gaben” auf, die innerhalb der bestehenden kapitalistischen Gesellschaftsordnung von der Sozialdemokratie vertreten werden; unter ihnen fallen auf: Die Forderung nach der Einheitsrepublik auf Grundlage demokratischer Lokalverwaltung statt des Bundesstaates, nach der De- mokratisierung der Verwaltung und der Rechtspflege und schließlich die Forderung nach der Trennung der Kirche vom Staate unter Betonung des Gesichtspunktes, daß die Religion Privatsache jedes einzelnen sei. Ueber den Uebergang von der kapitalistischen zur sozialistischen Gesellschaftsordnung spricht sich das Pro- gramm aus: „Die Voraussetzungen für die Ueberwindung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung werden durch die Entwicklung des Kapitalismus selbst geschaffen. Indem die Entwicklung des Kapitalismus. den Kapitalisten in einen bloßen Aktionär verwandelt, beraubt sie das Kapitaleigentum seiner ursprünglichen Funktionen und ermöglicht daher seine Aufhebung. Indem sie die Macht über die ganze Volkswirtschaft in den Händen der Groß- banken, der Kartelle und Trusts, der großen Industrie- und Handelskonzerne konzentriert, ermöglicht sie es dem arbeitenden Volke, durch Vergesellschaftlichung der durch den Kapitalismus selbst konzentrierten Produktions- und Tauschmittel die Macht. über seine Volkswirtschaft zu erobern. Anderseits hat die Entwicklung des Kapitalismus die Arbeiterbewegung hervorgerufen. Mit der Arbeiter- bewegung entwickeln sich die Genossenschaften, die gemeinwirtschaftlichen Anstalten, die Staats-und Gemeinde- betriebe, so werden die Formen gesellschaftlicher Leitung der Gütererzeugung und Güterverteilung entwickelt. Mit lem Wachstum der Macht der Arbeiter wächst ihr Ein- blick in die Bedingungen der Produktion und erstarkt das Gefühl ihrer Verantwortung vor der Volksgesamtheit für den Gang der Produktion; damit wird es möglich, das Kommando des Kapitals über die Produktion auf- zuheben, ohne die Produktion selbst zu gefährden. Zugleich entwickelt sich die Solidarität zwischen den manuellen und den geistigen Arbeitern. Damit erst wird die Voraussetzung entwickelt dafür, daß die geistigen Arbeiter ihr Wissen und Können willig in den Dienst des Aufbaues einer sozialistischen Gesellschaft stellen und daß die manuellen Arbeiter der vom Kommando des Kapitals befreiten geistigen Arbeit die ihrer würdige, für die sozialistische Produktion unentbehrliche Stellung innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der vergesellschafte- ten Betriebe zuerkennen. . Werden so durch die Entwicklung des Kapitalismus selbst die Voraussetzungen seiner Ueberwindung ‚ge- schaffen, so wird durch dieselbe Entwicklung seine Ueber- windung zur geschichtlichen Notwendigkeit.” Der Sozialismus wird das Ausbeutungs- eigentum der Kapitalisten und der Groß- grundbesitzer aufheben, nicht das Arbeits- eigentum der Kleingewerbetreibenden und der Bauern. Aber er wird die Entwicklung der Ge- nossenschaften der Kleingewerbetreibenden und der Bauern, die allmähliche freiwillige Vergenossenschaftung geeigneter Zweige ihrer Produktion und des Vertriebes ihrer Erzeugnisse tatkräftig fördern und sie dadurch der sich entwickelnden sozialistischen Gesellschaft eingliedern. Die Sozialdemokraten erklären in dem Programm ‚den mit friedlichen Mitteln” erstrebten Anschluß an lie deutsche Republik als den notwendigen Ab- schluß der nationalen Revolution des Jahres 1918. Einen Bestandteil des Parteiprogrammes bildet das zu Wien im Jahre 1925 angenommene „Agrarprogramm”, ıus dem jene Stelle besondere Aufmerksamkeit verdient, n der zur Frage des bäuerlichen Privateigentumes stellung genommen wird. „Der Sozialismus bekämpft las Raubeigentum der Herrenklassen, nicht das Arbeits- jgentum der Bauern. Durch die Sozialisierung des Raub- zigentumes der Herrenklassen wird das Arbeitseigentum ier Bauernschaft nicht gefährdet, sondern gefestigt. Der 3Zauer war vor der feudalen Gesellschaft da. Er hat.in ler feudalen Gesellschaft gelebt und er lebt in der <apitalistischen Gesellschaft. Auch im Rahmen der ;ozialistischen Gesellschaft werden Bauern als freie Besitzer auf ihrer Scholle leben.” Die straff organisierte Sozialdemokratische Partei 'er- zennt als ihre Mitglieder nur jene Personen an, die sich su den Grundsätzen des Parteiprogrammes bekennen ınd außerdem auch formell Mitglieder der Parteiorgani- ‚ation ihres Wohnortes sind. Die Grundlage der Partei- rganisation ist der politische Verein; sie gliedert ich in Lokal-, Bezirks-, allenfalls auch Kreis- und in die „‚andesorganisationen. Von den Parteimitgliedern wird ‚ur Deckung der Organisationsausgaben ein Parteibeitrag ingehoben, dessen Ertrag auf die einzelnen Organi- 'ationen aufgeteilt wird. Die Partei ist streng demokratisch organisiert; ihre ıberste Vertretung ist der Parteitag, der alljährlich ein- »erufen wird. Zur Teilnahme an seinen Verhandlungen ind in erster Linie die Delegierten der Bezirksorgani- :ationen berechtigt; sie werden nicht von einem Aus- <husse, sondern von der „Bezirkskonferenz” gewählt. Jer Wahl der Parteitagsdelegierten hat die Erörterung der Tagesordnung des Parteitages in den Parteimitglieds- versammlungen voranzugehen. Neben den Delegierten Jer Bezirksorganisationen treten auch solche der Kreis- ınd Landesorganisationen, sowie zahlenmäßig kleine Jelegationen besonderer Parteikörperschaften auf. Der Parteitag ist die oberste Instanz, dem die Beur- eilung der politischen, organisatorischen und agitato- ischen Tätigkeit des Parteivorstandes und der Tätigkeit ler sozialdemokratischen Abgeordneten und Bundesräte »bliegt. Er wählt zur Besorgung der laufenden Geschäfte den ‚Parteivorstand”, der zusammen mit der Parteikontrolle lie „Parteivertretung” bildet, die zur Entscheidung aller Fragen von großer politischer oder finanzieller Tragweite »erufen ist; einen Parteiobmann kennt die Sozialdemo- xratische Partei nicht; seine Funktionen übt der vom D”arteivorstand aus seiner Mitte gewählte Vorsitzende — ‚jeit dem Ableben Viktor Adlers, also seit 10 Jahren, ler gegenwärtige Bürgermeister Wiens, Karl Seitz aus, ler in den ersten zwei Jahren der Republik als Prä- jident der Nationalversammlung mit den Aufgaben eines staatsoberhauptes betraut war. Bemerkenswert sind die Vorschriften, die die Sozial- lemokraten ihren Mitgliedern hinsichtlich ihrer privat- wirtschaftlichen Betätigung macht. „Parteimitgliedeı Jürfen nicht dem Verwaltungs- oder Auf- sichtsrat kapitalistischer Aktiengesell- schaften angehören. Diese Bestimmung findet keine