einem Streich konnten wir uns natürlich nicht hergeben. Ent— sprechend dem in der Tschechoslowakei eingebrachten Versiche— rungsgesetz haben wir das Verhältnis derart übernommen, daß der Vorstand zu vier Fünfteln aus Vertretern der Ar— beiter und Angestellten, zu einem Fünftel aus Vertretern der Unternehmer, die Kontrolle zu vier Fünfteln aus Unter— nehmervertretern bestehen soll. Mittlerweile kamen die Wahlen für die Kammern der Arbeiter und Angestellten. Christlich— sogiale, Deutschnationale und Kommunisten haben es nirgends über 12 Prozent der Stimmen gebracht. Da hat der Refe— rent, Dr. Resch, erklärt, es sei mit den Christlichsozialen über die Einheitskasse und die Altersversicherung nicht zu reden. Sie haben nämlich gesehen, daß sie, wenn die Einheitskasse geschaffen wird, in deren Vertretung nichts zu tun hätten. Die Einheitskasse ist also kein sachliches Problem, sondern ein Politikum geworden. Daher konnte weder sie noch die Alters— versicherung geschaffen werden. Im Jahre 1904 hat Koerber einen Entwurf über die Alters- und Invaliditätsversicherung eingebracht, dem in den Jahren 1908 und 1911 neue Vor— lagen folgten. Es sollten für die Altersversicherung eigene Be— zirksstellen geschaffen werden, die die Verwaltung zu führen hatten. Aber die Sozialversicherung ist nicht dazu da, um einen möglichst großen bürokratischen Apparat einzusetzen (Beifall), sondern dazu, um mit den billigsten Mitteln verwaltet zu werden. Das kann sie nur, wenn die ganze Versicherung pyra— midenartig aufgebaut ist, als Unterlage die Einheitskasse be— sitzt, die Alters- und Invaliditätsversicherung, in diese Ver— sicherung eingebaut die Unfallversicherung, angegliedert die Pensionsversicherung der Angestellten und durch Überein— kommen auch die Angestelltenkasse. Dieser große Bau der Sozialversicherung war aber nicht möglich, weil die Grundlage, die Einheitskasse, gefehlt hat. Ein Gesetz über Einheitskasse und Altersversicherung wurde aber ausgearbeitet und im August 1920 der Offentlichkeit übergeben. Später wurden die Entwürfe als sozialdemokratische Initiativanträge eingebracht. Im Jahre 1921 hat der damalige Minister Pauer einen Re— gierungsentwurf vorgelegt, aber alles ist bis heute unerledigt, und so oft wir den vom Ausschuß bestellten Referenten gestoßen haben, er möge referieren, antwortete er: „In meinem Klub ist heute über diese Dinge nicht zu reden!“ Es wird die Frage gestellt, ob der Staat heute die Altersversicherung durchführen, ob er die Opfer dafür