zu bilden und weiter in diesem
Binnensee Eindämmungen vorzunehmen,
Im Anfang der achtziger Jahre machte der friesische Kammerabgeordnete,
 Herr A. Buma, einen Versuch, zu einer erneuten
Untersuchung seitens der Regierung über die Möglichkeit der
Eindeichung der ganzen Zuiderzee met den Watten zu gelangen.
Im Dezember 1882 reichte er bei der Zweiten Kammer der Generalstaaten
 eine diesbezügliche Gesetzvorlage ein, welche jedoch,
 gerade wie. auch ein kurz darauf gestellter Antrag von
gleicher Tendenz, abgelehnt wurde.
Aber Buma setzte seine Bemühungen fort und im Jahre 1886
gelang es ihm unter Mitwirkung vieler anderer bekannten Persönlichkeiten
 den sogenannten „Zuiderzee-Verein” zu gründen,
welcher bezweckte: „das Einleiten einer technischen und finanziellen
 Untersuchung bezüglich der Abschliessung und zur Vorbereitung
 einer späteren allmählichen Trockenlegung der Zuiderzee,
 der Watten und der Lauwerszee,” Ein technisches Ami
wurde errichtet, dessen Leiter schon bald der Zivilingenieur
C. Lely wurde, Nacheinander erschienen in den Jahren 1887 bis
1891 von der Hand dieses Ingenieurs 8 Fachschriften, in welchen
alle technischen einzelnen Teile des Zuiderzee-Problems mit groösser
 Genauigkeit behandelt und mit ausführlichen Berechnungen
usw. verdeutlicht wurden. In diesen Fachschriften wurde nachgewiesen,
 dass die beste Lösung sein würde, erstens der Bau eines
Abschlussdeichs von Nordholland über Wieringen nach der friesischen
 Küste bei Piaam und dann im abgeschlossenen See die
Eindäiämmung von ungefähr vier Poldern. Die Umgrenzungen
dieser Polder wurden so gewählt, dass erstens die übriggebliebene
 Wasserfläche gross genug war für den Abfluss der Ysset
zweitens die tiefen Rinnen ausserhalb der Bedeichungen blieben
und drittens soviel wie möglich fetter Tonboden und so wenig
wie möglich Sandboden eingepoldert wurde (siehe Abb. 5).
        <pb n="18" />
        20

Die Vorteile eines derartigen Plans würden zweifach sein.
Erstens würde die bebaubare Oberfläche unseres Landes bedeutend
 vergrössert werden und zweitens wäre eine bedeutende Verbesserung
 der Wasserwirtschaft in den um die Zuiderzee
liegenden Gebieten zu erwarten. Die normale Wasserhöhe des
übrigbleibenden Ysselsees, festgesetzt auf 0.40 m — N.A.P., war
nämlich so gewählt, das in nassen Perioden eine genügende Entwässerung
 der umgebenden Gebiete gesichert war, während ın
trockenen Sommern aus dem gebildeten See Süsswasser eingelassen
 werden könnte. In Abb. 6 ist dieser Entwurf-Lely angegeben.
 Die Länge des Abschussdeichs betrug ungefähr 30 km,
die Oberfläche südlich davon ungefähr 360.000 ha, wovon ungefähr
 232.000 ha trockengelegt werder snilte. Die Gesamtkosten
 wurden auf 190 Millionen Gulden geschätzt, wovon 42
Millionen für den Abschlussdeich mit zugehörigen Bauten.
Im Jahre 1892 wurde eine Staatskommission ernannt, um den
von Lely für den Zuiderzee-Verein entworfenen Plan zu untersuchen.
 Laut ihres 1894 erstatteten Berichtes waren 21 von den
27 Mitgliedern der Meinung, dass das Unternehmen im Interesse
des Landes in Angriff genommen werden sollte, während man
'm allgemeinen mit den technischen Einzelheiten einverstanden
war. Nur auf einzelnen Nebengebieten wurden Aenderungen vorgeschlagen.
 So wurde z.B. (siehe Abb, 5) der Amsterdamer
Kanal zwischen den beiden südlichen Poldern hauptsächlich aus
militärischen Rücksichten von 1% bis 5 km verbreitert, während
der S.W. Polder bedeutend verkleinert wurde. Die trockenzuiegende
 Oberfläche sollte ungefähr 212.000 ha betragen, wovon
ungefähr 195.000 ha. fruchtbares Land. Die Kosten wurden auf
189 Millionen Gulden geschätzt, wovon 49 Millionen für den Abschlussdeich
 mit zugehörigen Bauten und 10 Millionen für militärische
 Verteidigungswerke. Die Ausführungsdauer wurde für
den Deich auf 9 Jahre, tür das ganze Werk auf 33 Jahre festgesetzt.


Der auf diese Weise entstandene Plan Lely-Zuiderzee-Verein-Staatskommission
 1892 ist seitdem in der Hauptsache beibehal-
        <pb n="19" />
        ten. Zweimal in den Jahren 1901 und 1907 erschien ein Gesetzentwurf,
 um zur Ausführung entweder des ganzen Planes oder
eines Teils davon zu gelangen, aber beide Male wurden die
Entwürfe wieder von später folgenden Ministerien zurückgenommen.
 Im Jahre 1916 jedoch, als der Entwerfer des Plans, Dr. C
Lely, zum drittenmal Minister der öffentlichen Arbeiten war,
wurde eine Gesetzvorlage eingereicht, die 1918 angenommen
wurde und als „Gesetz vom 14, Juni 1918 zur Abschliessung und
Trockenlegung der Zuiderzee” im Staatsblatt Nr. 354 aufgenommen
 wurde. Bei Kabinetisorder vom 16. Juli wurde der in diesem
Gesetz genannte Zuiderzeerat ernannt, welcher der Regierung
bei der weiteren Vorbereitung und Ausführung der Werke mit
Rat und Beistand dienen soll, während bei Kabinettsorder vom
31. Mai 1919 die Einrichtung des technischen Dienstes der Zuiderzeewerke
 geregelt wurde.
Das Gesetz vom 14. Juni 1918 beruht, insoweit es den techaischen
 Teil anbelangt, hauptsächlich auf dem Plan der Staatskommission
 von 1892. Artikel 14 bestimmt, dass für Rechnung
des Staates ausgeführt werden: 1. der Bau eines Abschlussdeichs
von der nordholländischen Küste über Wieringen nach Piaam
und 2. die Trockenlegung von Teilen der abzuschliessenden Zuiderzee.
 Wieviel Polder innerhalb des Abschlussdeichs gemacht
werden und welche davon die Umgrenzungen sein werden, ist in
dem Gesetz nicht festgesetzt; dies wird bestimmt werden in
Verbindung mit einer näher einzuleitenden Untersuchung.
        <pb n="20" />
        Il. Die zwischen 1920 und 1925 ausgeführten
Werke.

