10 tionenzinsen ein. An der New Yorker Fondsbörse entstand am 20. September eine so starke Kursderoute, daß der Präsident und der Verwaltungsrat der Börse diese bis zum 30. September schlossen. Der Krisis des Geldmarktes und der Börse folgte eine tiefe Depression des amerikanischen Wirtschaftslebens, deren Nachwehen erst 1877 überwunden waren. Die durch die amerikanische Krisis 1873 erlittenen Verluste europäischer Kapitalisten wurden auf 600 Millionen Dollar geschätzt. Der Hauptanteil hiervon entfiel auf Deutschland. Von allen von der Weltkrisis 1873 mitgenommenen Volkswirtschaften hatte Deutschland am meisten gelitten, Als Absatzgebiet amerikanischer Effekten kam es daher in den Jahren 1873—1880 in nennenswerter Weise nicht in Betracht. England dagegen, das von ‚der ersten großen Krisis der kapitalistischen Welt 1857 stark mitgenommen worden war, wurde durch die zweite Weltkrisis 1873 nur wenig berührt. Einmal waren die Nachwirkungen der auf England beschränkt gebliebenen Wirtschaftskrisis 1866 An- fang der siebziger Jahre noch so bedeutend, daß zwar die Stagnation des Wirtschaftslebens, nicht aber die Zurück- haltung der Bankwelt gewichen war, dann aber waren seine Verluste in der amerikanischen Krisis 1873 nicht allzu große, da es fast nur Obligationen gut fundierter Gesell- schaften besaß, die entweder ihre Zinsen weiter zahlten, oder aber als zukunftsreicher Anlagebesitz gelten konnten, Andere, von den Wirkungen der Weltkrisis verhältnismäßig verschont gebliebene Länder waren Frankreich und Holland, Doch war ersteres durch den Krieg 1870/71 und die an Deutschland gezahlte Kriegsentschädigung von 5 Milliarden Franks wirtschaftlich so geschwächt, daß es selbst auf den Kapitalimport angewiesen war, Der Rentnerstaat Holland aber hat sich seit der Tulpenmanie 1634 und dem Lawschen Missisippi-Schwindel 1719 von allen übertriebenen Speku- lationen fern gehalten, Für die Einfuhr europäischen Kapitals in die Vereinig- ten Staaten gegen Übernahme von Effekten kamen daher nach 1873 nur England und Holland in Betracht. England benutzte nicht nur die nach der Panik im September 1878 stark gesunkenen Kurse guter Obligationen zu größeren Ankäufen, sondern übernahm schon im Jahre. 1874 für 70 Millionen Dollar!) bonds verschiedener Eisenbahngesell- 1) Zusammengerechnet aus den im Commercial and Financial Chronicle aufgeführten Emissionen.