gesteigert, die Vaus der lebhaften Propaganda er- wuchsen, welche die amtlichen Vertreter der Räte- regierung in Ungarn hier betrieben. Nach. dem Sturze der Räteregierung hinwiederum waren es die Führer und Parteigänger dieses Systems, welche in Jesterreich Schutz und Zuflucht fanden. Unbe- zümmert um die Vorwürfe, welche ihm solche Asyl- zewährungen eintrugen, hielt Yes aber das freie Jesterreich Au für seine Ehrenpflicht, politischen "lüchtlingen sichere Zuflucht zu bieten, solange sie hier nicht eine politische Tätigkeit entfalten, welche den Interessen Oesterreichs zuwiderläuft. Ein weiteres MVoment, welches die Beziehungen zwischen Oester- reich und Ungarn im Jahre 1920 schwer belastete, war der im Juni dieses. Jahres von der Gewerk- schaftsinternationale verhängte Boykott über Ungarn, welchen Ungarn, nachdem ein Vermittlungsversuch des Österreichischen Staatskanzlers fehlgeschlagen hatte, mit einem ausschießlich gegen Oesterreich durchgeführten Gegenboykott beantwortete, der ins- besondere für die Bevölkerung Wiens ungemein fühlbar war. Boykott und (Der Aulen endeten erst im Monate August. / Der Aufenthalt der ungarischen Rätefunktionäre ‘in Wien stellte natur- gemäß für die österreichische Regierung eine schwere Verlegenheit dar, war sie sich doch der Verant- wortung, welche sie durch eine solche Asylgewährung aicht nur dem eigenen Lande, sondern ganz Europa gegenüber auf sich nahm, voll bewußt. Um so Teudiger mußte sie daher die Gelegenheit ergreifen, die ungarischen Rätefunktionäre nach Rußland äberstellen zu können. Diese Gelegenheit bot sich hr im Laufe der mit der russischen und der ukra- nischen Sowjetregierung angeknüpften Unterhand- ungen wegen des Kriegsgefangenenaustausches. Im Kopenhagener Abkommen vom 5. Juli 1920, las im übrigen die Heimkehr ‚der österreichischen Kriegsgefangenen aus Rußland wesentlich beschleu- nigte, verpflichtete sich nämlich die österreichische Regierung, die. Ausreise der ungarischen Räte- junktionäre nach Rußland in jeder Weise zu er- leichtern. Auf dem Gebiete der Handelspolitik hat sich die österreichische Regierung in den ersten Jahren der Aepublik nebst der Wiederanknüpfung der Wirt- schaftsbeziehungen zu den Nachfolgestaaten vor- nehmlich die Förderung des Exportes in das Altausland zur Aufgabe zu stellen gehabt. Ein möglichst verbotfreier Handelsverkehr und Abbau der allenthalben vordringenden schutzzöllnerischen Ten- denzen war das angestrebte Ziel. In der Tat wurden m Jahre 1920 außer den schon früher genannten Handelsabkommen handelspolitische Uebereinkommen mit Polen und der Schweiz, Rumänien, Bul- zarien und Liechtenstein abgeschlossen. kn Das Ende des Jahres 1920 brachte noch ein poli- A Ad Lhumi, tisches Ereignis von größter Bedeutung für unseren (ah Ya] hüölr A Staat: Oesterreich wurde gelegentlich der ersten Ver- ‚ammlung des Völkerbundes am 15. Dezem- ver 1920 einstimmig in den Bund. aufgenommen. Die Normalisierung, welche in den Beziehungen esterreichs zu den wichtigsten Auslandsstaaten seit ler Unterzeichnung des Vertrages von St. Germain äingetreten war, kommt deutlich darin zum Ausdruck, laß die Republik zu dem angegebenen Zeitpunkt be- 'eits ständige diplomatische Vertretungen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, :talien, beim Heiligen Stuhle, in den Sukzes- ;ionsstaaten, in Holland, in der Schweiz und in Spanien unterhielt. Die wichtigste außenpolitishe Aufgabe, die die Ssterreichische Regierung im Laufe des Jahres 1921 zu bewältigen‘ hatte, war die Angliederung des etzigen Burgenlandes an Oesterreich. Die ‚Ösung ‚dieser Aufgabe füllte das ganze Kalender- ahr aus. Noch in den letzten ‘Tagen des Jahres 920 hatte die Botschafterkonferenz beschlossen, laß die in Betracht kommenden westungarischen ebiete unmittelbar nach Inkrafttreten des Vertrages ‚on Trianon von Ungarn an die alliierten Mächte zu übergeben und von diesen dann an Oesterreich zu übertragen sein würden. Dieser Beschluß löste in Jngarn stärksten Unmut aus, der. sich in handels- politischen Unfreundlichkeiten Oesterreich gegenüber iußerte. Im Februar 1021, erschien sodann eine ıngarische Delegation unter Führung des Außen- ninisters Dr. Gratz in Wien, welche zu einem lirekten Einvernehmen mit Oesterreich über die Grenzfragen zu gelangen suchte. Da jedoch von ıngarischer Seite nur ganz bedeutungslose Korrek- ‘uren an der alten österreichisch-ungarischen Grenze angetragen wurden, konnte ein Einvernehmen nicht erzielt werden. Das unvermutete Auftreten des früheren Kaisers ınd Königs Karl in Steinamanger in den letzten Tagen des März verschärfte die ohnehin mit Nervo- zität geladene Stimmung an der österreichisch-ungari- schen- Grenze weiter. Die damalige österreichische tegierung erklärte, daß sie die Restauration deı Tabsburger in Ungarn als eine Bedrohung der fried- ichen Entwicklung der österreichischen Republik an- ;ehen müßte, nachdem schon vorher die Mächte der <leinen Entente die Entfernung König Karls aus Jngarn gefordert hatten. Am 1. April faßte die Bot- schafterkonferenz. den einstimmigen Beschluß, daß lie Verbündeten eine Restauration der Habsburger weder anerkennen noch dulden würden. Unter dem Druck dieser allgemeinen Gegnerschaft, zu welcher als Hauptsache auch die Ablehnung des Unternehmens durch die ungarische Regierung und das ungarische Parlament kam, sah sich der König zur Liquidierung seiner Aktion gezwungen. Am 4. April reiste er von Steinamanger durch Oesterreich Jan-die-Schweizer Grenze. Von einer gewissen. historischen und staats- >