Nachdem 1918 das Gesetz, wobei zur Ausführung der Zuiderzee-Werke
 beschlossen wurde, angenommen worden war, wurde
1919 mit den Vorbereitungen und 1920 mit der Ausführung der
ersten Werke begonnen.
Es wurde angefangen mit der sogenannten Einschränkung des
Amsteldieps. Der Abstand zwischen der nordholländischen
Küste und der Insel Wieringen, in der Richtung des entworfenen
Abschlussdeichs gemessen, beträgt ungefähr 25C0 m. Bis 1200 m
von der nordholländischen Küste erstreckt sich eine auf Niejrigwasser
 gelegene Watte, der Balgsand; die übrigen 1300 m
werden vom Amsteldiep eingenommen, das aus 2 Rinnen besteht,
weiche an der Stelle des entworfenen Abschlusses eine Tiefe
von resp. 12 und 7 m unter N. A, P. hatten. Die Einschränkung
bestand darin, dass der Boden dieser beiden Rinnen durch einen
Deich bis auf 4.50 m unter N. A. P. erhöht wurde und zwar mit
einer derartigen Kronenbreite, dass der weitere Oberbau des
Deiches zweckmässig darauf anschliessen könnte. Im Interesse
ger Schiffahrt und der Entwässerung war es vorläufig noch
nicht erwünscht, den Deich höher als 4.50 m unter N. A, P, aufzuführen.

Im folgenden Jahre, 1921, wurde am Ostpunkt der Insel Wiefingen
 in der Nähe des Dorfes Den Oever und zwar im Anschluss
an den dort befindlichen kleinen Fischerhafen, ein Betriebshafen
mit Lagerungsterrains gebaut. Wird es doch während der Ausführung
 des grossen Abschlussdeichs zwischen Wieringen und
Friesland notwendig sein, dass an diesem Punkt ein ordentlicher
 Hafen zum Lagern von Material zur Verfügung steht,
während ausserdem der nötige Raum zum Lagern von Materialien
 wie Stein, Holz usw. dort vorhanden sein muss.
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Nach Vollendung des Abschlussdeichs wird der Hafen für den
gewöhnlichen Schiffahrtverkehr eröffnet werden können, der
gleichzeitig im Zusammenhang mit dem in der direkten Nähe zu
bauenden Schleusenkomplex als Handels- und Fischerhafen
dem alsdann zweifelsechne nötigen Bedarf entsprechen wird. Von
diesem Hafen mit umliegenden Terrains gibt Abb. 7 eine allgemeine
 Uebersicht.
Der ursprünglichen Absicht, sofort nach Fertigstellung dieses
Betriebshafens bei Den Oever, mit voller Kraft den Bau
des grossen Abschlussdeichs nach der friesischen Küste zu
beginnen, wurde jedoch keine Folge geleistet. Die Regierung
war nämlich 1921 der Meinung, dass die finanziellen Verhältnisse
 des Landes nicht gestatteten, in den nächsten Jahren solche
grosse Beträge als für dieses Werk erforderlich sein würden, zur
Verfügung zu stellen. Sie wünschte deshalb die Ausführung der
Zuiderzeewerke während der nächsten 4 Jahre in einem mässigen
 Tempo stattfinden zu lassen. Deswegen sollte mit dem
Abschlussdeich Wieringen—Friesland jetzt noch nicht begonnen
werden, sondern vorläufig nur, was man angefangen hatte,
beendigt werden, d.h. der Bau des um soviel kleineren Teiles des
Abschlussdeichs zwischen der nordholländischen Küste und der
Insel Wieringen nebst den Werken, die direkt damit im Zusammenhang
 stehen müssen,
Es wurde also für die Jahre 1922 bis 1925 ein beschränktes
Programm festgesetzt, das hauptsächlich folgende Werke umfasste:

1. den Abschlussdeich von Nordholland nach Wieringen, ungefähr
 2500 m lang und mit einer Kronenhöhe von 6.20 m über
N. A_.P.

2. den Ringdeich vor der Schleusengrube östlich der Insel
Wieringen. Wie näher auseinandergestetzt werden soll, werden
in dem Abschlussdeich zwischen Wieringen und der friesischen
Küste zum Behufe der Entwässerung des Ysselsees 2 Gruppen
Entwässerungsschleusen gebaut werden, die eine Gruppe
ungefähr 4 km von der friesischen Küste, die andere am west-
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        26

lichen Ende des Deiches, in der Nähe des Abschlusses bei der
Insel Wieringen und dem bereits gebauten Betriebshafen, Nun
bietet der Seeboden an dieser Stelle für einen derartigen Schleusenkomplex
 eine sehr geeignete Grundlage. Falls jedoch das
Amsteldiep, wodurch der Wieringersee grösstenteils gefüllt
und entleert wird, abgeschlossen würde, dann würden die
Gezeitenströme um den Ostpunkt der Insel bedeutend an Kraft
zunehmen (sowie es sich jetzt tatsächlich herausgestellt hat),
und würde die genannte Grundlage der Gefahr ausgesetzt, ausgespült
 zu werden und sich zu vertiefen. Um dem jedoch vorzubeugen,
 war es erforderlich. vor der Abdeichung des Amsteildieps,
 den Seeboden an dieser Stelle mittels des umgebenden
Deiches zu schützen, der später während des Baus der Schleusenwerke
 als Ringdeich für die benötigte Schleusengrube dienen
könnte. In Abb. 7 ist dieser Schutzdeich, im Ganzen ungefähr
3500 m lang, im Anschluss an die Hafenwerke angegeben,
während die später innerhalb desselben zu unternehmenden
Werke, mit punktierter Linie angegeben sind.
3. Werke zum Dienste der Schiffahrts- und Entwässerungsinteressen.
 Zufolge des Abschlusses des Amsteldieps würde der
bestehende Schiffahrtweg verschwinden und die Entwässerung
des Anna-Paulownapolders verhindert werden. Diese Entwässerung
 findet nämlich statt durch die Van Ewijksschleuse, etwas
südlich vom Abschlussdeich, wo ebenfalls zufolge des Deichbaus
eine bedeutende Anschlämmung zu erwarten ist, sowie auch eine
Erhöhung der Niedrigwasserstände,
Zu diesem Zwecke wurde ein neuer Aussendeichs- Schiffahrtsund
 Vorflutkanal entworfen von Van Ewijckssluis in nördlicher
 Richtung der nordholländischen Küste entlang. In der
Nähe von De Kooi sollte eine Kammerschleuse gebaut werden,
wodurch die Schiffahrt Verbindung haben kann mit dem innerhalb
 des Deiches gelegenen nordholländischen Kanal (in der
ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gebaut zum Behufe der Seefahrt
 von Amsterdam), während etwas südlich von Nieuwediep
in der Nähe des Forts Oostoever, wo tiefes Wasser erreicht
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        29

