Goldenen Tapferkeitsmedaille zu Grabe getragen wird, begleitet ihn ein Ehrenkondukt des Bundesheeres. Wertvolle Hilfe bei Pflege der Überlieferung im Bundes- heere leistet das österreichische Heeresmuseum, eine der bekanntesten Sammlungen ihrer Art. Nach dem Zusammenbruch drohte ihm völlige Vernichtung. Kaum war diese Gefahr abgewehrt, als die‘ Ententestaaten große Bestände des Museums beschlagnahmen wollten, Auch die Nachfolgestaaten stellten weitgehende Forde- rungen. Vieles mußte dem Auslande überlassen werden, doch die Erhaltung des wertvollen Instituts als solches war trotz aller Schwierigkeiten gelungen; heute ist es wieder in erfreulichem Aufstieg begriffen. Der Wechsel im Personal, die Raumfrage und der Geldmangel, die Verhandlungen mit dem Ausland und der Kampf daheim am den Bestand ließen zuerst keine museale Aufbau- arbeit zu. Erst schrittweise gelang es, sich der Neuord- aung des Museums, der Sichtung der Kriegssammlungen ınd des sonstigen zugeströmten Materiales, dann der Erweiterung der Sammlungen zu widmen. Langsam konnte das Museum wieder seine wertvolle Mitarbeit in den Dienst der Allgemeinheit stellen. Die Einrichtung der Truppenmuseen und der Schmuck der Kasernen mit historischen Bildern, die Herstellung der neuen Regimentsfahnen, die Beratung bei Errichtung der Krieger- denkmäler, die Mitwirkung bei historischen Feiern und anderes mehr müssen dem Heeresmuseum als Anteil am zeistigen Wiederaufbau unseres Volkes angerechnet werden. Die Wiedereröffnung des bisher um die Kriegs- bildergalerie hbereicherten Museums hatte besten Arfolg — ein Beweis, daß die Bevölkerung ihren Sinn für Erinnerungen an die Heldentaten des österreichischen Volkes bewahrt hat. Die Rettung des Heeresmuseums aus dem Zusammenbruch und sein Wiederaufbau ist zweifellos ein großes Werk, an dem Staat, Heer, Volk and Wissenschaft gleichermaßen interessiert sind, Das österreichische Kriegsarchiv. Ähnlich wie dem Heeresmuseum erging es in den Zeiten des Umsturzes einem zweiten österreichischen wissenschaftlichen Institut von Weltruf: dem Kriegs- archiv. Auch diesem drohte lange ein ungewisses Schick- ;al, das sich erst 1020 mit der endgültigen Austrifizie- rung und Unterstellung unter das Bundeskanzleramt klärte. Damit war das Kriegsarchiv Österreichisch ge- blieben. Das Jahr 1018 ließ dem Archiv ungeheuere Aktenmengen von den Feldarmeen und aus den Hinter- andsbereichen zuströmen, eine Menge, die den bis- ıerigen Bestand des Archivs weit überschritt. Alle der \uflösung zugeführten militärischen Kommandos, Schulen 3Zehörden und sonstigen Stellen übergaben ihr Akten- naterial dem Kriegsarchiv. Schlichtung und Sichtung lieses Materials nahm alle verfügbaren Kräfte in An- pruch. Große Bestände des Archivs mußten gleichzeitig len Nachfolgestaaten ausgefolgt werden. Ein größerer 3rand im Archivgebäude beschäftigte mit den nach- olgenden Sichtungsarbeiten ein eigenes Personal für ange Zeit. Da alle auf die k. u. k. Wehrmacht be- ‚üglichen Rechtsfragen nur mittels der nunmehr im Archiv befindlichen Akten zu bearbeiten sind, muß än bedeutender Teil der Arbeit noch für lange dem ‚aufenden staatlichen Verwaltungsdienst gewidmet wer- len. Besonders alle personellen Angelegenheiten ehe- naliger Wehrmachtsangehöriger, ferner alle Abrech- aungsangelegenheiten mit ehemaligen feindlichen Staaten ‚erlangen die dauernde Mitarbeit des Archivs. Trotzdem zelang es neben allen diesen Aufgaben, das Archiv ür die aufzunehmende wissenschaftliche Arbeit neu zu organisieren. Das Archiv besteht jetzt aus der Gruppe der Personal- akten, der Feldakten und der Militärverwaltung, ferner aus der weltberühmten Bibliothek und der kostbaren Carten- und Plansammlung. Das neugeschaffene „Kriegs- r‚eschichtliche Hauptreferat“ befaßt sich bereits mit deı \uswertung der Bestände für wissenschaftliche Zwecke. Die publizistische Tätigkeit des Kriegsarchivs konnte ich bisher infolge der geschilderten Verwendungsauf- zaben, dann der durch die Archivverträge mit den jukzessionsstaaten bedingten Erschwernisse der offiziellen \ktenauswertung und wegen des Mangels an entspre- chenden Geldmitteln noch nicht äußern. Die vielen be- reits geleisteten wissenschaftlichen Arbeiten fanden jedoch in der periodischen in- und ausländischen histo- -ischen und Militärpresse teilweise Veröffentlichung \uch ist das Archiv an großen reichsdeutschen, hbriti- ichen und amerikanischen Publikationen beteiligt. Die Bearbeitung der Teilnahme Österreich-Ungarns am Weltkriege war schon lange geplant und- ist nun- nehr in die Wege geleitet. Das österreichische Kriegs- archiv wird jene achtunggebietende Stellung in der internationalen historischen Kriegswissenschaft wieder erreichen, die es immer hesessen hat.