portefeuille verfügten und in der Transportversiche- rung tätig waren, mußten in einer Unzahl von Währungen (vielfach über ein halbes Hundert) kon- tieren. Eine weitere für die Gesellschaften mißliche Begleiterscheinung der Inflation war, daß sie oft ge- nug ein, wegen der Entwertung der Versicherungs- summe freilich minimal gewordenes Risiko gratis tragen mußten, da die Kosten. der Einhebung und Ver- buchung der entwerteten Prämien. in keinem Verhält- nis zu der Einnahme gestanden wären und die Fin- haltung des vom Versicherungs-Vertrags-Gesetze zum Schutze der Versicherungsnehmer vorgeschriebenen Prämienmahnverfahrens unverhältnismäßige Kosten verursacht hätte. Die akquisitorische Tätigkeit waı aber‘ bei der herrschenden Geldflüssigkeit ziemlich leicht; einerseits hatte die Schadensversicherung nicht jene Vertrauenskrise durchzumachen, wie die Lebens- versicherung, andererseits ging die Anpassung an die Geldwertverhältnisse im allgemeinen rasch vor sich, da das Publikum sich der Erkenntnis der Notwendig- keit eines hinreichenden Versicherungsschutzes für die vorhandenen Sachgüter nicht verschloß und die relativ geringe Belastung durch Schadensver- zicherungsprämien leichter auf sich nahm. Die Prämien- einnahmen wiesen alljährlich eine gewaltige ziffern- mäßige Steigerung aus. Dabei war in den Inflations- ;ahren der Schadensverlauf, insbesondere in dem oedeutendsten Zweige der Schadensversicherung, deı l’euerversicherung,einaußerordentlich günstiger. Dies ist in der Hauptsache darauf zurückzuführen, daß eben Sachgüter damals viel höher geschätzt wurden als Geld, weshalb cdie Versicherten der Verhütung von Brandschäden ganz besondere Aufmerksamkeit schenkten und Spekulationsbrände fast überhaupt nicht vorkamen. Außerdem mußten bei vorkommen- den Brandschäden die Versicherer oft nicht für den ganzen Schaden aufkommen, weil vielfach noch Unter- versicherungen bestanden. In der Transportversiche- rung, die in der ersten Nachkriegsveit zwar stark unter Bahndiebstählen zu leiden hatte, wirkte der durch die Inflation begünstigte stärkere Güterverkehr sehr belebend. Bezüglich des Schadensverlaufes war das Schmerzenskind der Schadensversicherung eigent- lich nur die Einbruchdiebstahlversicherung, begreiflich, da der Krieg demoralisierend gewirkt hatte, die öffentlichen Sicherheitsverhältnisse, die Straßenbeleuch- tung viel zu wünschen übrig ließen. und die allge- meine Verarmung der Bevölkerung das ihrige dazu beitrug. Betrachtet man die Rechnungsahbschlüsse der Schadensversicherungs-Gesellschaften aufeinander- folgend in den ersten Nachkriegsjahren, so zeigen sie im allgemeinen kein ungünstiges Bild. Stets stark steigende Prämieneinnahmen bei mäßigen Ausgaben für Schäden (allerdings außerordentlich hohe Regien), sowie ziffernmäßig ziemlich hoch er- scheinende Überschüsse. Die Ziffern der öffentlichen Rechnungslegung in dieser Zeit geben jedoch kein ichtiges Bild von der Lage der Gesellschaften, den las Gros derselben hat, von einer diesbezüglichen. lurch die besonderen Verhältnisse der Nachkriegszeit yegründeten Erlaubnis des Bundeskanzleramtes als Yersicherungsaufsichtsbehörde Gebrauch machend, die remden Währungen nicht zu ihrem wirklichen Werte, ‚oondern zu den Vorkriegsrelationen bzw. al pari, ılso beispielsweise eine tschechische Krone ist gleich ine österreichische Krone, verrechnet. Daraus ergibt ich, daß die Regien faktisch nicht dem vielfach ge- ‚adezu unerträglich hoch erscheinenden Prozentsatz ler Prämieneinnahme ausgemacht haben, wie er aus len Rechenschaftsberichten hervorgeht. Es ist klar, laß die Regien, die in der Hauptsache in österreichi- ‚chen Kronen zu zahlen waren, da eben der über- viegende Teil der Beamtenschaft auf Österreich ent- jel, perzentuell enorm hoch in Erscheinung treten nußten, wenn die Prämieneinnahmen nicht mit ihrem ‚alutarischen Gewichte ausgewiesen wurden. In den neisten. Rechnungsabschlüssen aus dieser Zeit wird nan auch unter den Einnahmen hohe Posten unter lem Titel „Kursgewinn an Valuten” finden, indem äin Teil der Bestände an fremden Währungen in österreichische Kronen umgewechselt wurde, um dar- aus die Regien zu bestreiten. Das Jahr 1922 brachte den Gesellschaften mit der 5tabilisierung der österreichischen Krone wieder lie Möglichkeit, mit festen Größen zu rechnen. Die Wirkungen waren verschiedenster Art. Die sprung- 1afte Steigerung der Regien hatte endlich ein Ende zefunden, dagegen gestaltete sich die Erwerbung 1euer Geschäfte wesentlich schwieriger, die ıingetretene allgemeine Wirtschaftskrise blieb selbst- verständlich auch auf die Akquisitionstätigkeit der Versicherungsanstalten nicht ohne Finfluß. Die Mög- üichkeiten, im Wege von Nachversicherungen neue Prämieneinnahmen zu erzielen, waren ziemlich erschöpft. Vielfach zeigten sich sogar bereits Überversicherungen, ıeue Versicherungsobjekte entstanden äußerst spär- ich, der Mittelstand, der in den Vorkriegszeiten die ‚esten Risken gebracht hatte, war verarmt und dem- antsprechend Versicherungsahbschlüssen wenig geneigt, las Inkasso wurde schleppend, die früher in der >xchadensversicherung fast unbekannten Prämienstun- Jungen und Zahlungen in Raten nahmen mehr und nehr zu. Auch in den Schadensziffern traten bald lie geänderten wirtschaftlichen Verhältnisse in Kr- scheinung, hier vor allem in der Feuerversicherung, lie, einst der stolzeste Stützpfeiler in der österreichischen 5chadensversicherung, sich außerordentlich un- zünstig entwickelte. Zufolge der Festigkeit des Geld- wertes war die Sorge, trotz Versicherung wegen des unsicheren Wertes der in Geld Zu leistenden. Fınt- schädigung doch zu Schaden zu kommen, weggefallen, die besondere Sorgfalt bezüglich Schadensverhütung ieß vielfach nach, Spekulationsbrände nahmen mehr ınd mehr zu. Insbesondere das ländliche Feuerver-