wird, die nötigen Entwässerungsschleusen entworfen wurden.
in Abb. 8 sind sowohl der neue Abschlussdeich durch das Amsteldiep
 als auch diese Kanalwerke mit Zubehör angegeben.
Solange die weiteren Werke südlich des Abschlussdeichs durch
das Amsteldiep, welche im Zusammenhang stehen mit der
Trockenlegung des Wieringersees, noch nicht fertig sind, wırd
dieser neue Kanal am südlichen Ende durch einen provisorischen
 Deich abgeschlossen werden, während, um denselben für
die Entwässerung und die Schiffart in Dienst setzen zu können,
er vorläufig mit dem Ewijkskänal innerhalb des Anna-Paulowna-Polders
 in Verbindung gebracht werden wird.
4, Einzelne Werke im Dienste der Interessen des Deichwesens.
 Wenn einmal die Zuiderzee abgeschlossen sein
wird, werden nördlich des Abschlussdeiches bedeutend höhere
Sturmflutstände auftreten. Und wenn auch in geringerem Masse.
so wird dieselbe Erscheinung in dem Winkel zwischen der nordholländischen
 Küste und der Insel Wieringen doch auch bereits
merkbar auftreten, wenn der Abschlussdeich des Amsteldieps
zustande gekommen sein wird. Aus diesem Grund musste
gleichzeitig mit diesem Abschluss, eine Erhöhung und Verstärkung
 der anschliessenden Deiche der nordholländischen Küste
und der Nordseite der Insel Wieringen entlang, vorgenommen
werden und natürlich war es ökonomisch, sofort die vollständige
definitive Erhöhung zustande zu bringen.

In der Tat sind diese Werke in dem beabsichtigten Zeitraum
1922-—1925 hauptsächlich auch zur Ausführung gelangt. Ende
1925 waren die unter 1. und 2. genannten Werke bereits vollständig
 vollendet, während für die unter 3. und 4. genannten
an den letzten Teilen gearbeitet wurde, sodass diese im Laufe
von 1926 fertig sein werden,
Die Photographien A., B., C. und D. geben ein Bild von dem
Bau des Abschlussdeichs zwischen der nordholländischen Küste
und der Insel Wieringen. Wie auf S; 34 und 35 näher beschrieben
und durch Abb. 10 wiedergegeben wird, ist die Herstellung des
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        ze

Deichkörpers hauptsächlich wie folgt: an der Aussenseite ein
Damm von Geschiebemergel, einer festen, zähen Bodensorte mit
Kiesel gemischt, 2) dahinter Sand, abgedeckt durch eine Tonschicht
 mit sowohl an der äusseren als an der inneren Seite eine
Bekleidung von Naturstein.
Auf Photo A. ist ersichtlich, wie dieser Geschiebelehmdamm
ınd der Sand angebracht werden. Ein schwimmender Griefbagger
 entnimmt einem Prahm den Geschiebemergel und stürzt denselben
 in das strömende Wasser. Dahinter, aber etwas ferner
zurück, um nicht wiederum durch den Strom weggespült zu
werden, wird durch einen Spüler Sand aus dem Prahm gesaugt
und hinter den Geschiebelehndamm gespült. Die Photo ist
genommen, den Rücken nach der Insel Wieringen gekehrt; in der
Ferne sieht man die nordholländische Küste.
Photo B. ist vom Kranbagger auf Abb. A. genommen; der
Hintergrund ist hier also die Insel Wieringen. Diese Photo, wie
Photo A. 24 Stunden vor vollständigem Abschluss des Deiches
genommen, gibt sehr deutlich die Geschwindigkeit wieder, wOmit
 das Wasser durch den letzten Teil der Oeffnung strömte.
Geschwindigkeiten von ungefähr 4 m per Sekunde kamen hier
vor. Es ist gelungen, diese Oeffnung durch Stürzen von Geschiebenlehm
 zu dichten. (Das Boot liegt in der Oeffnung verankert,
um dort Strommessungen vornehmen zu können.)
Photo C. ist etwas früher als die beiden vorigen genommen. Im
Vordergrund der Anschluss des in Ausführung befindlichen
Deiches gegen die Insel Wieringen; ein Spüler drückt hier den
Sand hinter den bereits vorhandenen Geschiebelehmdamm.
Ungefähr in der Mitte der Abbildung ist die letzte Oeffnung;
zwei Greifbagger bringen hier den Geschiebelehndamm an. Im
Hintergrund die nordholländische Küste,
Photo D. zeigt den Deich, ebenfalls mit dem Gesicht in der

2) Geschiebemergel oder Geschiebelehm ist die Grundmoräne der
Gletscher aus der Eiszeit. Er bietet besseren Widerstand als die meisten
festen Lehmsorten gegen Strömungen und Wellenschlag.
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Richtung der nordholländischen Küste, als diese fast vollendet
war. Man sieht die breite Binnenberme, worauf bereits eine
Fahrstrasse angebracht worden ist und noch Raum für eine
Eisenbahn mit Doppelgleis vorhanden ist.

Sämtliche bis zu diesem Zeitpunkt ausgeführten Zuiderzeewerke
 einschliesslich der Vorbereitungen, Messungen 1SsW.,
weiche für alle weiteren Werke stattgefunden haben, werden in
sehr runden Zahlen ungefähr 20 Millionen Gulden gekostet
haben.
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        IV. Gesetzentwurf 1925 zur beschleunigten
Ausführung der Werke.
Beschreibung des näher ausgearbeiteten Entwurfs
mit Angaben bezüglich der Kosten und Nutzen
des ganzen Unternehmens.

Im Jahre 1925, dem letzten Jahr der genannten vierjährigen
Periode, als die für diese Periode vorgenommenen Werke fast
vollendet waren, war also für die Regierung der Augenblick
gekommen, einen Vorschlag zu machen hinsichtlich des weiteren
Ganges der Arbeit, Dieser Vorschlag wurde aufgenommen in ein
paar Gesetzentwürfen, welche bei Kabinettsorder vom 27. Mai
1925 der Zweiten Kammer der Generalstaaten unterbreitet
wurden. Der erste Entwurf gibt eine Aenderung des Gesetzes
vom 14. Juni 1918 bezüglich der Abschliessung und teilweise
Trockenlegung der Zuiderzee, während der zweite sich bezieht
auf die Finanzierung des Unternehmens.
Der Hauptgedanke dieser Gesetzenwürfe ist, die Zuiderzeewerke
 jetzt so bald wie möglich anzufangen und so schnell zur
Ausführung zu bringen als mit einer ökonomischen Arbeitsweise
vereinbar ist. Die Landesfinanzen gestatten dies jetzt. Obschon
für zu grossen Optimismus, so lautet ungefähr die Motivierung
dieser Gesetzentwürfe, bezüglich der finanziellen Verhältnisse,
noch kein Grund vorliegt, so muss andererseits doch anerkannt
werden, dass, wenn irgendwo Anlass vorliegt, sobald wie möglich
die Arbeit zur Hand zu nehmen, dann gewiss hier, und zwar nicht
nur zum Erzielen der neuen Erwerbsquellen, welche infolge der
Trockenlegung dieser ausgedehnten Gebiete entstehen werden,
sondern auch zur Vermeidung der sehr drückenden Zinsenlasten,
welche bei einem allzu langsamen Tempo bei der Ausführung
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        23

der Werke auftreten könnten und die auf die Dauer die ganze
Produktivität gefährden dürften.
Es wurde deshalb vorgeschlagen. so schnell wie möglich
überzugehen 1. zum Bau des grossen Abschlussdeichs von
Wieringen nach der friesischen Küste und 2, zur gleichzeitigen
Ausführung der Trotrkenlegungsarbeiten des nordwestlichen
Polders, des sogenannten Wieringerseepolders,
Dieser Vorschlag stützt sich hauptsächlich auf 2 Berichte, Als
„ämlich 1921 beschlossen wurde, während der nächsten Jahre
nur in einem langsamen Tempo weiterzuarbeiten, entstand
zugleich der Wunsch eine neue Untersuchung bezüglich der
Kosten und Nutzen des grossen Werkes stattfinden zu lassen.
Wegen der Kriegszustände waren die Zeiten derart verändert,
dass frühere Schätzungen nur noch sehr wenig Anhaltspunkte
gaben. Aus diesem Grunde beauftragte der Minister den technischen
 Dienst damit, den Plan zur Trockenlegung in vollem
Umfang näher zu untersuchen und von sämtlichen benötigten
Werken einen neuen Kostenanschlag zu machen, während für
die Untersuchung in Sachen des zu erwartenden Nutzens eine
spezielle Kommission ernannt wurde, in der an erster Stelle hervorragende
 Sachverständige auf landwirtschaftlichem Gebiet
vertreten waren. Das Material und die Einsichten, die in dieser
Weise erworben wurden, wurden in der Motivierung der Gesetz
entwürfe verarbeitet, aus denen Folgendes entnommen ist,

Il. Die auszuführenden Werke und deren Kostenanschläge.

Der näher ausgearbeitete Plan wird in Gründzügen durch
Abb. 9 wiedergegeben. Wie ersichtlich, sind die auszuführenden
Werke in 2 Gruppen einzuteilen, und zwar A. die eigentlichen
Abschlusswerke aus einem Abschlussdeich mit Zubehör bestehend,
 wodurch ein Binnensee, der Ysselsee, gebildet wird, und B.
die Werke zur Trockenlegung und Einpolderung dieses Binnensees,.
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        A. DIE ABSCHLIESSUNG DER ZUIDERZEE.

Der Abschlussdeich vom Ostpunkt der Insel Wieringen nach
der friesischen Küste hat im Vergleich zu den früheren Plänen
(Zuiderzee-Verein-Lely-Staatskommission 1892) und auch zu
dem, was das Gesetz von 1918 bestimmte, eine kleine Aenderung
erfahren. Der Anschlusspunkt gegen die friesische Küste, früher
in der Nähe von Piaam gelegen, ist ein wenig nordwärts verschoben
 nach dem Dorfe Zurig, etwas südlich von Harlingen.
Gründe technischer Art haben dazu geführt. Der Boden gibt
hier eine bessere Grundlage für Deichbau, während die neue
Richtung ebenfalls günstiger sein wird in Anbetracht der zu erwartenden
 Strömungen, sowohl während des Baus des Deiches
als auch nach dem Abschluss. Die Gesamtlänge des Deiches
zwischen Wieringen und Friesland wird dann ungefähr 30 km
betragen. ;

Das allgemeine Profil des Abschlussdeichs wird wiedergegeben
 in Abb. 10. Die Kronenhöhe, zwischen 7 m und 7.50 n!
über N.A.P. gelegen, durchschnittlich ungefähr 7.25 m.
über N.A.P., ist so entworfen, dass bei der zu erwartenden höchsten
 Sturmflut noch keine Wellen auf die Deichkrone kommen
werden. Die über dem Wasser liegende Aussenböschung bekommt
 eine Neigung von durchschnittlich 4 auf 1. An der Binnenböschung
 ist eine wasserfreie Berme entworfen, 30 m breit,
worauf eine Strasse für den gewöhnlichen Verkehr und eine
doppelgleisige Eisenbahn gebaut werden können, wobei noch der
nötige Raum zum Lagern von Unterhaltsmaterialien und zum
Anlegen elektrischer und sonstiger Leitungen übrigbleibt. Der
Deichkörper wird aus einem Geschiebelehmdamm bestehen, der
bis zu dem höchsten zu erwartenden Sturmflutstand reicht, und
übrigens aus Sand, der soviel wie nötig mit Geschiebelehm oder
Ton abgedeckt wird. Unter dem Wasser wird der Körper mit
den nötigen mit Steinen belasteten, aus Faschinen zusammengefügten
 Sinkstücken und über dem Wasser mit einer Steinböschung
 und einer Rasenschicht bekleidet werden. Zum Abfluss
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        ne

des auf den abzuschliessenden Teil der Zuiderzee abströmenden
Wassers, sind im Abschlussdeich Entwässerungsschleusen
entworfen, welche über zwei Punkte verteilt sind, gelegen resp.
4 km von der friesischen Küste und östlich von Wieringen,
in direktem Anschluss an den dort gebauten Betriebshafen. Am
ersten Punkte werden 2 und am zweiten 3 Gruppen von je 5
Entwässerungsschleusen, jede 12 m breit, gebaut werden,
welche also zusammen eine Schleusenbreite von 300 m haben,
Mit Rücksicht auf die Schiffahrt ist beim westlichen Komplex
auf den Bau einer grossen Kammerschleuse gerechnet, geeignet
für Schiffe bis 2000 Ton Ladefähigkeit und beim östlichen Komplex,
 ausser einer derartigen Schleuse, auf eine kleinere für
Schiffe bis 600 Ton.
In Anbetracht der zu erwartenden Erhöhung der Sturmflutstände
 nördlich des Abschlusses wird ausserdem gerechnet auf
Erhöhung der anschliessenden Seedeiche in Friesland und Nordholland
 sowie auch von einigen Deichen den Inseln Texel, Vlieland
 und Terschelling entlang. Ausserdem sind in der Berechnung
aufgenommen eventuelle Arbeiten, welche nötig sein dürften in
Verbindung mit den bevorstehenden Aenderungen des Rinnensystems
 ausserhalb des Abschlusses und weiter Arbeiten zum
Behufe der Schiffahrt auf dem Zwollerdiep und in den Hafenzugängen
 der abzuschliessenden Zuiderzee entlang.
Die Kosten der Abschliessung sind unter Berücksichtigung der
im Sommer von 1924 geltenden Preise, wie folgt angeschlagen:
Il. Abschlussdeich Wieringen-friesische Küste ... f 55.000.000
2. Schleusenkomplexe .... .. - 25.000.000
3. Weitere Werke, nötig im Zusammenhang mit
oder als Folge der Abschliessung .............
Insgesamt ............  f$ 90.000.000
4. Massnahmen im Interesse der Verteidigung
und Fischerei

Promemoria
Die Ausführungsdauer wird auf 7 bis 8 Jahre geschätzt. Dabei
ist angenommen worden, dass der Bau der beiden Schleusen-
        <pb n="33" />
        36

komplexe im ganzen 5 Jahre in Anspruch nehmen wird. Während
dieser Periode können einige Teile des Deiches angebracht werden
 dort, wo keine starke Wasserbewegung nach der Zuiderzee
stattfindet und die tiefen Rinnen, wodurch der Abschlussdeich
weiter gebaut werden muss, beschränkt werden und ausserdem
die nötigen Sinkstücke zur Befestigung des gemachten Werkes
und zur Vermeidung von Ausspülung des Seebodens angebracht
werden können. Nach Fertigstellung der Schleusen, also nach
der ersten Periode von 5 Jahren, werden voraussichtlich noch
2 bis 3 Jahre nötig sein, um den Deich weiter aufzuführen auf
dem bereits gemachten Unterbau der noch übrigbleibenden Teile.

B. DIE TROCKENLEGUNG.

Wie bereits bei der Geschichte der Pläne auseinandergesetzt
worden ist, wurde von Ingenieur Lely nachgewiesen, dass mit
Rücksicht auf die Entwässerung der Yssel es nötig ist, innerhalb
des Abschlussdeichs einen See zu behalten mit einer Oberfläche
von mindestens 100.000 ha. Die von Ingenieur Lely, der von dieser
Notwendigkeit ausging und möglichst viel Ton- und möglichs*
wenig Sandboden einpoldern wollte, festgesetzten Umgrenzungen
sind seitdem in Hauptlinien bei sämtlichen weiteren Entwürfen
beibehalten. So auch bei dem jetzt näher ausgearbeiteten Entwur/
1925, ;
Beim Entwurf Lely von 1890 waren die beiden südlichen Polder
durch einen offenen 1% km breiten Kanal getrennt und zwar
hauptsächlich zum Behufe einer bequemen Fahrt nach und von
Amsterdam. Die Staatskommission von 1892 verbreiterte diesen
Kanal bis 5 km, Jetzt ist man.wieder zu einem schmäleren ungefähr
 1 km breiten Kanal zurückgekehrt. Die nördlichen Deiche der
beiden südlichen Polder sind sogar durch einen Abschluss des
Kanals am nördlichen Ende verbunden. Die in diesem Abschluss
entworfenen Sperrschleusen und Kammerschleuse werden in normalen
 Verhältnissen stets geöffnet und daher kein Hindernis
für die Schiffahrt sein: nur bei drohender Gefahr durch abnorm
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        hohe Wasserstände auf dem See, werden diese Schleusen geschlossen
 werden.
Diese Verbindung der beiden; südlichen Polder stellt eine
Kostenersparnis in Aussicht. Die Deische der Polder nämlich,
welche an den Ysselsee grenzen, sind so hoch und schwer entworfen,
 dass sie das Wasser werden abhalten können, wenn
während eines Sturmes ein Durchbruch im Abschlussdeich entstehen
 sollte. Wenn nun der Kanal zwischen den beiden südlichen
Poldern an der Nordseite offengelassen würde, dann müssten die
beiden dem Kanal entlang liegenden ungefähr 35 km langen
Deiche ebenso schwer sein. Dagegen beim Abschluss am nördlichen
 Ende werden diese Deiche bedeutend niedriger und
billiger sein können, Die Kosten der Schleusen werden dadurch
teichlich ersetzt.
Mit Ausnahme der Südseite des Wieringerseepolders sind
überall, wo die Polder gegen das bestehende Land anschliessen,
Ringkanäle entworfen im Interesse der Entwässerung und
Schiffahrt der bestehenden Küstengebiete, die hinter den neuen
Poldern liegen werden, An einigen Stellen verbreitern sich diese
Kanäle zu Seen; es würde zu beschwerlich sein, der zuweilen sehr
unregelmässigen Küstenlinie zu folgen, während ausserdem diese
Seen für Wassersammlung gute Dienste erweisen können und für
die Segelschiffahrt Vorteile bieten können. In der Südwestecke
ist mit Rücksicht auf militärische Interessen ein Ysee entworfen.
Veberall werden, wo nötig, Dämme und Ueberbrückungen das
bestehende Land mit den neuen Poldern verbinden.
Wie aus Abb. 2 hervorgeht und im Kapitel 1 beschrieben ist,
liegt der Boden der trockenzulegenden Gebiete grösstenteils
ungefähr 2 bis 5 m unter dem mittleren Seestand oder etwas
weniger unter dem Niveau des künftigen Ysselsees, das auf
durchschnittlich 0.40 m unter N.A.P. festgesetzt ist. Da angenommen
 wurde, dass beim Trockenwerden des Bodens dieser
gleich 0.30 m sinken wird, wird das allgemeine Bild der trockengelegten
 Gebiete verglichen werden können mit einem von
Wasser und Land umgebenen Becken, dessen Boden 2 bis 5 m.
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        7

tiefer gelegen ist. Mit Rücksicht auf den Tiefenunterschied wird
jeder Polder durch Polderdämme in einige Teile verteilt, Für
jeden Teil ist ein besonderes Polderniveau, angegeben in Abb. 9,
festgesetzt, vorläufig gelegen ungefähr 1.70 m‘ unter der durchschnittlichen
 Bodenhöhe, sodass schlieslich in diesen Poldern
Wasserstände vorkommen bis ungefähr 7 m unter dem der umliegenden
 Gebiete. Das Regenwasser, sowie auch das Wasser, das
aus den umliegenden Gebieten eindringen dürfte, wird mittels
Schöpfwerke, welche an den Rändern der Polder gebaut werden,
 aus diesen tief liegenden Gebieten in dem soviel höher gelegenen
 Ysselsee oder den anderen in der Nähe liegenden Seen abgeschlagen
 werden, Weiter sind in den Poldern Wege, Kanäle und
Schleusen entworfen an der Hand der Anforderungen, welche
von der bereits ernannten Kommission, die den Nutzen des Unternehmens
 untersucht hat, inbezug auf die Einteilung des Landes
gestellt worden sind. Beim Entwerfen der Kunstwerke wurde
darauf gerechnet, dass die Bodensenkung, vorläufig auf 0.30 m
angenommen, im Laufe der Jahre für bestimmte Teile bis 1 m
wird zunehmen können und dass die Wasserstände demgemäss
niedriger werden müssen.
Bei der jetzt gewählten Form der Polder, angegeben in Abb.9 3)
wird die Oberfläche 'des trockenzulegenden Bodens ungefähr
224.000 Hektar betragen, wovon ungefähr :
20.000 Hektar im N.W. Polder,
56.000 Hektar im S.W, Polder,
95.000 Hektar im S.O. Polder und
53.000 Hektar im N.O. Polder,
während die Oberfläche des Ysselsees inkl. des Kanals zwischen

3) Die Aufmerksamkeit wird darauf gelenkt, dass die Umgrenzung
der Polder nicht im Gesetzentwurf festgesetzt ist. Was jetzt angenommen
 ist, ist daher nur ein vorläufiger Entwurf, welcher dazu dient, zu
einer möglichst genauen Schätzung der Werke zu gelangen. Freiheit
später Aenderungen in den Sonderteilen anzubringen, womit erst nach
geraumer Zeit begonnen werden kann, muss natürlich bleiben, wenn
auch nur, weil noch viel sich abhängig zeigen wird von der im Laufe
der Jahre gemachten Erfahrung.
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        9

den beiden südlichen Poldern, doch ohne die den Poldern entlang
liegenden Vorflutkanäle ungefähr 115.000 ha sein wird.
Wenn man nun bedenkt, dass die gesamte Oberfläche der
Niederlande ungefähr 3.262.000 ha beträgt, dann ist es deutlich,
dass bei der Trockenlegung der Zuiderzee die Oberfläche
mit ungefähr 7 % zunimmt. Die bebaubare Oberfläche wird sogar
eine Vergrösserung von ungefähr 10% haben.
Mit Rücksicht auf die Kosten, welche mit jeder Einpolderung
verbunden sind, müssen folgende Arbeiten und Ausgaben in
Betracht genommen werden :
Erstens muss der Seedeich zustande gebracht werden, der den
Polder vom Ysselsee abschliessen muss, Zweitens. müssen die
Ringkanäle an der Küste gebaut werden nebst den darin gelegenen
 Kunstwerken, wie Schleusen und Brücken, sowie auch
Schleusen, welche Zugang zum Polder geben werden, Drittens
kommen die Schöpfwerke, die das abgeschlossene Gebiet trockenlegen
 werden und dafür sorgen müssen, dass es trocken
bleibt. Viertens folgen die Werke innerhalb des Polders, wie Wege,
Kanäle, Brücken, die Schleusen zwischen den verschiedenen
Abteilungen und die Parzellierung des Landes. Füntfens wird in
der Berechnung aufgenommen werden müssen die Trockenlegung
und Instandhaltung der Werke bis die trockengelegten Gebiete
ihren vollen Kulturwert erlangt haben werden. Laut der genannten
 landwirtschaftlichen Kommission wird nämlich nach der
Trockenlegung des Bodens noch eine Periode von 6 bis 7 Jahre
erforderlich sein, bevor dieser Zeitpunkt erreicht ist, der vorläufig
 als Ende der aufgestellten Rechnung angenommen wird.
Dem gegenüber steht, dass die Gebiete während dieser Periode
doch wohl einigen Nutzen abwerfen werden, welcher grösser
sein wird, je nachdem man sich diesem Endpunkt nähert, und
diese Einnahmen werden natürlich in Abzug gebracht werden
müssen. Schliesslich soll man noch den Zinsverlust in Betracht
ziehen; werden doch für die Anlage der Polder, die einen bedeutenden
 Kapitalbesitz in Kulturboden darstellen, Anleihen abgeschlossen
 werden müssen, wofür Zinsen werden zu bezahlen sein.
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        4()

Zusammengefasst geben diese Berechnungen bezüglich der
Trockenlegung folgendes Resultat :
Kosten von allen Werken inkl. Trockenlegung und Instandhaltung
 bis zu der Periode, wo die Gebiete ihren normalen
Kapitalwert erlangt haben:
1. N.W. Polder . ...... ff 37.000.000.—
2. S.W. Polder - 101.000.000.—
3. S.O. Polder - 143.000.000, —
4 N.O. Polder = 84.000.000. —

Insgesamt
Nutzen der trockengelegten
Gebiete bis zum obengenannten
 Zeitpunkt:
1. N.W. Polder
2. S.W. Polder
3. S.O. Polder
4. N.O. Polder

f 365.000.000.—

„00 f 5.287.800.—
23.678.400.—
43.408.900.—

23 437 000. —

Insgesamt
Bleibt für Kosten der Trockenlegung,
 verminderi
mit den Einnahmen der
trockengelegten Gebiete
Zinsen, zu bezahlen bei
einem Zinssatz von 5%
während der Ausführung
der Werke bis zum obengenannten
 Zeitpunkt:
1. N.W. Polder
2. S.W. Polder
3. $S.O. Polder
4. N.O. Polder

f 95.000.000.—

„4.4 f 270.000.000.—

f_ 20.700.600.—
- 53.211.600.—
70.461.000.—
20 404.400. —

Insgesamt rund ............

f 184.000.000.—-
        <pb n="38" />
        Gesamtausgaben für die
Trockenlegung bis zum
Zeitpunkt, wo die Gebiete
 ihren normalen Kapitalwert
 erlangt haben
werden ...........
Massnahmen im Interesse
der Landesverteidigung
und der Fischerei .. Promemoria,
Bezüglich der Dauer der Trockenlegung kann schliesslich noch
Folgendes bemerkt werden, Wird von der Voraussetzung ausgegangen,
 dass 1°. noch 1927 mit voller Kraft begonnen wird
sowohl mit dem Bau des Abschlussdeichs als auch mit der
Trockenlegung des Wieringerseepolders und 2°, sofort nach Vollendung
 des Abschlusses, d.h. im Jahre 1934, ununterbrochen
weitergearbeitet wird an der aufeinanderfolgenden Trockenlegungen
 der drie übrigbleibenden Polder und zwar in dem Sinne.
dass jedes Jahr ungefähr 20.000 ha neuer Boden zur Verfügung
 kommt (was bereits nach dem Gutachten der schon oft
genannten Kommission zweckmässig und ökonomisch war),
dann werden die letzten Werke im ‚Jahre 1952 fertig sein können
und die letzten trockengelegten Gebiete ihren vollen Kapitalwert
im Jahre 1959 erlangt haben. Es ist jedoch nicht notwendig, auf
diese Weise unausgesetzt weiterzuarbeiten. Sollten die Umstände,
 sei es aus allgemein ökonomischen, sei es aus landwirtschaftlichen
 Gründen, es je erwünscht machen, zwischen
zwei Einpolderungen während einiger Zeit keine neuen Gründe
an den Markt zu bringen, dann liegt Grund genug vor, mit einer
weiteren Einpolderung eine bestimmte Zeit zu warten, in welchem
Falle die Termine für die Fertigstellung der Werke auch aufgeschoben
 werden müssen.
        <pb n="39" />
        N. Die aus dem Abschluss und der Trockenlegung der
Zuiderzee zu erwartenden Nutzen.

Es wurde bereits mitgeteilt, dass im Jahre 1922 vom Minister
der öffentlichen Arbeiten eine Kommission ernannt wurde,
welche damit beauftragt wurde, eine neue Untersuchung anzustellen
 hinsichtlich der Nutzen, welche aus dem Abschluss und
der Trockenlegung der Zuiderzee zu erwarten sind. In einem
ausführlichen Bericht vom 20. Juli 1925 hat diese Kommission
'hre diesbezüglichen Untersuchungen und das von ihr gesamnelte
 Material niedergelegt, Folgendes ist diesem umfangreichen
Material entnommen:
Die direkten Nutzen des Unternehmens als unmittelbares
Resultat der Trockenlegung sind die 224.000 Hektar neuer
Boden. Die Kommission hat untersucht, welchen Wert demselben
zuzuschreiben ist, Auf Grund des gesammelten umfassenden
Materials und genauer Betrachtungen bezüglich der Preise der
Gründe während sehr langer Perioden hat man der Ansicht der
Kommission nach Grund zu der Annahme, dass, wenn die Zuiderzeegründe
 ausgegeben werden — was vermutlich zwischen
den Jahren 1930 und 1950 stattfinden kann —durchschnittlich®
Pachtpreise von nicht weniger als f 125.— bis f 150.— jährlich
per Hektar erwartet werden können, während für diese Gründe
auf durchschnittliche Verkaufspreise von ungefähr £ 3000.— per
Hektar gerechnet werden darf,
Für den leichteren Boden müssen die Preise etwas niedriger
genommen werden. Weiter müssen, falls die Gründe nicht behaust
 sind, d.h, wenn darauf keine Wohnungen, Ställe usw.
gebaut sind, die Pachtpreise mit f25.— und die Verkaufspreise
mit f500.— per Hektar vermindert werden, Wenn man nun
damit rechnet, dass ungefähr 5% des Bodens für Wege, Kanäle
usw. in Anspruch genommen werden wird und dass weiter ungefähr
 70% des Bodens aus schwerem Ton, 10% aus leichtem
Ton, 10% aus sandigem Ton und 10 % aus Sand und Torf besteht
 (siehe auch die Bodenkarte Abb, 5), dann kann man daraus
        <pb n="40" />
        schliessen, dass der Kapitalwert des Bodens an dem Zeitpunkt,
wo der volle Kulturwert erreicht sein wird, betragen wird :
1. für den N.W. Polder ... f 43.916.000,—
2. für den S.W. Polder ... - 123.780.500.—
3. für den S.O. Polder ..... - 222.069.000.—
4. für den N.O. Polder .....  - 120.972.500.—

Ingesamt rund $ 510.000.000.—
Weiter wird auf die Nutzen aufmerksam gemacht, welche der
Bau ‘des Abschlussdeichs und besonders die damit verbundene
Bildung des Süsswassersees, des Ysselsees, zur Folge hat. Der
gegenwärtige Zustand der um die Zuiderzee herum liegenden
Gebiete, besonders der Provinzen Friesland und Nordholland,
ist derartig, dass während trockener Sommerperioden häufig
Bedarf an Süsswasser ist. Wenn in südlicheren Provinzen,
wie Südholland, Utrecht usw. an vielen Stellen süsses Wasser
wo nötig ‚aus den grossen Strömen, wie Rhein, Lek usw. eingelassen
 werden kann, so können die nördlichen Gebiete davon
keinen Nutzen haben und können höchstens aus den angrenzenden
 Seegebieten mehr oder weniger Salzwasser aufnehmen. Entsteht
 nun infolge der Abschliessung der Zuiderzee in der Mitte
des Landes ein Süsswasserreservoir, woraus während des
Sommers das benötigte Wasser bezogen werden kann, dann
wird auch in diesen Gebieten zur Genüge gutes Trinkwasser für
das Vieh zur Verfügung stehen, was sowohl für das Vieh selbst
als auch für die Milchproduktion ein bedeutender Vorteil ist,
Obwohl die Kommission davon abstehen musste, den hierdurch
zu erzielenden Gewinn einigermassen genau zu schätzen, so ist
sie doch der Ansicht, dass der jährliche Vorteil für die Provinz
Friesland auf einige Millionen Gulden geschätzt werden könne
und dass für die Provinz Nordholland die von einem dortigen
landwirtschaftlichen Verein gemachte Schätzung von ungefähr
2 Millionen Gulden jährlich keinesfalls als übertrieben zu betrachten
 sei. Bei einem Zinssatz von 5% könnte man einen
kapitalisierten Wert von rund 100 Millionen Gulden annehmen.
        <pb n="41" />
        Dazu kommt noch der für die Provinz Friesland grosse Vorlei!
 für die Schiffahrt, wenn die Möglichkeit geschaffen wird.
das Wasser der Kanäle in trockenen Perioden auf der erwünschten
 Höhe zu halten. Wenn man bedenkt, dass die Kosten
des Wassertransports in Friesland jährlich ungefähr 15
Millionen Gulden betragen, dann ist es deutlich, dass in trockenen
Zeiten, wenn infolge der niedrigen Wässerstände die Schiffe nur
teilweise gelöscht werden können, grosser Nachteil dadurch
entsteht und dass der kapitalisierte Vorteil, der entsteht, wenn
in den Kanälen der Wasserstand auf einer genügenden Höhe
gehalten wird, sogar einige Zehnmillionen Gulden betragen
kann, Weiter bietet der Abschluss noch andere Vorteile inbezug
auf die Deiche (die gegenwärtigen Deiche der Zuiderzee
entlang brauchen als solche teilweise gar nicht mehr, oder nur
als Notdeiche in stand gehalten zu werden), Entwässerung (u.a.
bessere Zustände in dem Strom, der Utrechter Vecht), Verkehr
(u.a. Eisenbahnverbindung: und Strasse für den gewöhnlichen
Verkehr über den Abschlussdeich) und Süsswasserfischerei, Von
len einzelnen Teilen werden einige von der Kommission auf
einen Geldwert von mindestens 17 Millionen Gulden geschätzt.
Wenn man jetzt die sämtlichen Vorteile des Abschlusses zusammenfasst,
 dann ist es klar, dass dieselben im allgemeinen
sehr bedeutend sind, dass jedoch kaum ein bestimmter Betrag
dafür anzugeben ist. Zweifellos darf man aber annehmen,
dass dieser zwischen 100 und 150 Millionen Gulden liegt, woraus
weiter hervorgeht, dass, wie in der Motivierung der Gesetzantwürfe
 von der Regierung bemerkt wird, die Abschliessung
der Zuiderzee allein schon für einen grossen Teil unseres Landes
von so grosser Wichtigheit ist, dass dieses Werk in vollem Umfang
 als ein Wasserbauwerk betrachtet werden darf, das auch
ohne weitere Trockenlegung der Zuiderzee einen so grossen
Wert hat, dass es, abgesehen sogar von der Trockenlegung, im
Interesse des Landes zustande kommen sollte und die Kosten
des Abschlusses somit nicht auf die der Trockenlegung drücken
dürfen.
        <pb n="42" />
        Wenn jetzt die Kosten und Nutzen dieses Werkes, insoweit
dieselben einigermassen berechnet werden können, verglichen
werden, dann gibt folgendes Schema davon eine zusammenfassende
 Uebersicht:

Bezeichnung. | Ausgaben.

A. Die Abschliessung
'B. Trockenlegung von
224.000 Hektar
Anlage ........ 365 Mill
Vorläufiger
Erlös ... 95 Mill.

90 Mill.

Nutzen.

100 bis 150 Mill

Bleibt .......... 270 Mill.
Zinsen .......... 184 Mill.

C. Verteidieung &amp;amp; Fischerei

454 Mill.

Promemoris

510 Mill

Was im Zusammenhang mit Aenderungen in der Landesverteidigung
 als Folge der Abschliessung und Trockenlegung nötig
sein dürfte und welcher Betrag als Schadenersatz für die Abnahme
 der gegenwärtigen Fischerei in der Zuiderzee ausgezahli
werden soll, ist noch nicht genau anzugeben. Diese Ausgaben
haben jedoch nicht einen derartigen Umfang, dass obige Uebersicht
 eine erhebliche Aenderung erfahren müsste.
Schliesslich muss noch erwähnt werden, dass es deutlich ist,
dass mit der Ausführung eines derartigen Unternehmens und
einer so grossen Ausdehnung des Landesgebiets viele Vorteile
allgemeiner Art für das ganze Land verbunden sind, welche sich
nicht in bestimmten Beträgen ausdrücken lassen, aber dennoch
zweifelsohne sehr bedeutend sind. Vielerlei Erwerbszweige, wie
Handel, Industrie und Landwirtschaft werden mehr oder weniger
Vorteil davon haben, während jahrelang einer grossen Anzahl
von Arbeitern Arbeit verschafft wird. Was insbesondere die
allgemeinen Vorteile der Landwirtschaft anbelangt, diesen widmet
        <pb n="43" />
        obenerwähnte Kommission in Ihrem Rapport äusserst wichtige
Betrachtungen. Sie weist auf den grossen Bedarf unseres Landes
an gutem Kulturboden hin und weist deutlich nach, dass, wenn
Holland auf landwirtschaftlichem Gebiet eines der bedeutendsten
 Länder Europas bleiben will, es notwendig ist, dass es die
Verfügung über mehr guten Kulturboden hat und dies sogar so
bald wie möglich.
Sowohl die Kosten als die Nutzen des ganzen Werkes sind
jetzt also abermals so genau wie möglich untersucht worden
und das Verhältnis zwischen beiden darf günstig genannt werden.
 Dazu kommen noch die nicht in Zahlen auszudrückenden
Vorteile, die in der Zukunft von der Ausführung des Werkes zu
erwarten sind inbezug auf die Wohlfahrt des ganzen Landes,
woraus die Regierung denn auch den Schluss ziehen durfte, dass
in der Tat die Zeit gekommen sei, das Unternehmen so bald wie
möglich energisch in Angriff zu nehmen. Und da die genannte
Kommission den grossen augenblicklichen Bedarf an Kulturboden
 deutlich dargelegt hatte, beschloss sie mit der Trockenlegung
 nicht zu warten, bis der Abschluss ganz vollendet sein
würde, sondern mit einem Teil dieser Trockenlegung und zwar
mit dem Wieringerseepolder bereits anzufangen während des
Baus des Abschlussdeichs von Wieringen nach der friesischen
Küste, Der östliche Deich des Wieringerseepolders wird dann
zwar nicht als Binnenseedeich, sondern als ein viel schwereter
Seedeich gebaut werden müssen, aber die daraus erwachsenden,
höheren Kosten 4) werden, wie man annehmen darf, wieder auszeglichen
 durch die Vorteile, welche daraus erwachsen, dass die
ersten neuen Gründe auch umso früher zur Verfügung stehen
werden.
Der Abschlussdeich von Wieringen nach der friesischen Küste
und der Wieringerseepolder bilden also zusammen das Arbeitsprogramm
 für die ersten Jahre. Es hatte keinen Zweck, sich jetzt
schon auf längere Zeit zu binden, da im Laufe der Zeit auf Grund

4) Bereits aufgenommen in der Kostenberechnung auf Seite 40.
        <pb n="44" />
        näherer Untersuchungen und anderer Anforderungen noch Veränderungen
 in Erwägung zu ziehen sein werden, während auch
Veränderungen in den ökonomischen Verhältnissen ihren Einfluss
 geltend machen können.
Wie bereits mitgeteilt wurde, wird für den Bau des Abschlussdeichs
 zwischen Wieringen und Friesland eine Zeitdauer
von 8 Jahren nötig sein, Was den Wieringersee anbelangt, —
sowohl die Bedeichungswerke als diejenigen für die Schiffahrt
und Entwässerung um diesen Polder, — so werden diese in den
ersten 3 Jahren vollendet werden können; im vierten Jahre wird
die Trockenlegung und im fünften und sechsten ‚Jahre die Parzellierung
 stattfinden können, Im siebenten und achten Jahre
wird dann der Boden zum erstenmal bebaut werden können,
während vorläufig damit gerechnet werden muss, dass erst im
13. und 14. Jahre die Gründe derart entsalzt sein werden, dass
sie ihren vollen Kapitalwert erlangt haben.
Was diesen letzten Punkt anbelangt, so muss noch erwähnt
werden, dass im Gesetzentwurf ebenfalls aufgenommen ist die
Anlage eines Probepolders, So bald wie möglich wird gegen die
nordholländische Küste, etwas östlich des entworfenen Wieringerseepolders,
 ein kleiner Polder von ungefähr 40 ha eingedeicht
 werden, dessen Bodenbeschaffenheit derjenigen des Wieringerseepolders
 entpricht 5). Hier können alsdann verschiedene
Untersuchungen angestellt werden im Zusammenhang mit der
Kultivierung der neuen Gründe und hofft man Erfahrungen inbetreff
 der Entsalzung und Bodenstruktur zu machen, woraus
beim grossen Wieringerseepolder der nötige Vorteil gezogen
werden kann.
Im Frühjahr 1926 wurde der Gesetzentwurf ohne namentliche
Abstimming von den beiden Kammern der Generalstaaten angenommen.


HAAG. im Mai 1926.

5) Diese Kosten sind ebenfalls aufgenommen in denjenigen des
Wieringerseepolders auf Seite 40.
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näherer Untersuchungen und anderer Anforderungen noch Veränderungen
 in Erwägung zu ziehen sein werden, während auch
Veränderungen in den ökonomischen Verhältnissen ihren Einfluss
 geltend machen können.
Wie bereits mitgeteilt wurde, wird für den Bau des Ab-Schlussdeichs
 zwischen Wieringen und Friesland eine Zeitdauet
von 8 Jahren nötig sein. Was den Wieringersee anbelangt, —
Sowohl die Bedeichungswerke als diejenigen für die Schiffahrt
und Entwässerung um diesen Polder, — so werden diese in den
ersten 3 Jahren vollendet werden können; im vierten Jahre wird
die Trockenlegung und im fünften und sechsten ‚Jahre die Parzellierung
 stattfinden können, Im siebenten und achten Jahre
wird dann der Boden zum erstenmal bebaut werden können,
während vorläufig damit gerechnet werden muss, dass erst im
13. und 14, Jahre die Gründe derart entsalzt sein werden, dass
sie ihren vollen Kapitalwert erlangt haben.
Was diesen letzten Punkt anbelangt, so muss noch erwähnt
werden, dass im Gesetzentwurf ebenfalls aufgenommen ist die
Anlage eines Probepolders, So bald wie möglich wird gegen die
nordholländische Küste, etwas östlich des entworfenen Wieringer-Seepolders,
 ein kleiner Polder von ungefähr 40 ha eingedeicht
 werden, dessen Bodenbeschaffenheit derjenigen des Wietingerseepolders
 entpricht 5). Hier können alsdann verschiedene
Untersuchungen angestellt werden im Zusammenhang mit der
Kultivierung der neuen Gründe und: hofft man Erfahrungen inbetreff
 der Entsalzung und Bodenstruktur zu machen, woraus
beim grossen Wieringerseepolder der nötige Vorteil gezogen
werden kann.
Im Frühjahr 1926 wurde der Gesetzentwurf ohne namentliche
Abstimming von den beiden Kammern der Generalstaaten angenommen.


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HAAG, im Mai 1926.

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5) Diese Kosten sind ebenfalls aufgenommen in denjenigen des
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